Bohnenkraut: Liebeskraut und Pfefferersatz

Als Gewürz bei Hülsenfrüchten verwendet verhütet es Blähungen

Bohnenkraut - Margit Kunzke
Bohnenkraut - Margit Kunzke
Ob Winter- oder Sommerbohnenkraut, sein aromatisch pfeffriges Aroma würzt deftige Gerichte und gibt ihnen einen rustikalen Charakter. Als Tee hilft es gegen Husten.

Das ursprünglich aus Südeuropa stammende Bohnenkraut Satureja auch Pfefferkraut, Kölle oder Weinkraut genannt, ist schon lange in Mitteleuropa bekannt. Zu Beginn des Mittelalters, im 9. Jahrhundert, brachten Benediktinermönche das Bohnenkraut nach Mitteleuropa. Es galt schnell als Allheilmittel.

Hildegard von Bingen und Albertus Magnus erwähnen es. Später gelangte Bohnenkraut mit den Pilgrimvätern nach Amerika.

Der Ursprung des Namens Satureja soll von den Waldgöttern, den Satyrn stammen.

Im Volksmund sind für Bohnenkraut viele Namen gebräuchlich: Als Fleischkräutchen kennt man das Kraut in Nassau, in Hessen wird es auch Suppenkräutchen genannt. Schmecket sagen die Badener, Sataran die Oberfranken, Hüahlaskraut die Unterfranken. Im Hunsrück kennt man Bohnenkraut unter Worstkreidch und in Bayern und Österreich als Zaderey, Saderei oder Satrei.

Liebeskraut und Pfefferersatz

Auch die Griechen und Römern würzten mit Bohnenkraut.. Sie schrieben dem Bohnenkraut aphrodisische Kräfte zu und zählten es zu den venerischen Liebeskräutern.

Bohnenkraut enthält ätherisches Öl, Gerbstoffe und Vitamin C.

Das Aroma des Bohnenkrautes erinnert stark an Thymian. Allerdings hat Bohnenkraut noch einen eigenen etwas pfefferartigen scharfen Geschmack, der mit Bohnenkraut gewürzten Speisen einen rustikalen Charakter gibt.

Im Französischen wird Bohnenkraut auch kleiner Pfeffer poivrette genannt und im Provençalischen sagt man für das Bergbohnenkraut Eselspfeffer pebré d’asé oder pebre d’aï . Diese Namen beziehen sich auf die ehemalige Verwendung als Pfefferersatz; auch wenn das Bohnenkraut dafür eigentlich nicht besonders geeignet ist.

Anspruchslos aber sehr wärmebedürftig

Der etwa 40 cm hohe, winterharte Halbstrauch trägt lanzettähnliche, graugrüne Blätter. Die winzigen, rosa bis purpurfarbenen Blüten des Winterbohnenkrauts erscheinen von Juli bis September. Sie ziehen besonders Bienen an.

Das einjährige Sommerbohnenkraut mit weißen und rosafarbenen Blüten passt mit seinem feinen, pfeffrigen Geschmack besonders gut zu frischen Bohnen und Wachsbohnen.

Beide Arten stellen wenig Ansprüche an den Standort und gedeihen am besten auf leichten, kalkhaltigen Böden. Sonne und Wärme mögen sie sehr.

Die Blätter und jungen Triebe werden am besten kurz vor der Blüte geerntet, weil sie dann ihr volles Aroma entfalten. Man bündelt die abgeschnittenen Zweige und hängt sie an einem schattigen, trockenen Platz auf. Die getrockneten Blätter streift man ab, rebelt sie und bewahrt sie in einem gut geschlossenen Gefäß auf.

Bohnenkraut in den Provencekräutern

Bohnenkraut kann sowohl eingefroren als auch sehr gut getrocknet werden, weil es auch im getrockneten Zustand sein Aroma weitgehend behält.

Man findet Bohnenkraut auch oft in kommerziellen Gewürzmischungen für Würste, Pasteten oder eingelegtes Gemüse. Es ist in Deutschland besonders beliebt und taucht daher oft in deutschen Versionen von Bouquet garni auf. Häufig ist es in der südfranzösischen Mischung Provencekräuter Herbes de Provence enthalten.

Bohnenkraut ist auch wichtiger Bestandteil des bulgarisches Nationalgewürzes Tschubritza.

Bohnenkraut in allen Varianten

Es gibt circa 30 verschiedene Arten, wobei in der Küche hauptsächlich Sommerbohnenkraut Satureja hortensis und Berg- oder Winterbohnenkraut Satureja montana verwendet werden. Geschmacklich sind die beiden Arten ziemlich gleichwertig, auch wenn Winterbohnenkraut etwas stärker schmeckt.

In Slowenien gibt es eine Unterart des Winterbohnenkrautes, dessen Duft sehr an den Zitronenthymian erinnert.

Ein echter würziger Zitronenduft ist dem afrikanischen Zitronenkraut Satureja biflora eigen. Dieses Bohnenkraut kann man sowohl zu süßen als auch zu pikanten Speisen verwenden.

Die verwandte Art thymianblättriges Bohnenkraut Satureja thymbra ist im Iran beheimatet. Sie hat ein sehr angenehmes, würziges Aroma, das zwischen gewöhnlichem Bohnenkraut und Thymian liegt.

Diese beiden Arten erfreuen sich bei Heimgärtnern steigender Beliebtheit.

Verwendung von Bohnenkraut

Das intensiv-aromatisch duftende Bohnenkraut mit dem pfeffrigen Geschmack eignet sich besonders gut zu Bohnengerichten. Frische grüne Bohnen mit Bohnenkraut, Knoblauch, gerösteten Speckwürfeln und frisch gemahlenem Pfeffer sind ein Genuß. Es verfeinert Salate oder Schmorgerichte und gibt Tomatensaucen und Grillmarinaden den letzten Pfiff.

Bohnenkraut passt aber auch zu Erbsen- und anderen Suppen, zu Fisch-, Fleisch und Eierspeisen. In Südosteuropa, vom Balkan bis zum Schwarzen Meer, spielt Bohnenkraut eine große Rolle als Würze zu Hülsenfrüchten, Gemüse- und Schmorgerichten.

Frisches Bohnenkraut wird mit Stengeln und Blättern verwendet.

Bohnenkraut harmoniert sehr gut mit Salbei, Knoblauch, Rosmarin, Majoran, Dill, Oregano, Zwiebeln und Petersilie.

Auch zur Aromatisierung von Speiseölen eignet sich das würzige Küchenkraut ausgezeichnet. Dazu gibt man drei Zweige in 300 ml hochwertiges Pflanzenöl und lässt sie gut verschlossen eine Woche an einem mäßig warmen Ort ziehen. Danach in eine saubere Flasche umfüllen und an einem kühlen Ort aufbewahren.

Obwohl es heißt, Bohnenkraut müsse immer mitgekocht werden, um sein herbes Aroma voll zu entwickeln, ist es eher empfehlenswert, das Kraut kurz vor Ende der Garzeit zuzugeben. Dabei ist es egal, ob man frisches oder getrocknetes Bohnenkraut verwendet.

Bohnensalat mit Apfel-Radieschen-Vinaigrette

250 gr grüne Bohnen

1 Schalotte

2-3 Stiele Bohnenkraut

3 EL. Apfelessig

50 gr durchwachsener geräucherter Speck

2 festkochende Kartoffeln

20 gr Kürbiskerne

1/2 säuerlicher Apfel

1 Bund Schnittlauch

5 EL Olivenöl

2 EL Kürbiskernöl

2 EL. naturtrüber Apfelsaft

4 Radieschen

1 EL Meerrettich frisch gerieben

Bohnen in kochendem Salzwasser 8-10 Minuten garen. Abgießen,kalt abschrecken und abtropfen lassen.Schalotte häuten und sehr fein würfeln.Bohnenkrautblätter abzupfen und fein schneiden.

Bohnen mit Schalotten, Bohnenkraut, 1 EL Apfelessig und 2 EL Olivenöl mischen.

Kartoffeln schälen und fein würfeln. In kochendem Salzwasser 6-8 Minuten weich kochen, ohne daß sie zerfallen. Kartoffeln abgießen und abtropfen lassen.

Speck sehr fein würfeln und in einer Pfanne knusprig ausbraten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Kürbiskerne in einer Pfanne ohne Fett rösten, dann grob hacken.

Apfel vierteln, entkernen und in kleine Würfel schneiden.

Schnittlauch in sehr feine Röllchen schneiden.

Salz, frisch gemahlener Pfeffer, etwas Zucker mit den restlichem Essig verrühren.Olivenöl, Kürbiskernöl und Apfelsaft zugeben und gut verrühren.

Äpfel, Kartoffeln, Kürbiskerne und Schnittlauch mit den Bohnen mischen. Radieschen waschen, putzen und in feine Stifte schneiden.

Bohnensalat auf Tellern anrichten und mit der Vinaigrette beträufeln. Zuletzt die Speckwürfel, Radieschen und Meerrettichdarüber streuen. Mit Bohnenkraut garnieren.

Dazu knuspriges Baguette reichen.

Ein besonderer Tipp ist Bohnenkrauttee

3 TL getrocknete oder frische Bohnenkrautblätter mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Min. ziehen lassen Danach abseihen und den Tee möglichst heiß trinken. Nach Wunsch mit Honig süßen.

Der Tee wirkt gegen Blähungen, löst Schleim und hilft gegen Husten.

Margit Kunzke, Margit Kunzke

Margit Kunzke - Fast ein Vierteljahrhundert lebe und arbeite ich in Spanien als Journalistin. Gelernt habe ich mein journalistisches Handwerk nach dem ...

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