Blumen mit Symbolcharakter: Nelken

Traditionelle Zeichen für Ehe und Arbeiterbewegung

Schön und symbolträchtig: Die Nelke - Maja Dumat/ Pixelio
Schön und symbolträchtig: Die Nelke - Maja Dumat/ Pixelio
Nelken gehören nicht nur zu den schönsten und beliebtesten Schnittblumen, sondern sie haben auch seit Jahrhunderten eine hohe symbolische Bedeutung.

Nelken zählen neben Rosen und Tulpen heute in Deutschland zu den beliebtesten Schnittblumen. Ihr botanischer Name Dianthus, der sie als eine Pflanzengattung in die Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) einreiht, leitet sich von der griechischen Bezeichnung dios anthos ab, was übersetzt „Gottesblume“ bedeutet. Wahrhaft göttlich und vielfach auch sehr sinnlich ist vor allem der Duft der Blume, deren deutscher Name „Nelke“ (in manchen Bereichen auch „Nägelin“) im Mittelalter entstand. Er leitet sich von ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit der im getrockneten Zustand einem Nagel ähnelnden Gewürznelke ab, die aber in Wirklichkeit in keinerlei Weise mit ihr verwandt ist. Während nämlich Gewürznelken die Früchte des Gewürznelkenbaumes sind, handelt es sich bei den Blumen um mehrjährige, krautig wachsende Pflanzen, deren Stängel bis hinauf zu den fünfblättrigen, vielfach fein gezackten Blüten eng anliegende gegenüber angeordnete fleischige Blätter und fein verzweigte Verästelungen aufweisen. Die verschiedenartigen Nelken-Sorten blühen in den schönsten Farben und Formen. Von der Nelke in zartem Rosé über solche in Apricot bis hin zur hippen hellgrünen Züchtung ist alles zu haben.

Eine Blume als Widerstandssymbol

Entdeckt wurde die Nelke schon sehr früh durch römische Legionäre an der Biscaya. Die Kreuzritter brachten sie einige Jahrhunderte später auch in nördlichere Gefilde mit. Alsbald wurde sie als Zierpflanze überall in Europa kultiviert. Neben ihrem Dasein als schmückende Blume wurde sie im Laufe der Zeit auch zu einer Pflanze mit hohem Symbolgehalt. Seit dem 15. Jahrhundert machten weiße Nelken als Zeichen des Ehebunds und der Liebe auf vielen Brautbildern der bürgerlichen Gesellschaft Furore. Rote Nelken wurden in der Zeit der französischen Revolution zu einem Widerstandssymbol der Adeligen, welche ihr Leben durch die Guillotine verloren. Jeder dem Tod geweihte Adelsangehörige trug bei seinem Gang zum Schafott darum eine rote Nelke im Knopfloch. 1889 griffen auf dem internationalen Sozialistenkongress in Paris die Anhänger der Arbeiterbewegung den Widerstandsgedanken der französischen Adeligen auf und machten nicht nur den 1. Mai zu ihrem internationalen „Kampftag“, sondern auch die rote Nelke im Knopfloch zu ihrem Erkennungssymbol. Auch in Deutschland blieb der symbolische Charakter der roten Nelke bis in die Neuzeit bestehen. Vor allem in der Deutschen Demokratischen Republik wurde das sozialistische Erkennungszeichen zu feierlichen Anlässen gerne am Revers getragen. In eher konservativen bürgerlichen Familien im westlichen Teil Deutschlands machte es über Jahrzehnte hinweg einen schlechten Eindruck, wenn der zukünftige Schwiegersohn den Brauteltern einen Strauß roter Nelken mitbrachte. Nelken in anderen Farben waren jedoch vielerorts besonders während der 50er und 60er Jahre als Tischdekoration in der bürgerlichen Stube beliebt.

Untergang und Neuentdeckung

Während der Zeit der Studentenbewegung 1968 galt die Nelke für viele als ein Zeichen von Spießigkeit und kleinbürgerlichem Gehabe. Deshalb wurde sie von nun an vorerst aus vielen Haushalten verband und war auch während der Hippiezeit in den 70ern nur noch bei wenigen Leuten als Blumenschmuck auf dem Wohnzimmertisch anzutreffen. Erst seit Beginn der Retro-Welle in den vergangenen Jahren, mit der die 50er und 60er wieder in die Haushalte zurückkehren und erneut schick sind, erlebt auch die Nelke ihre ganz eigene Renaissance bei vielen Blumenliebhabern, Arrangeuren und Floristen. Besonders großblütige Edel-Nelken in Knallfarben wie Pink, Gelb und Orange sind gefragt wie nie. Kombiniert mit bunten Gefäßen, eingefärbtem Wasser oder mannigfaltigen Schleifen und Bändern sind sie erneut zu einem festen Bestandteil vieler Blumenarrangements oder Sträuße geworden. Auch bunte Nelkenblüten, die in Glasschalen mit Wasser schwimmen oder auf grüner Steckmasse zu bunten Blumenkugeln verarbeitet sind, kann man häufig als Dekorationsobjekt in Auslagen oder bei festlichen Anlässen antreffen. So hat die „göttliche Blume“ wieder in die heutige Lebenswelt zurück gefunden und wird dieser sicher auch weiterhin mit ihrer farbenfrohen Vielfalt und ihrem sinnlichen Duft erhalten bleiben.

Stephanie Riechelmann, Stephanie Riechelmann

Stephanie Riechelmann - Hallo liebe Leser! Willkommen in meinem Profil! Ein paar Dinge über mich: Ich bin studierte Sozialwissenschaftlerin, 36 Jahre ...

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