
- Die Polizei in Northeim überführte Jan O. - Jörg Tilmes
Als gestresst aber erleichtert bezeichnete sich der für das Verbrechen zuständige Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner. Er bedankte sich bei den Mitarbeitern der Mordkommission Northeim / Osterode und bestätigte den dringenden Tatverdacht gegen den 26-jährigen Jan O., der schon einen Tag nach dem Auffinden der Leichen von Nina B. (14) und Tobias L. (13) verhaftet wurde. Die Polizei hat dazu Montagabend gegen 20:10 Uhr einen Zug am Bahnhof von Bodenfelde gestoppt und den gering alkoholisierten Verdächtigen in Gewahrsam genommen. Auf der Pressekonferenz wurden erstmals Details dazu veröffentlicht.
Weitere Angaben aus der Pressekonferenz vom 24. November 2010
Neben Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner und Kriminaldirektor Andreas Borchert nahmen auch der Leiter der Mordkommission Rechen, Hartmut Reinecke, sowie der Leiter der Polizeiinspektion Northeim, Hans Walter Rusteberg an der Pressekonferenz teil. Reinecke: „Wir sind uns absolut sicher, dass wir die richtige Person haben.“ Nina L. sei schon am Montagabend, den 15. November 2010 ermordet worden; Tobias B. am Samstag, den 20. November 2010. Am Dienstagabend wurde ein Haftbefehl wegen Mordes in zwei Fällen erlassen. Tatmerkmal: Mordlust. Jan O. wurde in die Justizvollzugsanstalt Roßdorf übergeführt.
Beide Opfer wurden durch Erwürgen und Erstechen getötet
Auffällig waren Verletzungen an den Händen von Jan O. zum Zeitpunkt der Verhaftung. Der Verdächtige erklärte, sich diese durch Glasscherben einer Bierflasche in Göttingen zugezogen zu haben. Er sei damit auch in einem Krankenhaus gewesen. Dies konnte durch die Mithilfe von Göttinger Kollegen widerlegt werden, so Kriminaldirektor Andreas Borchert in der live übertragenen Pressekonferenz. Einen Bezug zu den Jugendlichen habe der mutmaßliche Täter vor der Tat nicht gehabt; der Beamte stufte sie als Zufallsopfer ein. Beide Opfer wurden durch Erwürgen und Erstechen getötet. Weitere Details zu diesem Punkt wollte Borchert der Öffentlichkeit ersparen.
Zum Tatwerkzeug wollte Andreas Borchert ebenso nichts sagen; zur Zeit der Pressekonferenz liefen noch Untersuchungen der Rechtsmedizin. Der Polizei gegenüber habe Jan O. lediglich erklärt, seit 2003 arbeitslos zu sein und ein Alkohol- und Drogenproblem zu haben. Im Jahr 2007 wurde er wegen mehrerer Diebstahlsdelikte vom Amtsgericht Uelzen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt; ein Teil der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Nach dieser Zeit kam Jan O. in das Einzugsgebiet der Gemeinde Bodenfelde, so Kriminaldirektor Borchert, wo er sich in einer Nachbargemeinde niederließ.
Klicken Sie hier zu einem Artikel zur Verhaftung von Jan O. vom 23. November 2010
Heimgärtner: „Wir gehen davon aus, dass der festgenommene Mann auch der Täter ist.“
Zur Tat selbst schwieg der Mann. Kriminaldirektor Borchert verlieh jedoch seiner Hoffnung Ausdruck, bald ein Geständnis von Jan O. zu erhalten. Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner verwies in dem Zusammenhang auf ein Telefonat mit dem Verteidiger des Tatverdächtigen kurz vor Beginn der Pressekonferenz, aus dem sich erkennen ließ, dass Jan O. ein Geständnis ablegen wolle. In dessen Wohnung seien zudem eine schwarze Bomberjacke, ein graues T-Shirt, zwei blaue Jeans sowie schwarze und weiße Turnschuhe gefunden worden, die starke Blutanhaftungen aufwiesen.
Finden Sie hier den Artikel vom 22. November 2010 zum Doppelmord in Bodenfelde
Wie die Kriminalpolizei auf die Spur des Täters gekommen ist
Ein Mädchen im Alter der Opfer wurde am Samstagabend, den 20. November 2010, auf einem Parkplatz von Jan O. angesprochen. Es entwickelte sich ein Gespräch, in dessen Verlauf beschlossen wurde, die Handynummern zu tauschen. Das Mädchen erwies sich aber aus Sicht von Andreas Borchert als clever genug, ihre Nummer für sich zu behalten und Jan O. gegenüber zu avisieren, ihn anzurufen. Dann verständigte das Mädchen die Polizei. Es gab die Nummer an die Beamten weiter. Dies brachte die Polizei auf die Spur des Verdächtigen, gegen den auch noch ein Verfahren wegen Brandstiftung anhängig sei – allerdings mit magerer Beweislage, wie Staatsanwalt Heimgärtner betonte. Einen Zusammenhang zum Verschwinden des kleinen Mirco S. aus Grefrath gebe es nicht, so die Beamten.
Klicken Sie hier zu einem Artikel über das Verschwinden von Mirco S.
