Bodenbewusstsein - Workshops sensibilisieren für den Schutz des B

Die Hemmschwelle von Multiplikatoren sich mit dem komplizierten Thema Bodenschutz vertraut zu machen ist groß. Dieser Beitrag verdeutlicht anhand kreativer

Der Boden - ein komplizierter Kandidat?

Kreative Workshops eignen sich vielleicht nicht auf den ersten Blick, um Laien für den Bodenschutz zu interessieren. Auf den zweiten Blick stellt sich oft heraus, dass hierbei Menschen für den Bodenschutz begeistert werden können. Diese Begeisterung führt zu gesteigertem Interesse an Inhalten, an Problemen und dazu Herausforderungen zu meistern. Wenn ein Thema wie "der Boden" generell als schwierig für Laien bezeichnet wird, wächst vor allem die Hemmschwelle sich mit diesem komplizierten Thema "Bodenschutz" zu beschäftigen. Dies läuft entgegen allen Bemühungen dieses Thema für viele, verschiedene Multiplikatoren verständlich zu machen.

Die Veranstaltungsform Workshop setzt zunächst die Hemmschwelle generell niedrig an und die Teilnehmer müssen an dieser Stelle selbst aktiv werden. Dies geschieht durch die Kommunikation untereinander, durch das Preisgeben und gegebenenfalls Umsetzen ihrer eigenen Ideen. Zudem lassen sich Fragen im moderierten Miteinander leichter stellen. Oft führen Unkenntnis und der vermeintliche Gesichtsverlust dazu, keine Fragen zu stellen und möglichst wenig zu einem diffizilen Thema beizutragen. Dazu muss die Thematik in einfacher aber kompetenter Form dargestellt werden. Je schwieriger und komplizierter ein Thema dargestellt wird, umso seltener beschäftigen sich aktive Interessierte mit ihm.

Liegt es am Thema oder an der bisher eher wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Boden? Das Schutzgut Wasser ist als Beispiel vielen Menschen direkt zugänglich, jedoch wird es sowohl fachlich als auch für Laien transparent diskutiert. Kein Kindergarten, keine Schule und kein Naturschutzverein, der nicht mit dem Element Wasser arbeitet und wenig Menschen, denen zu Wasser, Seen, Vorflutern, Grundwasser nichts einfällt. Es liegt nicht nur daran, dass Wasser lebensnotwendig und in den meisten Regionen zugänglich ist. Sondern vor allem an der Transparenz im Umgang mit Wasser und spielerischen Herangehensweisen. Auch Erwachsene lernen viel über das Spiel mit den Elementen. Beispielsweise lassen sich beim Bau eines funktionierenden Aquäduktes durch eine Wiese mit verschiedenen Materialien Teamtraining und das Wiederentdecken physikalischer Eigenschaften sehr gut miteinander verknüpfen.

Kreative Methoden und ernste Inhalte

Wie beim Wasser kann auch Boden ein Alleinunterhalter sein, verknüpft mit aktuellen Themen und den passenden Methoden. Allerdings reichen die fachlichen und methodischen Kenntnisse allein nicht aus, die Teilnehmer müssen sich zuvor auch vom Ausschreibungstext angezogen fühlen. Abschreckend wirkt es, wenn nach außen alles stimmig ist und der Referent die Veranstaltung nicht moderiert sondern doziert. Moderatoren und Referenten müssen die Methoden anwenden und ihre Teilnehmer begeistern können. Sei es über Storytelling, Gestalten oder open spaces, die von World Cafés bis hin zu Zukunftswerkstätten führen. Denn gerade über kreative Methoden werden Bezugspunkte gesetzt, miteinander verbunden und ungeheures Potenzial seitens der Teilnehmenden freigesetzt. Mit den Resultaten aus ergebnisorientierten Workshops kann entweder direkt weiter gearbeitet oder darauf aufgebaut werden. Dies kann sowohl in Veranstaltungsreihen als auch zu gezielten Fragestellungen innerhalb eines Projektes oder Vereins passieren.

An der Oberfläche kratzen...

Wie tief ein Workshop in den Boden dringt, hängt von der Zielgruppe ab und damit, wie diese angesprochen werden will. Kinder wollen Spaß haben und je älter sie werden auch ihren Kopf zum Mitdenken und Entwickeln von eigenen Schlüssen einsetzen. Multiplikatoren, die vorwiegend mit Kindern arbeiten, und interessierten Laien reicht das "kratzen an der Oberfläche". Welcher Bodenhorizont in welcher Tiefe beginnt und endet, ist für sie irrelevant. Wie Erde verwendet wird und was mit ihr gemacht werden kann oder wozu sie genutzt wird, das ist für diese Zielgruppe spannend. Konkrete Beispiele direkt umgesetzt in Experimenten und kreativen Aktionen: "Malen mit Erdfarbe" ist so ein Beispiel. Je nachdem ob verschiedene Erdtöne in einer Region vorkommen oder ob Künstlerpigmente verwendet werden, stellen die Teilnehmer Fragen:

Warum sind die Töne unterschiedlich? Wieso sieht ein Boden an einem steilen Hang oben anders aus als unten am Hangfuß? So entwickeln sich Gespräche über die Entwicklung von Böden und die Dauer solcher Entstehungen. Und je nachdem wie interessiert oder vorgebildet die Teilnehmer sind, lassen sich komplizierte Themen in diesem Zusammenhang mit einfachen Worten und Übungen erklären. Verlagerungsprozesse, Verwitterung und alltägliche anthropogene Einwirkungen können beispielsweise so erklärt werden.

... oder in die Tiefe buddeln?

Mit Bodenkundlern, Landwirten, Ferienhofbesitzern und auch Direktvermarktern der Agrarwirtschaft ist der Ansatz im Prinzip der gleiche, jedoch wird vorausgesetzt, dass diese Zielgruppen bereits viel über den Boden wissen.

Ihnen fehlen oftmals die Kenntnisse geeigneter Methoden, um ihre Zielgruppen zu erreichen:

  • Wie können wir für den Boden als Naturgut sensibilisieren?
  • Welche Methoden eignen sich für welche Zielgruppe zum Aufbau eines Bodenbewusstseins?
  • Welche Methoden sind wann und wofür sinnvoll?
  • Wie werden Teilnehmer motiviert selbst aktiv zu werden?
  • Was ist interessant?
  • Wie wird ein gutes, lernförderndes Sozialklima erzeugt?
  • Welche Zielgruppe kann am besten angesprochen werden?

Ein weiterer Punkt ist die verständliche Sprache. Wie drückt der Referent sich aus? Gesprochenes Schriftdeutsch mit starker Nutzung von Fremdwörtern ermüdet Zuhörer leicht. Spricht der Dozent in einfachen Sätzen fühlen sich die Teilnehmer von ihm als Partner angenommen und der zu lernende Sachverhalt erscheint nicht mehr schwierig sondern lernbar. Dazu mobilisiert die Verständlichkeit vorhandenes Wissen seitens der Teilnehmer, die diese bereitwillig in den Lernprozess mit einbringen.

Das wissenschaftliche Fachpersonal an Universitäten und Hochschulen verfügt über exzellente fachliche Kenntnisse, nur fehlen ihm häufig die geeigneten Methoden, um die verschiedenen Zielgruppen didaktisch zu erreichen. Die Herangehensweise für Studenten und Doktoranden führt an dieser Stelle nicht zum Erfolg und wirkt zum Teil sogar abschreckend. Die Teilnehmer wollen keinen Vortrag hören sondern selbst aktiv mitmachen. Sie müssen keine Prüfung bestehen, sondern wollen inhaltlich etwas lernen, dass sie mit ihren eigenen Zielgruppen direkt umsetzen können. Hier sind angewandte aktivierende Lehr- und Lernmethoden gepaart mit allgemein verständlicher Sprache erfolgversprechend, die auf die Zielgruppe abgestimmt sind. Dies führt aus den Erfahrungen heraus zu mehr Freude und Zufriedenheit bei Teilnehmern und Lehrenden.

Silke Bicker - Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsentwicklung Büro für "natürliche" Öffentlichkeitsarbeit und Ökologie in Worten und ...

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