
- Der Aussichtsturm am Felixsee: Altbergbau am See - S-M. Erdmann
Eine kleine unscheinbare 700-Seelen-Gemeinde in der Niederlausitz ist einer der bekanntesten „authentischen Schauplätze“ der Weltliteratur. Bohsdorf am Felixsee im Landkreis Spree-Neiße beherbergt den wohl berühmtesten Dorf- und Bäckereiladen des gesamten Umkreises, denn es ist der Originalschauplatz der Romantriologie „Der Laden“ des berühmten Schriftstellers Erwin Strittmatter, der in Bohsdorf seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte.
Erwin Strittmatter- Eine kurze Chronik
Geboren am 14. August 1912 in Spremberg, wuchs der kleine Erwin als Sohn des Bäckers Heinrich und seiner Frau Pauline erst in Spremberg, dann in Graustein auf. Im Jahre 1919 erwarben die Strittmatters das unscheinbare Ladengeschäft in der kleinen Gemeinde Bohsdorf, wo es auch heute wieder zu bewundern ist. An den Laden angeschlossen war eine Backstube, in der Erwin Strittmatter nach der Schule eine Lehre als Bäcker absolvierte. Vor seiner außergewöhnlichen Karriere als Schriftsteller arbeitete Strittmatter unter anderem als Kellner, Chauffeur, Tierwärter und Hilfsarbeiter, bevor auch er in die Fänge des Krieges geriet und mit dem Polizei-Bataillon 325 ab August 1941 zu verschiedenen Einsätzen an die Front musste. Seine Liebe zum geschriebenen Wort, konnte er nach dem Krieg als Lokalredakteur bei der „Märkischen Volksstimme“ ausleben, wo auch sein erster Roman 1950 als Vorabdruck zu lesen war. Erwin Strittmatter gehörte zu den bedeutendsten Schriftstellern der ehemaligen DDR und wurde fünffach mit dem Nationalpreis ausgezeichnet.
Der Laden in Bohsdorf – Auf den Spuren Strittmatters in der Niederlausitz
Die Geschichte der Niederlausitzer Familie Matt, welche in dem kleinen Ort Bossdom einen Bäcker- und Krämerladen eröffnete, spiegelt nicht nur die eigenen Biographie des Schriftstellers wieder, sondern zeigt auch wie das Leben zur damaligen Zeit auf dem Lande aussah. Der Laden an der Dorfstraße 37 gehörte 1919 zum Dreh- und Angelpunkt der Gemeinde Bohsdorf und kann seit dem 30. Januar 1999 Dank unzähliger Spenden des Erwin-Strittmatter-Vereins als Gedenkstätte genutzt werden. Originalregale und Verkaufstheken, liebevoll eingerichtet mit historischen Waren aus den 20er Jahren, dazu eine kleine Ausstellung über die Familie Strittmatter, sowie zum Wirken von Erwin Strittmatter in der angrenzenden Backstube. Der Laden, die Backstube und das Wohnhaus der Eltern können besucht werden, des Weiteren gibt es Filmmaterial und Literatur käuflich zu erwerben.
Die Öffnungszeiten des Ladens
Dienstag – Freitag: 13 bis 17 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertags: 10 bis 12 Uhr/ 13 bis 17 Uhr
Weitere Infos gibt es beim Erwin-Strittmatter-Verein e.V.
Natur und Kultur hautnah erleben – Bohsdorf am Felixsee
Die Braunkohle veränderte auch in Bohsdorf seit 1850 das ursprüngliche Gesicht der Landschaft. Die erste Grube „FELIX“ wurde in jenem Jahr für die umliegende Industrie aufgeschlossen. Der heute für Badespaß und Tauchsport beliebte See, entstand aus der vorletzten Abbaumulde der Grube „FELIX“ und ist mit seinen 17 Metern Tiefe ein eindrucksvolles Zeugnis der Bergbauära. Restfunde der ehemaligen Anlagen sind noch immer in den umliegenden Waldgebieten zu entdecken und unter dem Begriff „Nickels Buden“ allseits bekannt. Ein Aussichtsturm verspricht bei schönem Wetter einen wunderschönen Ausblick auf die umliegenden Wälder und Heidelandschaften, sowie auf das beschauliche Dorf Bohsdorf.
Der Felixsee ist heute bei Touristen und Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel zum Baden und Entspannen. Das Land Brandenburg bestätigte auch im Jahr 2010 eine gute Wasserqualität des Felixsees. Ein 2,4 km langer Rundwanderweg führt Wanderfreunde direkt um den See herum. Ein kurzer Abstecher zum Altbergbau oder zu „Nickels Buden“ gewährt einen kleinen Einblick in die historische Bedeutung dieses Ortes. Wer lieber auf den Spuren Erwin Strittmatters wandern möchte kann dies auf dem 1,7 km langen Wanderweg, wo alle historischen Städten der Romantriologie zu finden sind.
