
- Bob Dylan - Desire - amazon
Literaturprofessor Gordon Ball begründete erstmals 1996 die Nominierung des Musikers Bob Dylan für den Literaturnobelpreis: “Musik und Lyrik sind ja ursprünglich eng miteinander verbunden, und Mr. Bob Dylans Werk ist ein bedeutender Beitrag zur Erneuerung dieser wesentlichen Verbindung.“
Seit Jahren gilt also der Ausnahmemusiker, dessen Texte als meisterhafte literarische Großtaten zu bezeichnen sind als einer der Favoriten für den Literaturnobelpreis. Ein Musiker den Literaturnobelpreis? Ein Widerspruch? Ja und nein.
Lyrics – Musik – Interpretation
Viele der Texte des Meisters können für sich stehen, sind Gedichte, Verse, Kunst, die die Unterstützung der Musik zwar nutzen, aber gar nicht bräuchte. Manches allerdings kann wohl kaum alleine gesehen werden. Frühe Protestsongs, so nachhaltig die Formulierungen auch sind, würden nicht bestehen, ja unangenehm im Ohr klingen, wäre da nicht die Intensität des Gesamtwerks, die Kraft der Stimme Bob Dylans, die sparsame Begleitung. Und das ist gut so, denn Bob Dylan, dessen großes Vorbild Woody Guthrie war, sieht sich wohl als singenden Geschichtenerzähler und nicht als Retter oder Reformer der (literarischen) Welt.
Nobelpreis für Bob Dylan
Wer sich mit Bob Dylans Texten beschäftigt, hat im extremsten Fall ein Studium mit unendlichen Semestern vor sich. Zu groß die Möglichkeiten der Interpretationen, zu groß alleine die Gelegenheiten des Musikers Bob Dylan, seine Lyrics je nach Stimmung zu präsentieren. “Well, Shakespeare, he’s in the alley / With his pointed shoes and his bells / Speaking to some French girl / Who says she knows me well“ (aus “Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again”) Große Lyrik? Wahrscheinlich! Erklärbar? Wohl kaum!
Somit kann man sich vorstellen, in welchem Dilemma das Nobelpreiskomitee ist. Was kann man hier bewerten? Das geschriebene Wort? Das Gesamtwerk, das es ohne Noten und die Interpretationen so nicht gäbe. Ein Teil des Gesamtkünstlers Bob Dylan ist Literat, ein anderer Teil ist Musiker, der dritte Teil ist Interpret. Hat Bob Dylan also Vorteile? Vermutlich nicht. Denn gerade wegen dieser Reichhaltigkeit des Künstlers Bob Dylan ist es leicht, Argumente gegen die Auszeichnung für ihn zu finden. Und es ist leicht zu vertrösten. Auf ein anderes Jahr. Man wird sehen.
“Now there’s a wall between us, somethin’ there’s been lost; I took too much for granted, got my signals crossed“, meint Bob Dylan in “Shelter from the Storm” und dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
Kurzbiografie
Bob Dylan wurde als Robert Allen Zimmermann am 24. Mai 1941 geboren. Seit Ende der 1950er Jahre steht er auf der Bühne. Anfangs klar dem Folk und seinem Vorbild Woody Guthrie verpflichtet wendet er sich Mitte der 60er Jahre dem Rock zu; ein Schritt, der seine Fans aus erster Stunde verstört. Nach Krisen und Rückschlägen in den 80er Jahren befindet sich Bob Dylan bis heute auf einer “Never ending Tour“.
