Blühendes Leben in Neuseelands Gewässern

Die Wasserbewohner der vielfältigen neuseeländischen Lebensräume

Coromandel: Die Stingray Bay hat den Namen zurecht - FxReid
Coromandel: Die Stingray Bay hat den Namen zurecht - FxReid
Der südpazifische Inselstaat ist für seine einzigartige, wilde Naturschönheit bekannt, die keineswegs an den Küsten und Ufern Neuseelands endet und recht bissig ist.

Neuseeland verfügt über 15.134 km Küstenlinie bei einer Landesfläche, die den alten Bundesländern der BRD entspricht. Zum Vergleich bringt es Deutschland heute gerade einmal auf 2.389 km Küstenlinie an Nord- und Ostsee. Am anderen Ende der Welt kann man sich aber nicht nur im Südpazifik und der Tasmansee nasse Füße holen, sondern auch in unzähligen Binnengewässern, Flüssen, Gletscherbächen und Seen, die die neuseeländische Landschaft bereichern. Ein Naturparadies nicht nur für die einheimische Vogelwelt mit ihren erstaunlich bodenständigen Vertretern, sondern eben auch für eine reichhaltige Kollektion an Fischen und räuberischen Meeressäugern – nicht zu vergessen den einen oder anderen maritimen Menschenfresser, den man eigentlich nur in den zahnreichen Wellen der australischen Nachbarn erwarten würde. Zu Unrecht.

Belebte Buchten: Schwimmen mit seltenen Delphinen in der Bay of Islands

Die sonnigen Buchten der Bay of Islands sind das Revier des Großen Tümmlers, der bekanntesten und weltweit am meisten verbreiteten Delphinart – und seiner Beobachter. Kein Tag vergeht, an dem nicht ein Ausflugsboot von Paihia oder Russel ausläuft, um die intelligenten grauglänzenden Torpedos in ihrem ansehnlichen Lebensraum aufzusuchen und sogar das Schwimmen mit den neugierigen und äußerst sozialen Säugern zu ermöglichen. Doch Neuseeland hat natürlich noch mehr zu bieten, nämlich auch den kleinsten und seltensten Vertreter der Delphinfamilie. Gerade einmal noch 2.000 bis 3.000 Exemplare des Hector's Dolphin werden in den küstennahen Gewässern und Buchten der neuseeländischen Südinsel vermutet, wo die grau-schwarz-weiß gezeichneten und höchstens 150 cm langen Tiere aus angemessener Entfernung beobachtet werden können. Denn Hector-Delphine sind deutlich scheuer als ihre großen Verwandten der Nordinsel, was sie aber keineswegs davon abhält, ihren Spieltrieb auszuleben und schon mal Wellen bis 10 Meter vor dem Ufer abzureiten. Die beste Möglichkeit der Beobachtung von Land aus bietet die strandnahe Brandung der Porpoise Bay in den Catlins.

An Strand und Steilküste: Pelzrobbe, Seelöwe, Seeelefant und Artverwandte

Wenn man schon mal die abgelegenen Strände und Felsbuchten der Catlins besucht, wird man durchaus auch auf scharfzähnige Räuber im nassen Pelzkleid stoßen, denn das reichhaltige Angebot an Meeresfischen hat nicht nur die Neuseeländer zu einem Volk von leidenschaftlichen Fischern gemacht. Am Strand der Surat Bay tummeln sich mächtige und über 2,50 Meter große Exemplare der subantarktischen Hooker's Sea Lions neben verspielten Pelzrobben, und auch Seeelefanten laufen schon mal die küstennahen Städte des Landes wie Gisborne oder Christchurch an und hinterlassen ihre unverkennbaren Duftmarken. Doch während sich die kalifornischen Seelöwen regelmäßig gegenseitig beim Sonnenbad auf dem berühmten Pier 39 an der Fishermans Wharf von San Francisco auf die Pelzflossen treten, hat hier jeder Meeressäuger neuseeland-typisch genug Raum zur freien Entfaltung an Strand und Steilküste. Zudem gehen die zweibeinigen Bewohner lieber auf Jagd nach großen Fischen, nämlich Game wie Red Snapper, Striped Marlin, Yellowtale Kingfish und Schwertfisch. So bleibt den hydrodynamischen Pelzwürsten genug mundgerechte Beute in den Gewässern vor Neuseelands Küsten.

Der Tiefsee so nah: Wale und Delphine beobachten vor Kaikoura

Je größer der Jäger, desto kleiner die Beute – was eher ungewöhnlich klingt, trifft dennoch auf das größte Tier des neuseeländischen Hoheitsgebietes zu, seines Zeichens übrigens Meeressäuger. Doch um ihn zu sehen, muss man schon ins kleine Städtchen Kaikoura an der nordöstlichen Küste der Südinsel fahren. Denn die geologische Eigenheit der Kaikoura Peninsula hat einen unvergleichlichen Lebensraum geschaffen, der Neuseeland seinen größten Räuber beschert hat: Gerade einmal einen Kilometer vor der Küste fällt der Meeresboden abrupt auf rund 1.000 Meter unter Normalnull ab und bildet einen Tiefsee-Canyon als Unterwasser-Negativ zur küstennahen Bergkette der Kaikoura Range. Dieser Graben ist verbunden mit dem noch tiefer reichenden Hikurangi-Trog, bis zu 3.000 Meter unter der Meeresoberfläche gelegen. Das lockt, zusammen mit äußerst nahrungsreichen Antarktis-Strömungen, diverse Meeressäuger in großer Anzahl, was wiederum zahlende Touristen animiert, eben jene kostenpflichtig zu besichtigen. Besonders die mächtigen Pottwale gehören zu den regelmäßigen Besuchern der inselnahen Tiefsee und lassen sich gelegentlich, dann aber durchaus majestätisch an der Wasseroberfläche sehen. Sicher nicht immer so dramatisch wie von Bernhard Kegel lesenswert beschrieben, doch Whale watching ist hier nicht nur von zahlreichen Ausflugsboten aus möglich, sondern sogar aus gehobener Perspektive per Hubschrauber.

Gefährliche Gebisse unter Neuseelands Wellen: Haie und andere Killer

Die einzige Gefahr für Leib und Leben in Neuseeland geht von der unbelebten Natur aus: Regelmäßige Erdbeben, Vulkanausbrüche, Schlammlawinen und reißende Meereströmungen, die so manchen Schwimmer mit sich nahmen – so denken die Meisten über das sichere kleine Neuseeland. Das ist allerdings nur teilweise richtig. Pottwale haben zwar riesige Zähne, auf denen schonmal ganze Landkarten platzfinden, doch sie sind keineswegs als Menschenfresser bekannt.

Deutlich bissiger sind da schon die berüchtigten Mako-Haie, die sich regelmäßig vor der Küste Gisbornes zur Brut einfinden. Sind also nur die Australier so verrückt, ihren Lieblingssport des Surfens in haiverseuchten Gewässern auszuüben? Ein klares Nein. Denn ebenso wie vor Australiens Küsten sind große Haiarten – übrigens auch die großen Weißen mit dem berüchtigten Hunger auf Bikinischönheiten – vor Neuseeland anzutreffen. Haiverseucht ist daher weder die Tasmansee noch der Südpazifik. Eine Statistik des ofiziellen Webangebotes der neuseeländischen Regierung nennt interessante Zahlen: Seit 1852 gab es landesweit 44 unprovozierte Haiangriffe, von denen ein Großteil an der Ostküste um Dunedin passierten, wo die Gewässer besonders reich an Beute sind. Insgesamt nicht viel, aber eben möglich. Haie werden regelmäßig vor Neuseeland gesichtet – kürzlich gehäuft in den Surfrevieren von Taranaki – aber eben selten zum Medienspektakel gemacht. Außerdem sind statistisch ohnehin Stachelrochen und Giftquallen gefährlicher – und auch die ankern gelegentlich vor den traumhaften Küsten Neuseelands, ohne jedoch gleich zu Massenmördern zu werden.

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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