Die Börse erlebt turbulente Zeiten. Da erscheint vielen Geldanlegern das Investment in Sachanlagen als lohnenswerte Alternative. Aber sind Diamanten, Gemälde oder ein guter Bordeaux wirklich die viel zitierten Renditebringer?
Diamanten steigen im Wert
Als an einem Mai-Abend im Jahr 1995 in der Genfer Niederlassung des Auktionshauses Sotheby’s der Hammer zum dritten Mal aufs Pult schlug, war Scheich Fitaihi zufrieden. Der neue Besitzer des „Star of the Season“ hatte den birnenförmigen 100-Karat-Diamanten nach einer harten Bieterschlacht für mehr als 16,5 Millionen US-Dollar ersteigert. Das ist bis heute die höchste Summe, die je für einen einzelnen Edelstein bezahlt wurde.
Nicht nur Scheichs investieren ihr Geld in die funkelnden Steine, auch Privatleute und Unternehmer setzen zunehmend auf Diamanten zur Depotbeimischung. Für sie sind jedoch Einkaräter die typischen Anlagediamanten. Ihr durchschnittlicher Wert hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.
Kunst nur für Kenner
Ein anderer Markt gilt bereits als überhitzt: Kunst. Auf Gemälde und Skulpturen gibt es seit einigen Jahren einen regelrechten Run. Dabei gelten Klassiker wie Picasso als sichere Bank. Sein Gemälde „Junge mit Pfeife“ brachte 2004 bei einer Auktion 104 Millionen Dollar. Erworben hatte es der amerikanische Verkäufer 54 Jahre zuvor für 30000 Dollar. Aber auch die Werke von Gegenwartskünstlern wie dem Leipziger Neo Rauch gehen mittlerweile für mehrere hunderttausend Euro über den Tisch.
Um mit Werken zeitgenössischer Maler eine entsprechende Rendite zu erwirtschaften, muss der Käufer viel versprechende Künstler allerdings früh erkennen. Das kann zum Vabanque-Spiel werden, denn so manch hochgejubelter Newcomer ist schon nach kurzer Zeit wieder out.
Weine als Depotbeimischung
Als lukrative Wertanlage galt unter Kennern lange Zeit auch ein gut gefüllter Weinkeller. Wer etwa 1992 einen erstklassigen Bordeaux Grand Crus kaufte, konnte sich zehn Jahre später über eine Wertsteigerung um das sechsfache freuen. Allerdings produzieren inzwischen immer mehr Weingüter – auch in Australien, Südafrika oder Amerika – erstklassige Tropfen. Zudem sind die Lager der Hersteller und Händler voll. Dies und die heute bessere Qualität der produzierten Weine sorgen für ein großes Angebot mit dem Ergebnis, dass seit dem Hoch im Jahr 2000 die Weinpreise nach unten zeigen.
Ob Diamanten, Kunst oder Wein: Ein Vorteil ist, dass die Erträge in der Regel steuerfrei sind. Der Käufer sollte sich jedoch sehr gut auskennen oder sich von einem Kenner beraten lassen, sonst wird aus der vermeintlichen Geldanlage schnell ein Verlustgeschäft. Deshalb empfehlen Experten: Wer auf Sachanlagen setzt, darf keine kurzfristige hohe Rendite erwarten, sondern sollte allenfalls den Werterhalt im Auge haben. An erster Stelle sollten Käufer daher von der Schönheit ihrer Investments überzeugt sein – dazu müssen es keine Millionenkäufe bei Sotheby’s sein.
