Bodenfelde: Fahndung nach dem Mörder der Teenager Nina und Tobias

Polizei fahndet nach dem Mörder von Nina u. Tobias - Jörg Tilmes
Polizei fahndet nach dem Mörder von Nina u. Tobias - Jörg Tilmes
Am 22.11.2010 nahm die Polizei Stellung zu dem Doppelmord an den beiden Teenagern. Bei näherem Hinsehen drängten sich Parallelen zum Fall Mirco Sch. auf.

Am Sonntag, den 21. November 2010, wurden im niedersächsischen Bodenfelde die beiden Teenager Nina B. (14) und Tobias L. (13) tot am Rande eines Friedhofs gefunden. Wie die Polizei am 22. November 2010 nach der Auswertung der Spuren am Tatort mitteilte, seien beide eindeutig eines gewaltsamen Todes gestorben. Kriminaldirektor Andreas Borchert (Leiter Zentraler Kriminaldienst Polizeiinspektion Northeim / Osterode) wollte jedoch keine Stellung dazu beziehen, ob der Fundort auch tatsächlich der Tatort sei. Nach Ansicht der Beamten wurden sie Opfer eines Sexualdeliktes, weil beide Kinder nicht mehr vollständig bekleidet gewesen wären und auch nicht alle Kleidungsstücke gefunden werden konnten.

Klicken Sie hier zum Update: Ein Artikel über die erste Verhaftung im Fall Bodenfelde

Doppelmord in Bodenfelde: Die bisherige Entwicklung

Das ermordete Mädchen soll nach Angaben der Polizei in unmittelbarer Nähe des Fundortes gelebt haben. Doch Nina war seit Montag, den 15. November 2010 nicht mehr zu Hause, ohne dass die Eltern gewusst hätten, wo sich ihre Tochter aufhält. Der Junge sei erst am Samstag, den 20. November 2010 verschwunden. Direkt nach dem Fund am Sonntagnachmittag richtete die Polizei eine Mordkommission ein. Bis in den frühen Abend dauerte die Spurensuche am Rande eines Bachlaufes in Bodenfelde. Auch Leichenspürhunde kamen zum Einsatz. Nach Angaben der Hessische-Niedersächsische Allgemeine Zeitung soll die eigene Mutter ihren Sohn gefunden haben.

Seit eben diesem Sonntag seien etwa 30 Hinweise aus der Bevölkerung bei den Ermittlungsbehörden eingegangen; eine heiße Spur aber, so der Göttinger Oberstaatsanwalt Hans-Hugo Heimgärtner, wäre jedoch bis zum Zeitpunkt der Durchführung der Pressekonferenz nicht darunter gewesen. Ebensowenig lag zu diesem Zeitpunkt das Ergebnis der Obduktion vor. Zu den Verletzungen der beiden Kinder verweigerte der Leiter der Mordkommission "Rechen“, Hartmut Reinecke, aus ermittlungstaktischen Gründen jede Information. Mitgeteilt wurde aber, dass es keine engere Verbindung zwischen den Opfern gegeben habe.

Offene Fragen seitens der Mordkommission "Rechen" zu Nina B. und Tobias L.

Die einzige Gemeinsamkeit bestand darin, dass Nina und Tobias auf dieselbe Schule gegangen seien. Die Spurensicherung, so die Polizei, werde fortgesetzt: 23 Ermittlungsbeamte seien im Einsatz. Und zu ermitteln gebe es nach Einschätzung der Beamten noch viele Antworten auf offene Fragen: Die Inline-Skates des ermordeten Jungen lagen im Bach, aber etwa 150 Meter von der Fundstelle der Leichen entfernt. Unklar sei auch, ob sich die beiden begegnet seien oder ein Kind den Täter bei der Ermordung des anderen Kindes überrascht hatte und daher auch sterben musste. Die Fundsituation, so die Kripo, weise auf einen Einzeltäter hin.

Das Verhalten der 14-jährigen Nina gebe der Polizei darüber hinaus Rätsel auf, weil es schon am Montag vor der Tat von den Eltern als vermisst gemeldet wurde, zwischenzeitlich aber von Bekannten gesehen wurde. Niemand wusste zum Zeitpunkt der Pressekonferenz, wo sich das etwa 1,60 Meter große Mädchen aufhielt, das durch sein auffällig blond gefärbtes Haar aufzufallen wusste. Die Polizei bat dazu um Hinweise aus der Bevölkerung. Auch zu Tobias wurden Fragen gestellt: Wer den Jungen am Samstagabend nach 20:00 Uhr noch lebend gesehen habe, solle sich ebenfalls bei der Polizei melden.

Parallelen zum Verschwinden des kleinen Mirco aus Grefrath

Tobias' Spur verliert sich vom Bahnhof Bodenfelde an. Dorthin brachte er einen Freund, fuhr mit seinen Inlinern weg und wurde nicht mehr gesehen. Dies ist eine Parallele zu dem Verschwinden des kleinen Mirco Schlitter aus dem nordrhein-westfälischen Grefrath sowie zu dem Verschwinden des Alexander Rombach; die beiden 11- und 12-jährigen Jungen verschwanden ebenso spurlos, nach dem sie mit Freunden beschäftigt waren. Mirco wird seit dem 03. September 2010 vermisst; Alexander seit dem 14. November 2010. Während Alexander wieder zu Hause ist, fehlte von Mirco zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch jede Spur.

Lesen Sie hier mehr über das Verschwinden von Alexander aus Gauting

Auffallend ist, dass eine Zeugin in Bodenfelde auch auf ein dunkles Auto verwies: Sie will gesehen haben, dass Nina am Samstagabend vom Fahrer eines dunklen Personenwagens angesprochen wurde. Ein dunkles Auto vom Typ VW Passat Variant des Baujahres 2005 bis 2010 spielt nach Angaben der Soko Mirco auch beim Verschwinden des kleinen Mirco Schlitter eine Rolle. Alle Fahrzeuge dieses Typs werden bundesweit überprüft. Anwohner in Bodenfelde äußerten sich der Presse gegenüber dahingehend, dass man an einen Serientäter glaube. Wenn der Tod von Nina und Tobias mit dem Verschwinden von Mirco in Zusammenhang stünde, träfe diese Einschätzung zu.

Klicken Sie hier zu einem Artikel über das Verschwinden von Mirco Sch. aus Grefrath

Die gemeinsame Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Göttingen und der Polizeiinspektion Northeim / Osterode fand im Polizeidienstgebäude Teichstraße in Northeim statt.

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