Die Body- Suspension bezeichnet das Aufhängen einer Person an temporären Piercings (Haken), durch die Seile gezogen werden, an denen der Betreffende schließlich an einem Gestell o.ä. hochgezogen wird.
Historischer Ursprung der Körpersuspension
Der Ursprung der Body- Suspension liegt in dem sogenannten „Sonnentanz“, den mehrere Indianerstämme praktizieren. Nachdem heranwachsende Krieger mehrere Tage gefastet und wenig oder gar nicht geschlafen haben, werden von einem Medizinmann Pflöcke durch die Haut an Brust oder Rücken gestochen. An diese Pflöcke werden nun Schnüre gebunden, die wiederum an einen Baum gebunden sind. Nun wird der Sonnentänzer entweder an dem Baum hochgezogen und so lange gedreht, bis er das Bewusstsein verliert oder er tanzt selbst bis zur Kraftlosigkeit.
Heutige traditionelle Suspension
Die traditionelle Körpersuspension wird heute noch bei unterschiedlichen indianischen Stämmen praktiziert. Auch in Indien und Thailand ist sie oftmals Teil eines spirituellen Rituals und dient zum Beispiel der Götterbeschwörung oder als Blutopfer. Wie beispielsweise bei dem thailändischen "Vegetarian Festival", bei dem sich die Teilnehmer auch spitze Gegenstände wie Schwerter und Stäbe durch Wangen, Zunge und andere Körperteile stechen.
Moderne Suspension: Spirituelle Form
Die heutige Suspension teilt sich zum einen in eine spirituelle Richtung, die durch den Amerikaner Fakir Musafar geprägt wurde. Inspiriert von dem Sonnentanz, den er bis dahin mehrere Male durchgeführt hatte, entschloss er sich 1975 dazu, sich dauerhafte Piercings zu stechen. Da er den Wunsch hegte, zu spüren, wie sein Körper frei in der Luft schwebte, hängte er sich schließlich komplett an seinen Piercings auf. Diese Form der Body Suspension wird von sogenannten Modern Primitives praktiziert, die nach eigenen Angaben dadurch einen höheren Bewusstseinszustand erreichen.
Show & Fun Suspension
Zum anderen gibt es die Richtung der "Show & Fun Suspension", bei der sich Betreffende aus Spaß und bei Shows an der eigenen Haut aufhängen lassen. Diese Art der Körpersuspension wird hauptsächlich von "suspension groups" durchgeführt, die sich meist auf sogenannten "Suspension Conventions" treffen. Die größten dieser Conventions in Europa gibt es unter anderem in Oslo und Berlin.
Möglichkeiten der Körpersuspension
Bei der modernen Body- Suspension unterscheidet man zwischen zwei Varianten, die durch die Positionierung der Piercings geprägt werden.
1. Die vertikale Suspension
Varianten:
1. Die Suicide-Suspension, bei der die Haken im oberen Bereich des Rückens gestochen werden.
2. Die Chest-Suspension: Hierbei sind die Haken im Brustbereich positioniert.
3. Die Knee-Suspension: Die Haken sind seitlich der Knie durch die Haut gestochen.
2. Die horizontale Suspension
Varianten:
1. Die Coma-Suspension, bei der die Haken durch die Haut auf der Vorderseite des Körpers gestochen werden.
2. Die Superman-Suspension, ähnelt der Coma-Suspension, jedoch werden die Haken an der Rückseite des Körpers platziert.
Die Haken und das Aufhängen
Die Löcher für die Haken werden mit sterilen Nadeln vorgestochen, um darauf die Haken, die meist mit Gleitgel beschichtet werden, einzuführen. Diese werden dann an Seilen befestigt, die wiederum an dem Gestell, an dem der Betreffende durch einen Flaschenzug hochgezogen werden soll, befestigt sind.
Versorgung nach dem Aufhängen
Nachdem der Betreffende heruntergelassen wurde(der Zeitraum, in dem Personen schwebend in der Luft hängen, variiert stark), werden zunächst Blutgerinnsel entfernt. Nachdem die Haken aus der Haut gezogen wurden, werden die betroffenen Körperstellen massiert, um die Luft, die sich unter der Haut angesammelt hat, zu entfernen.
Risiken einer Suspension
Da durch eine Suspension offene Wunden entstehen, besteht, wie bei jedem Piercing, eine hohe Infektionsgefahr. Gerade durch die Größe und Tiefe der Stichkanäle, die notwendig ist, um das gesamte Körpergewicht zu tragen, bieten diese Wunden eine große Angriffsfläche für Bakterien. Ebenso kann es trotz der hohen Belastbarkeit der Haut vorkommen, dass das Gewebe einreißt oder schließlich ganz herausreißt, falls der Betreffende nicht rechtzeitig herunter gelassen wird. In einem solchen Fall können gefährliche Fleischwunden entstehen, die Entzündungen und einen hohen Blutverlust zur Folge haben können. Einige Personen werden während einer Suspension bewusstlos oder bekommen Kreislaufprobleme. Durch die hohe Belastung kann es im Anschluss zu Rücken- und Muskelschmerzen kommen.
Beweggründe für eine Body-Suspension
Die Motivation zu einer Body- Suspension sind unterschiedlich. Viele Personen wollen auf diese Weise ihre Belastbarkeit testen und erfahren dabei eine Bewusstseinserweiterung. Dies ist nicht zuletzt auf die erhöhte Adrenalinausschüttung zurückzuführen, wie sie auch bei Extremsportarten vorkommt. Auch der meditative Zustand, in den sich einige Betreffende begeben, während sie frei in der Luft schweben, ist für viele ein Anreiz, sich einer Körper- Suspension zu unterziehen.
Welche Gründe für eine Körpersuspension auch vorliegen, in jedem Fall handelt es sich um einen schmerzhaften und gesundheitsgefährdenden Eingriff!
