Blondinen bevorzugt?

Woher kommen grüne Augen? Rote oder blonde Haare?

Blonde, rote, flachsfarbene Haare könnten entstanden sein um Männer anzulocken zu Zeiten, während der ein Frauenüberschuß herrschte, so die Wissenschaftler

Schon unsere steinzeitlichen Vorfahren bevorzugten anscheinend Blondinen. Zu diesem Schluss kamen Wissenschaftler, die sich mit der Vielfalt an Haar- und Augenfarben in Europa beschäftigten. Fast 90% der Menschheit hat braune Haare und Augen, in Europa aber und überall dort, wo die Ahnen der Europäer leben, gibt es eine sehr viel größere Vielfalt an Haar- und Augenfarben: blonde, brünette, flachsgoldene, mausbraune Haare haben sich hier entwickelt – um nur ein paar zu nennen.

Warum entwickelten sich so viele verschiedene Haar- und Augenfarben in Europa?

Mindestens fünf Gene auf den Chromosomen 15 und 19 sind für die Augen und Haare zuständig. Eines der Gene, das Haaren ihre Farbe gibt, sitzt auf dem Chromosom 19. Überall auf der Welt ist es das gleiche Gen, auf dem gleichen Chromosom, nur seine Form variiert von Mensch zu Mensch. Das Gen heißt HCL1. Eine geringfügige Änderung in der Basensequenz der DNA und anstatt brauner Haare wachsen flachsfarbene Haare. In Europa und überall dort, wo die Ahnen der Europäer leben, gibt es anscheinend sieben verschiedene Formen dieses Gens. Woher kommt diese Vielfalt?

Sir Walter Bodmer von der Universität in Oxford ist einer der Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass die vielen verschiedenen Haar- und Augenfarben keine reine Spielerei der Natur sind.

Der Vorteil heller Haut im Norden und dunkler Haut im Süden

Der Evolutionsbiologe hat Jahre lang Gene untersucht, die in Zusammenhang mit der Entwicklung heller Haut stehen.Je weiter nördlich unsere Vorfahren zogen, desto heller wurde ihre Haut. Diese absorbiert mehr Sonnenlicht und der Körper kann das lebenswichtige Vitamin D produzieren. Weiter im Süden, wo es keine Mangel an Sonnenlicht gibt, schützt dunklere Haut gegen Hautkrebs. Helle Augen sind genauso wie helle Haut anfälliger für den sog. schwarzen Hautkrebs, malignes Melanom.

Die Gene, die für Haut, Haare und Augen zuständig sind, treten in Kombination auf. Aber jeder weiß, dass es auch sehr dunkelhaarige Menschen mit sehr heller Haut gibt. Außerdem erklärt die Tatsache, dass sich die Gene gegenseitig beeinflussen, noch lange nicht, warum sich so viele verschiedene Haar- und Augenfarben bildeten.

Natürliche Selektion und Mutationen in kleinen Gruppen

Sowohl Mutationen als auch natürliche Selektion sind Evolutionsfaktoren, die den Genpool einer Art verändern können. Vor allem in kleinen Gründergesellschaften, die abgetrennt vom Rest der Art ein neues Gebiet erobern, kann sich eine natürlich entstehende Genveränderung durchsetzen.

Die Urahnen der Nordeuropäer waren eine solche kleine Gründergesellschaft. Sie zogen vor 10 000 Jahren, als die Ausläufer der letzten Eiszeit noch das Klima bestimmten, wieder in den Norden.Eine einzige natürliche Genveränderung entsteht aber eher im Zeitrahmen von 100 000 Jahren. Sieben verschiedene Formen des Gens hätten nach dieser Rechnung wohl 700 000 Jahre gebraucht. Natürliche Genveränderung kann diese Vielfalt also ebenso wenig erklären wie natürliche Selektion, denn eine hellere Augen- oder Haarfarbe bringt keinen direkten Evolutionsvorteil.

Sexuelle Selektion

Sir Walter beschreibt einen weiteren, zusätzlichen Faktor, der sich hinter der Vielfalt verbergen könnte: Sexuelle Selektion. Man spricht von sexueller Selektion bei der Frage, warum Männer Frauen und Frauen Männer aussuchen. Wenn es wahr ist, dass Männer Blondinen vorziehen, dann wohl in dem Sinn, dass Andersartigkeit schon immer attraktiv war.

Nun stellt sich die Frage, warum dieser Selektionsdruck gerade in Europa stattgefunden haben soll, aber nicht in Asien oder Australien? Lag es vielleicht am Klima?

Die letzte Eiszeit und der Mangel an Männern

Bis vor 10 000 Jahren herrschte hier noch die letzte Eiszeit, was unsere Vorfahren vor besondere Herausforderungen stellte.Männer waren anscheinend knapp zu diesen Zeiten. Im kalten Klima Nordeuropas mussten die Männer auf lange Jagdzüge gehen, um wandernden Mammut-, Auerochsen und Bisonherden nachzuziehen. Viele junge Männer starben auf diesen Jagdzügen. Wegen der eiszeitlichen Kälte konnten unsere weiblichen Vorfahren kaum Früchte sammeln. Wenn man davon ausgeht, dass sie, während die Männer jagten, zurückblieben, kann man sagen, dass sie viel mehr von Männern abhängig waren als Frauen die in wärmeren Klimas lebten. In diesem Fall warben anscheinend die Frauen um die Männer: Je auffallender ihre Haarfarbe oder Augenfarbe, desto größer waren ihren Chancen, einen Partner zu finden.

Je auffallender, desto besser

Es ging nicht darum, ob die Haare blond oder rot waren, sondern darum, dass eine Blondine unter lauter Schwarzhaarigen auffällt, genauso wie braunes Haar zwischen lauter blonden Köpfen heraussticht. Eine Frau mit einer seltenen Haar- oder Augenfarbe wäre in solch kleinen Gemeinschaften aufgefallen und hätte wahrscheinlich leichter einen Partner gefunden.

Wenn man also einen grossen Überschuss an Frauen hat und nicht all diese Frauen einen Partner haben, denn ein Mann kann in diesem Klima gerade genügend Nahrung für eine Frau herbeischaffen – unter solchen Umständen war sexueller Selektionsdruck zweifellos für die Entwicklung verschiedener Haar- und Augenfarben verantwortlich“, erklärt Doktor Mark Thomas vom University College in London. Er hat herausgefunden, dass auch bestimmte Tiere Andersartigkeit attraktiv finden.Versuche belegen, dass diese Tiere mit seltenen Fell- oder Federfarben eine Zeitlang mehr Nachwuchs erzeugen, bis sie sich im Genpool etabliert haben und eine andere Farbe selten wird, die sich dann eventuell wieder schneller fortpflanzt.

Die Frage, die die Wissenschaft noch weiter beschäftigen wird, ist die folgende: Warum hat sich diese Vielfalt dann aber nicht bei anderen traditionellen Gesellschaften, wie den Eskimos, gebildet, die unter ähnlichen klimatischen Bedingungen lebten und leben?

Eskimogruppen bewegen sich anscheinend mehr mit ihrer Beute, so der Anthropologe Peter Frost. Sie vermeiden lange Jagdzüge, während derer viele unserer männlichen Vorfahren anscheinend ins Gras bissen. Die Anzahl junger Männer, die bei der Jagd stirbt, ist bei den Eskimos nicht so groß wie bei unseren Vorfahren. Dieses ist jedoch nur einer von vielen Einwänden, den Biologen und Anthropologen gegen die These der sexuellen Selektion erheben und bis all diese Fragen geklärt sind, darf der Mythos der Blondinen also noch ein wenig andauern.