
- Herkömmliches Blutdruckmessgerät - Rainer Sturm / pixelio.de
Viele mobile Kommunikationsgeräte sind mittlerweile zu wahren Alleskönnern geworden, was nicht weiter verwundert, weil man mit geeigneten Apps auch eine Vielzahl von sinnvollen Optionen hat. Gerade im medizinischen Bereich wird die Mobiltechnologie immer häufiger genutzt, um kranken Menschen das Leben zu erleichtern. Besonders chronische erkrankte Menschen profitieren zum Beispiel von Apps zum Asthmamanagement oder welchen zur Lösung von Schlafproblemen.
Stiftung Warentest hat nun im Schnelltest Geräte zum Messen von Blutdruck und Blutzucker getestet, die mit iPhone, iPod touch und iPad kompatibel sind, so dass die erhobenen Daten gespeichert, aufbereitet oder gleich dem behandelnden Arzt gesendet werden können. Am 7. Oktober 2011 gab Stiftung Warentest bekannt, dass die drei geprüften Geräte ähnlich oder sogar genau so gut wie geeichte Kontrollgeräte messen und daher zu empfehlen sind.
Medisana, Withings und Sanofi-Aventis im Schnelltest
Der Test bezieht sich auf die drei Geräte, die zum Zeitpunkt des Tests in Deutschland erhältlich waren. Mittlerweile verkauft auch die Telekom derartige Produkte, diese fanden aber keinen Eingang mehr in die Testergebnisse. Getestet wurden zwei Blutdruckmessgeräte, eins von Medisana, eins von Withings und ein Blutzuckermessgerät von Sanofi-Aventis. Dreh- und Angelpunkt des Tests war die Frage, ob die Geräte dauerhaft Werte liefern, die eine medizinische Anwendung überhaupt ermöglichen. Dazu wurden die Testgeräte an verschiedenen Menschen getestet und deren Werte mit denen von geeichten Geräten, wie Ärzte sie verwenden, verglichen.
Die Messinstrumente funktionieren wie die herkömmlichen Geräte und sehen auch so aus. Der Blutdruck wird entsprechend über eine angelegte Manschette am Oberarm gemessen, der Blutzuckerwert aus einem Blutstropfen ermittelt, der auf einen Teststreifen gegeben wird. Erst danach kommen die mobilen Endgeräte ins Spiel, nämlich dann, wenn über einfache Steckverbindungen die ermittelten Werte an iPhone, iPod touch oder iPad übermittelt werden. Der Vorteil dieser technischen Spielerei ist kein medizinischer, sondern einer des Komforts - die persönlichen Werte sind sicher und ohne großen Aufwand abgespeichert und können grafisch aufbereitet dargestellt werden, was einige Menschen besser oder früher erkennen lässt, ob und wann die Therapie angepasst werden muss. Hinzu kommt der Vorteil, dass die Messwerte auch gleich per Mail an den behandelnden Arzt verschickt werden können. Bevor es solche mobilen Alleskönner gab, wurden diese Daten in eigens dafür zu führende Hefte eingetragen und auf dem ganz konventionellen Weg überwacht.
Für wen lohnt sich die Anschaffung der Geräte?
Was den Messnutzen betrifft, kann man eindeutig konstatieren, dass die Anschaffung aller Geräte lohnt. Aber der Preis schreckt eher ab, denn die Blutdruckmessgeräte kosten mit 128 Euro (Medisana) beziehungsweise 149 Euro (Withings) eher mehr als die herkömmlichen Geräte. Das Blutzuckermessgerät iBG Star von Sanofi-Aventis schlägt in der Grundanschaffung mit 60 Euro zu Buche, dazu kommen aber natürlich permanent weitere Kosten für Lanzetten und Blutzuckerteststreifen. All das wird aber erst praktikabel, wenn die Endgeräte von Apple schon vorhanden sind. Diese extra dafür anzuschaffen ist sicherlich keine finanziell sinnvolle Empfehlung.
Den Blutdruck regelmäßig auch zu Hause zu überprüfen und somit seine Blutdruckwerte zu kennen, ist für alle die Menschen wichtig, deren Blutdruckwerte schon einmal erhöht waren, zunächst zur Diagnosestellung, anschließend auch zum Therapiemanagement, wenn eine solche eingeleitet wird. Diabetiker, die Insulin spritzen, sind darauf angewiesen, den Blutzucker auch im häuslichen Rahmen selbst bestimmen zu können. Seit Oktober 2011 gilt in Deutschland ein neues Therapieregime im Umgang mit nicht insulinpflichtigem Typ 2-Diabetes, die Betroffenen bekommen seitdem von den Gesetzlichen Krankenkassen die Teststreifen nicht mehr finanziert, da man davon ausgeht, dass das häufige Messen des Blutzuckers keinerlei Nutzen bringt. Zur Überprüfung der Therapie wird nun alleinig der HbA1c-Wert herangezogen, der in der Arztpraxis bestimmt wird. Daher ist das getestete Gerät ohnehin nur für Typ 1-Diabetiker interessant.
Genauere Informationen zu den getesteten Geräten finden sich in der Oktoberausgabe von test.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
Quelle: test.de
Bildnachweis: Rainer Sturm / pixelio.de
