Donnerstag, 27. Mai 2010: Für 15.30 Uhr ist der erste Spatenstich für die von der Stadt geplante neue Sportarena auf dem Schützenplatz anberaumt, wird aber abgesagt, da gegen Mittag der Verdacht auf einen Bombenfund in 7 Meter Tiefe aufkommt. Als das Fundstück als amerikanischer Blindgänger mit Säurezünder identifiziert ist, beginnen noch am Nachmittag die Vorbereitungen zur Entschärfung.
Die Straßen im Umkreis werden großräumig abgesperrt, das Cinemax-Kino und der nahe gelegene Bahnhof geschlossen. 500 Helfer sind im Einsatz, die Evakuierung von zirka 7000 Anwohnern des Schützenplatzes verläuft problemlos. Um 1 Uhr nachts können sie in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Zehn-Zentner-Bombe mit 253 Kilo TNT wurde inzwischen durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft und abtransportiert. Allerdings erhärtet sich nach weiteren Probebohrungen der Verdacht, dass noch mehr Bomben unter dem Platz versteckt sein könnten.
Samstag, 29. Mai 2010: Flohmarkt auf dem Schützenplatz
Auf dem Schützenplatz findet wie jeden Samstag ein Flohmarkt statt. Dass sie sich mitten in einer Gefahrenzone befinden, ist den Standbetreibern und Besuchern nicht bewusst. Der Platz war nicht gesperrt, sie waren nicht vorgewarnt worden. Erst am Mittag bemerkt das Ordnungsamt das Versäumnis, löst die Veranstaltung auf und sperrt den Platz. Es wird bekannt, dass in den nächsten Tagen wegen einer zweiten Bombe möglicherweise eine erneute Entschärfungsaktion samt Evakuierung nötig sein wird.
Dienstag, 1. Juni 2010: Die zweite Bombe explodiert und tötet drei Menschen
Die zweite Bombe in 7 Metern Tiefe wird in der Nähe der ersten identifiziert und freigelegt. Ihre Entschärfung ist für 22.45 Uhr anberaumt. Der Zugverkehr im nahe gelegenen Bahnhof soll offenbar möglichst wenig beeinträchtigt werden. Wieder werden Straßenzüge weiträumig abgesperrt und 7000 Anwohner evakuiert. Diese Aktion ist noch nicht ganz abgeschlossen, als um 22.36 Uhr ein Knall in der gesamten Innenstadt zu hören ist. Kurz darauf wird informiert, dass die Bombe vor ihrer Entschärfung detoniert ist. Das Expertenteam war noch dabei, die Aktion vorzubereiten, die mit dem gleichen ferngesteuerten Wasserstrahl-Schneidegerät durchgeführt werden sollte, mit dem die Bombe am Donnerstag entschärft worden war. Drei Mitglieder des Kampfmittelräumdiensts sind ums Leben gekommen, zwei wurden schwer, vier weitere leicht verletzt.
Mittwoch, 2. Juni 2010: Ursache noch ungeklärt
Warum es zu der Explosion der in einem 7 Meter tiefen Trichter freigelegten Bombe kam, ist bis Mittwoch Nachmittag noch ungeklärt. Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet, die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Ob Gefahr durch weitere Sprengkörper droht, wird derzeit untersucht. Schulen und Kitas im Umkreis bleiben vorerst geschlossen. Während der 1990er Jahre wurden im Bereich des Platzes und an der Bahnlinie bereits mehrmals Fliegerbomben gefunden, die entschärft oder entfernt und gesprengt wurden. 65 Jahre nach seinem Ende kann ein Krieg also immer noch tödliche Folgen haben.
