Bob Dylan - Christmas In The Heart

Dylans 34. Studioalbum, ein Weihnachtsalbum mit Coverversionen

Music - Sven Fauth
Music - Sven Fauth
Bob Dylan veröffentlichte am 09.10.2009 ein Weihnachtsalbum als sein 34. Studioalbum. Es ist bereits das zweite Album innerhalb eines Jahres.

Mit seinem 34. Studioalbum "Christmas In The Heart" überrascht der nunmehr 68-jährige Bob Dylan aufs Neue. Nicht nur, dass es bereits das zweite Album in 2009 ist, auch die Thematik – Weihnachten – verwundert.

Dylan hatte zuletzt 1975 zwei Studioalben in einem Jahr veröffentlicht, das Meisterwerk "Blood on the Tracks" und "The Basement Tapes", welches aber bereits 1967 aufgenommen wurde.

"Christmas In The Heart", ein Weihnachtsalbum

Dylan hatte sich bereits in den 70er Jahren ausführlich mit christlichen Themen beschäftigt, was sich auf seine Musik nicht unbedingt inspirierend ausgewirkt hatte. Man musste also schon das Schlimmste befürchten. Aber selbst, als offiziell verkündet wurde, dass Dylan ein Weihnachtsalbum veröffentlichen würde, wollte man nicht so recht daran glauben. Nun darf man gespannt sein, was aus der gerüchteweise kolportierten Kollaboration mit Paul McCartney werden wird.

Keine Dylan-Weihnachtssongs, "nur" Covers

Das aktuelle Album "Christmas In The Heart" ist das erste seit "World Gone Wrong" (1993), das keinen einzigen neuen Dylan-Song beinhaltet.

Das Cover des Albums ist sehr traditionell, ja beinahe kitschig anmutend gehalten. Öffnet man allerdings die CD-Hülle, erblickt man ein Foto von Betty Page im Weihnachtskostüm, eine kleine Santa-Claus-Puppe in der Hand haltend oder vielmehr auf den Arm nehmend. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird unmissverständlich deutlich, dass dieses Album nicht nur mit einem Augenzwinkern eingespielt wurde, sondern auch so gehört werden möchte.

Auch dürfte das Album für Weihnachtsliederpuristen wohl schwer zu konsumieren sein. Die knarzende Stimme Dylans, die an einigen Stellen erstaunlich geschmeidig erklingt, steht doch in einem eklatanten klanglichen Kontrast zu dem engelsgleichen weiblichen Backgroundchor. Bereits ab der ersten Strophe hat man das seltsame Gefühl, Dylan schmunzeln zu hören.

Dylan singt Weihnachtslieder

Das Album beginnt mit "Here Comes Santa Claus", welches mit ein paar weihnachtlichen Glöckchen-Schellen eingeleitet wird. Schnell versucht man die Vorstellung zu verdrängen, Dylan hätte sich während der Aufnahmen in ein Santa-Claus-Kostüm gezwängt, obwohl die Stimme so verschmitzt daherkommt, dass man nicht umhin kommt, diesem Gedanken zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit einzuräumen.

Der nachfolgende Titel "Do You Hear What I Hear?" darf bestimmt als Frage aufgefasst werden, die Dylan in den Raum wirft, um die Verwunderung, die sich beim Hören der Platte unweigerlich einstellt, zum Ausdruck zu bringen. Man hört Weihnachtslieder von Mr. Bob Dylan und selbst eine Polka ("Must Be Santa") fehlt nicht im Repertoire.

Dylan versprüht 50er-Jahre-Charme und hat Spaß dabei

Diese Weihnachtslieder hört man zwar nicht zum ersten Mal und es gab gewiss auch bereits interessantere und auch schrägere Interpretationen – man denke beispielsweise an Shock Therapys "Santa’s Little Helpers" – aber man spürt dennoch den Spaß, den die Musiker und speziell Dylan bei dieser Aufnahme hatten.

Die Songs verbreiten einen seltsamen 40er-/50er-Jahre-Charme, der zum Schmunzeln geradezu animiert, sofern man die notwendige Bereitschaft dafür aufbringen kann, sich an eine Weihnachtslieder intonierende Stimme Dylans zu gewöhnen.

Bei einigen Songs, wie beispielsweise "Little Drummer Boy", klingt Dylans Stimme erstaunlich weich und geradezu die Ohren versöhnlich stimmend, auch wenn man sich mitunter ein paar dylaneske Verfremdungen der Songs geradezu herbeisehnt.

Jack Frost produziert ein warmherziges Weihnachtsalbum

Produziert wurde das Album, wie auch die letzten Alben, von "Jack Frost", was nichts anderes bedeutet, als dass der Meister selbst Hand angelegt hat. Als einziger Kritikpunkt bleibt allerdings festzuhalten, dass die Band die Songs zum Teil etwas zu routiniert herunterspielt hat. Als Überraschung, neben der Tatsache natürlich, dass Dylan Weihnachtslieder singt, mag die auf Latein gesungene Variante von "O Come All Ye Faithful" (Adeste Fideles) gelten.

Erlöse kommen dem "World Food Programme" zugute

Sämtliche Erlöse von "Christmas In The Heart" kommen übrigens dem "World Food Programme" zugute. Offen bleibt die Frage, ob Dylan das Album wirklich nur aus Spaß und als Charity-Album aufgenommen hat, oder ob er bewusst die Erwartungshaltung, die er durch seine letzten Alben aufgebaut hat, etwas reduzieren wollte.

Sven Fauth, © Sven Fauth

Sven Fauth - Studium der Volkswirtschaftslehre in KonstanzStudium der Landschaftsplanung in BerlinAls selbständiger Künstler erstelle ich ...

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