Erstmals seit einundzwanzig Jahren stand Pedro Almodóvars ehemalige Dauer-Muse Antonio Banderas („Der gestiefelte Kater in 3D“) wieder für ihn vor der Kamera. Im schockierenden Psycho-Thriller „Die Haut in der ich wohne“ („La piel que habito“) spielt der spanische Hollywoodstar einen angesehenen plastischen Chirurgen, Doktor Robert Ledgard, der grausame Rache nimmt, denn er verlor nicht nur seine Frau bei einem tragischen Autounfall. Sie erlitt schwere Verbrennungen und nahm sich daraufhin das Leben, stürzte sich aus einem Fenster – trotz seiner aufopfernden Pflege. Auch seine Tochter verlor er durch Suizid – in der Psychatrie, nachdem diese vergewaltigt wurde, wie er annimmt. „Die Haut in der ich wohne“ basiert auf den gleichnamigen Erfolgsroman des Franzosen Thierry Jonquet.

Pedro Almodóvar dreht erstmals ästhetischen Grusel-Schocker

Doktor Robert Ledgard ist Genetiker, der an einer robusten, künstlichen Haut arbeitet, für die er Gene von Menschen und Schweinen einsetzt, denn die feuerfeste Haut soll widerstandsfähiger sein, als es die des Menschens ist. Seine erfundene menschliche Schweinehaut tauft er nach zwölf Jahren Forschungsarbeit Gal, so hieß seine Frau – und Gal hätte ihr damals das Leben gerettet. In Spanien verschwinden jährlich Dutzende junger Frauen und Männer spurlos: Ledgard führt seine schmerzhaften Experimente mit Vera (Spanischer Shooting-Star Elena Anaya, „Hierro“) durch, mit der er noch eine offene Rechnung hatte und die er im unterirdischen Raum seiner Villa gefangen hält.

Thematisiert werden Rache, Voyeurismus, Geschlechtsumwandlung, Schuld und Sühne

Vera muss einen fleischfarbenen Ganzkörperanzug tragen, nur ihr Gesicht bleibt frei. Künstlerisch präsentiert Ledgard sein Opfer wie ein klassisches Akt-Gemälde, das seiner Frau immer ähnlicher wird. Ledgards skrupellose Komplizin, Haushälterin und Mutter Marilia (Marisa Paredes, „High Heels – Die Waffen einer Frau“), die „den Wahnsinn in ihren Eingeweiden trug“, unterstützt ihn, und versorgt Yoga-Vera über einen Essens-Fahrstuhl. Nicht nur Travestie, sondern auch Voyeurismus ist wieder eines von Almodóvars Lieblings-Themen und dieser wird auch in „Die Haut in der ich Wohne“ anhand von Monitoren vollends ausgespielt; er besticht durch Bildästhetik und Spannung, Jugendwahn und Schönheitschirurgie. Almodóvars Protagonistin ist mit ihrem schlimmsten Feind unterwegs auf einer Einbahnstraße, aus der es kein Zurück gibt, die eine Rückkehr zum Ausgangspunkt unmöglich macht. Am Ende stellt sich in einem Gänsehaut-Finale heraus, wer eigentlich in welcher Haut wohnt. Almodóvar sorgt in „Die Haut in der ich wohne“ für eiskalte Schreckensmomente!

Almodóvar ließ sich wieder sehr viel von Film-Kollegen inspirieren

Die DVD „Die Haut in der ich wohne“ enthält Special Features: Das Making of , Interviews mit Antonio Banderas und Elena Anaya, Sieben Featurettes, Trailer, Teaser sowie TV-Spots. Inspiriert wurde Pedro Almodóvar (OSCAR für „Alles über meine Mutter“ und „Sprich mit ihr“) für „Die Haut in der ich wohne“ wie in seinen meisten Filmen von Alfred Hitchcoks „Vertigo“. Luis Buñuel war für die Boshaftigkeit eine Inspiration. Die Grausamkeit inspirierte ihn durch die verstörende Puppenkunst der Louise Bourgeois, den italienischen Krimi-Giallo-Genre und dem Gothic Horror von Fritz Lang aus dem Hollywood der Dreißiger Jahre. Er überlegte lange, einen schwarz-weiß-Film mit Zwischentafeln zu machen, um Fritz Lang und Murnau Tribut zu zollen, doch ging er nach monatelangen Sondierens und Zweifelns seinen eigenen Weg über blutbefleckte Laken.

DVD „Die Haut in der ich wohne“ erschien am 30. März 2012 bei Universum Film