Bootsfahrt im Sumpfgebiet Audomarois bei Calais

Natur pur im malerischen Hinterland der Opalküste am Ärmelkanal

Marais mit Kopfweiden im Hinterland von Calais - Andrea Reidt
Marais mit Kopfweiden im Hinterland von Calais - Andrea Reidt
Eine wunderschöne, erholsame Bootstour kann man im nordfranzösischen Audomarois östlich von Calais, Dunkerque und Boulogne-sur-Mer auf verschlungenen Kanälen unternehmen.

Mit einem kleinen Katamaran aus Aluminium oder einem noch kleineren Motorboot für zwei bis vier Mitfahrer kann man im nordfranzösischen Naturpark „Caps et Marais d’Opale“ südöstlich von Calais am Rand des Städtchens Staint-Omer eine unvergessliche Fahrt in das 3700 Hektar große Sumpfgebiet Audomarois unternehmen. Der Sumpf („ Marais“) ist ein Naturparadies der Ruhe und Erholung innerhalb der Region Nord-Pas de Calais in Nordfrankreich, auch ein Eldorado für Angler und für Jäger von Wasserhühnern.

Labyrinthische 160 Kilometer Wasserwege schiffbar

Allein 1200 Hektar davon bildet die Wasserfläche in einer Länge von 700 Kilometern – Flüsschen, Mini-Kanäle und „Wateringues“ genannte Gräben – die die landwirtschaftlich genutzten Inseln, die „Legres“ abtrennen. Auf einer Länge von gut 160 Kilometern sind diese gemächlich fließenden, von Kopfweiden malerisch gesäumten Kanäle, die zwischen 50 Zentimetern und 5 Metern tief sind, schiffbar. Die Kopfweiden („saule-têtards“) haben eine ganz praktische Aufgabe: Sie halten mit ihren Wurzeln die Dämme fest. So mancher Landwirt, der zwecks Landgewinnung versuchte, ein paar Wassergräben trocken zu legen, hat dies bitter bereut, sobald die erste Überschwemmung seine Ernte vernichtete.

Riesiges Reservat für Fischreiher

Der Marais grenzt an den Wald von Clairmarais, in dem sich das größte Fischreiherreservat Frankreichs nördlich der Loire befindet: ca. 130 Vogelnester der vom Aussterben bedrohten und seit 30 Jahren unter Naturschutz lebenden Fischreiher. Die Vögel mit dem grauen Gefieder, dem langen Schnabel, den langen Beinen und einer Flügelspanne von 1,50 Metern können Fische in Aalgröße fangen, nicht immer zur Freude der Angler.

500 Angelscheine im Jahr verfügbar

Die Anglergesellschaft Concorde vergibt jährlich 500 Angelscheine. Die Angler holen etwa 80 Tonnen frischen Fang heraus, Hechte, Aale, Barsche, Karpfen, Schleien, Brassen, Gründlinge und Plötze. Das klingt nach einer Unmenge, man muss dazu wissen, dass mehr als die Hälfte der Fische wieder im Wasser landen, weil die Angler sie entweder nicht gebrauchen können oder nur aus Spaß, nicht für Ernährung oder Fischverkauf gefangen haben.

Alte Torfmoore locken Zugvögel an

Das Klima des Audomarois mit milden, feuchten Wintern erfreut Vogelkundler und auch Jäger, weil große Mengen an Zugvögeln hier eine Station einlegen. Allerdings wurden mittlerweile auch viele alte Torfmoore in Fischweiher verwandelt, deshalb gibt es so viele seltene Vogelarten: außer Wasserhühnern auch Schwäne, Eulen, große Kormorane, Möwen, Kuckucke und Sumpfschnepfen. Der Torfabbau wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt, immerhin hatte man bis sechs Meter tief Torf geschnitten.

Naturschutz geht vor Tourismusmarketing

Die touristische Nutzbarkeit des Marais ist unbestritten groß, aber die Naturpark-Verantwortlichen gaben der Ruhe der Natur bislang den Vorzug. In den Sommermonaten, vor allem an warmen und heißen Tagen, tummeln sich zwar viele Tagesausflügler aus der Region und einige Urlauber am Sumpfrand, dennoch behielt dieser Marais im Unterschied zur von Touristen überlaufenen Camargue am anderen Ende der französischen Republik die Schlichtheit eines regionalen Ziels.

Geführte Katamaran-Touren

Die kommentierten Führungen für jeweils etwa 25 Teilnehmer, die auf den schmalen Holzbänken des Katamarans zusammenhocken, sind fundiert und informativ, finden auch nur in französischer Sprache statt. Englische oder deutsche Feriengäste können den übersetzten Vortrag des Bootsführers schriftlich einem Leihmanuskript entnehmen.

Betriebszeiten der Boote und eine Anfahrtsbeschreibung erhält man im Office de Tourisme von Saint-Omer. Nähere Informationen über den Naturpark „Caps et Marais d’Opale“ gibt auch dessen Website.

Andrea Reidt, Freie Journalistin, Foto Monika Werneke

Andrea Reidt - Die Freie Journalistin Andrea Reidt sammelte vielfältige Erfahrungen in ihrem Beruf. Am allerliebsten schreibt sie ...

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