Borghloh und Hilter aTW im Südkreis Osnabrück

Rathaus in Hilter aTW - Foto: Privat
Rathaus in Hilter aTW - Foto: Privat
Im Osnabrücker Land finden wir die Gemeinde Hilter a.T.W. Zwei Ortsteile stehen sich hier gegenüber, die partout nicht zusammen wachsen wollen.

Gut 10.000 Einwohner zählt Hilter heute, von denen etwa die Hälfte in Alt-Hilter lebt. Zu Hilter gehören aber auch der Ortsteil Hankenberge und die ehemalige Samtgemeinde Borgloh mit ihren Ortsteilen Allendorf, Borgloh, Ebbendorf, Eppendorf, Uphöfen und Wellendorf. Gut 4.500 Einwohner zählt dieser Gemeindeteil; beide Ortsbereiche sind also in etwa gleich groß.

CDU vs. SPD auf dem Land

Zugleich sind sie aber auch grundverschieden, zum Beispiel im Hinblick auf ihre politische Orientierung. Bei den Bundestagswahlen vom 27. September 2009 erreichte die CDU im katholischen Borgloh gut 48 % der abgegebenen Zweitstimmen, während die SPD kaum über 17 % kam. Das Ergebnis war übrigens keine „Eintagsfliege“, im Gegenteil: Seit jeher erreicht die CDU im agrarisch geprägten, urkatholischen Borgloh überwältigende Wahlsiege – Sozialdemokraten haben hier eigentlich nie eine Chance gehabt. Ganz anders liegen die Verhältnisse im industrialisierten und urevangelischen Alt-Hilter. Im Mittel der Wahlbezirke überwandt die SPD die 30 %-Marke locker und lag in zwei von drei Wahllokalen deutlich vor der CDU. Auch dieses Ergebnis hat seinen historischen Bestand – Alt-Hilter war schon immer eine Hochburg der SPD im südlichen Osnabrücker Land.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Bürgermeisterwahl

Wer das differente Wahlverhalten zwischen den beiden Ortsteilen jener Kleingemeinde am Teutoburger Wald verstehen will, das übrigens auch bei Kommunalwahlen zur permanenten Lagerbildung zwischen den Ortsteilen führt, muss weit in die Geschichte zurück blicken. Ausgangspunkt der strukturellen Auseinandersetzungen war der Dreißigjährige Krieg, an dessen Ende Alt-Hilter zu den protestantischen Kirchspielen des Stifts Osnabrück geschlagen wurde. Borgloh hingegen wurde zu den katholischen Gemeinden gezählt und fortan gingen die Nachbargemeinden getrennte Wege. Die jahrhundertealte Trennung der Konfessionen trug schließlich Wirkung in einer Gesellschaft, in der soziale Beziehungen fast durchweg Familienbeziehungen waren. Zwischen Protestanten und Katholiken gab es nun einmal bis in die jüngste Zeit hinein so gut wie keine Eheschließungen. So konnten familiäre Bande und soziale Kontakte über die Grenze der beiden Kirchspiele Hilter und Borgloh hinweg erst gar nicht entstehen.

Eine neue Stadt Dissen a.TW.

Dennoch wurden Alt-Hilter und die Samtgemeinde Borgloh am 1. Juli 1972 zu einer Gemeinde zusammengeschlossen, und begeistert war darüber eigentlich niemand. Hintergrund des Zusammenschlusses war die große niedersächsische Gebiets- und Verwaltungsreform, die seit den späten 1960er Jahren für politischen Zündstoff sorgte. Politische Vorgabe war, Kleingemeinden zu größeren Gemeindeverbünden mit mindestens 7.000 Einwohnern zusammenzulegen. Und für Hilter war geplant, das Gemeindegebiet mit den Nachbarorten Bad Rothenfelde und Dissen aTW zu einer neuen „Stadt Dissen aTW“ zu vereinen. In Dissen hätte man damit gut leben können, und in Bad Rothenfelde übrigens auch. Die Hilteraner Lokalpolitik um Bürgermeister Rau jedoch war dagegen, aus guten Gründen: Denn in Hilter ging traditionell nichts ohne die Firma „Walter Rau“ – in einer neuen Stadt Dissen hingegen wäre das Hilteraner Traditionsunternehmen neben der in Dissen ansässigen Firma Homann nur noch eine von zwei wirtschaftlichen Größen gewesen.

Überleben zwischen Remsede, Laer und Borgloh

Ulrich Rau versuchte daher zunächst, einen alternativen Gemeindeverbund, bestehend aus Alt-Hilter und den kleinen Nachbargemeinden Hankenberge und dem übrigens gleichfalls katholischen Remsede, zu etablieren. Zunächst war man in Remsede durchaus dafür; in einer Aufsehen erregenden Bürgerbefragung des Jahres 1969 entschieden sich 264 Remseder für einen Zusammenschluss mit Hilter, 211 waren dagegen und wollten nach Laer. Letztlich aber sollte es dem damaligen Laerer Bürgermeister August Knemeyer gelingen, die Remseder doch für ein Zusammengehen mit den großen katholischen Nachbarn Laer und Glandorf zu gewinnen. Der Lokalpolitik in Hilter wiederum wurde bald deutlich, dass der Ort nur im Verbund mit der relativ bevölkerungsstarken Nachbargemeinde Borgloh würde überleben können. Dort war es bereits 1970 zur Bildung einer Einheitsgemeinde gekommen, aber auch diese Gemeinde war mit knapp 4.000 Einwohnern zu klein, um eigenständig überleben zu können. Alt-Hilter und Borgloh zusammen jedoch boten die geforderte Einwohnerzahl. Vor die Wahl gestellt, entweder mit Borgloh zu überleben oder aber in einer neuen Stadt Dissen unterzugehen, fiel die Wahl dann doch nicht schwer. Am 1. Juli 1972 gingen die Gemeinden schließlich zusammen, zumindest formal. Doch die inneren Gegensätze zwischen den jetzigen Ortsteilen blieben fundamental, bis in die Gegenwart hinein.

Dr. Richard Sautmann, Dr. Richard Sautmann

Richard Sautmann - Dr. Richard Sautmann, von Beruf Historiker und freiberuflicher Autor. Nach dem Magisterstudium an der Universität Oldenburg und ...

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