
- Cover Blood River - http://www.mig-film-gmbh.com
Wer denkt, das Thrillergenre hielte keine Überraschungen mehr parat, irrt. Mit „Blood River“ präsentiert Adam Mason einen höchst unkonventionellen und originellen Genrevertreter, der dem Zuschauer einiges abverlangt und ihn dafür mit erfrischender Optik, tollen Darstellern und einem verblüffenden Schluss belohnt.
„Blood River“: Verhängnisvolles Rendezvous mit dem Boten Gottes
Die schwangere Summer (Tess Panzer) und Clark (Ian Duncan) sind erst seit kurzem vermählt und befinden sich auf der Heimreise von ihren Flitterwochen. Doch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt spielt ihnen das Schicksal einen üblen Streich: Während der Fahrt durch die Wüste platzt ein Reifen. Glück im Unglück: Beide kommen mit leichten Verletzungen davon. Unglück im Glück: Sie haben keinen Ersatzreifen dabei.
Notgedrungen marschieren sie zur nächsten Stadt, die sich jedoch als völlig menschenleer erweist. Als der der geheimnisvolle Joseph (Andrew Howard) wie aus dem Nichts auftaucht, wähnen sie sich gerettet. Dabei ahnen sie nicht, dass sich dieser als Bote Gottes sieht, der den Sündern ihre Verfehlungen auf drastische Weise sichtbar machen muss …
Atmosphärischer Psychothriller „Blood River“
Auf den ersten Blick mag der von Adam Mason inszenierte Psychothriller nach Massenware klingen. Doch der Eindruck täuscht gewaltig: „Blood River“ erweist sich nicht nur als ungemein spannender, sondern zudem origineller Genrebeitrag. Zugegebenermaßen verlangt der rund 100 Minuten lange Low-Budget-Film dem Zuschauer viel Geduld und Gedankenarbeit ab. Entlohnt wird man aber mit einem der atmosphärischsten Psychothriller der letzten Jahre.
Primitiver Splatter oder Blutorgien sind in „Blood River“ verpönt, während es an drastischen Szenen nicht mangelt. Allerdings dienen diese nicht der puren Darstellung von Blut und Gewalt, sondern erfüllen im Kontext des mystisch angehauchten Drehbuchs einen sich erst allmählich herauskristallisierenden Zweck. Dadurch wirken die spärlich eingesetzten Gewaltszenen umso erschütternder und eindringlicher.
Deutliche religiöse Untertöne schwingen im Film mit
Dem Massengeschmack dürfte „Blood River“ schon alleine deshalb nicht munden, da die üblichen cineastischen Konventionen nur selten aufgegriffen werden. Beispielsweise zieht der Film keine eindeutige Trennlinie zwischen Gut und Böse, sondern konfrontiert den Rezipienten mit der Auseinandersetzung moralischer Fragen. Und obwohl der Film aus wenigen kargen Schauplätzen und lediglich drei Protagonisten besteht, versteht er es, den Betrachter von Beginn weg in seinen Bann zu ziehen.
Dies ist sowohl der beeindruckenden visuellen Gestaltung, als auch den überzeugenden Darstellern zu verdanken. Freilich: An deutlich religiösen Untertönen darf man sich nicht stoßen, um den 2009 produzierten Psychothriller vollends genießen zu können. Doch was in anderen Genrevertretern lediglich zum billigen Gimmick des von Wahnideen besessenen religiösen Eiferers verkommt, fügt sich in „Blood River“ nahtlos und logisch zwingend in den packenden Plot ein.
Zu Interpretationen einladendes Ende
Wem im schulischen Deutschunterricht die obligatorischen Interpretationen literarischer Stoffe Freude bereiteten, darf sich in „Blood River“ geistigen Herausforderungen stellen. Der nach etwa einer Stunde vorhersehbare Plottwist lädt nämlich zu allerlei Interpretationen ein. Leider lässt Regisseur Adam Mason den Zuschauer förmlich im Regen stehen und bietet zu wenige Anknüpfungspunkte, um das abrupte Ende befriedigend erklären zu können. Da gerade der Aspekt der Sünde den zentralen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte darstellt, hätte es deutlich profunderer Erklärungen bedurft, um eben jenes Geschehen nachvollziehen und schlüssig interpretieren zu können.
„Blood River“: Origineller Psychothriller mit vielen Stärken
Nichtsdestotrotz kann „Blood River“ jedem Filmfan ans Herz gelegt werden, der genug von den schematisch ewig gleich ablaufenden Mainstreamwerken aus Hollywood hat und sich nach einem originellen Psychothriller sehnt. Die vielen Stärken des Filmes – hervorragende Schauspieler, interessante Wendungen – wiegen kleinere Schwächen mehr als auf. Adam Mason gelang mit diesem Streifen der Beweis dafür, dass flüssige Inszenierung nicht zwangsläufig mit dem Vergießen von Hektolitern an Blut gleichzusetzen ist.
Originaltitel: „Blood River“
Regie: Adam Mason
Produktionsland und -jahr: USA 2009
Filmlänge: ca. 100 Minuten
Verleih: MIG
DVD-Veröffentlichung: 18.02.2010
