Borgia – Papst Alexander VI und seine Kinder

Mann der Kirche: Borgia  - Dieter Schütz/www.pixelio.de
Mann der Kirche: Borgia - Dieter Schütz/www.pixelio.de
Der Name Borgia wird immer mit Ausschweifung, Machtgier und Giftmischerei in Verbindung gebracht. Stimmt das wirklich?

Berühmt-berüchtigt war Papst Alexander VI schon zu seinen Lebzeiten. Weder große Frömmigkeit noch ein Bestreben, der Christenheit und der Kirche zu dienen, sondern politisches Ränkespiel und Machthunger waren bei Rodrigo Borgia die Triebfedern, sich zum Papst wählen zu lassen. Was auch auf die meisten seiner Amtskollegen vor und nach ihm zutraf. Gleichwohl galt sein Pontifikat als eine Zeit tiefster Erniedrigung für die Kirche und eine kaum zu überbietende Schmach für den apostolischen Stuhl.

Als Spanier in Italien

Anfang des 15. Jahrhunderts kam die Familie der Borgia (spanisch: Borja) aus Játiva bei Valencia nach Italien. 1455 wurde Alfonso Borgia zum Papst Calixtus III (1455 – 1458) gewählt. Schon bei ihm wurde ein typischer Charakterzug der Borgia sichtbar. Ein stark entwickelter „Familiensinn“ des Onkels ließ nämlich Rodrigo Borgia schon in jungen Jahren (1456) die Kardinalswürde erlangen und mit so reichhaltigen Pfründen und Ämtern ausstatten, dass er zu den reichsten Männern Europas zählte.

Urbild eines Renaissancemenschen

Rodrigo de Borja (01. Januar 1431 - 18. August 1503) war das Urbild eines Renaissancemenschen, sinnenfroh, skrupellos, Ausschweifungen, Gewalttaten und Lüsten nicht abgeneigt, dabei klug, von diplomatischer Gewandtheit, glänzender Überredungsgabe und würdevollem Auftreten, wie seine Zeitgenossen berichteten. Obwohl er hohe Kirchenämter innehatte, 1456 Kardinaldiakon, 1457 päpstlicher Vizekanzler, 1458 Bischof von Valencia, lebte er zwanzig Jahre in ehebrecherischer Beziehung zu Vanozza de‘ Cattanei. Dieser Beziehung entsprossen seine vier berühmtesten Kinder Cesare, Giovanni (Juan), Lucrezia und Goffredo (Jofré).

Papst Alexander VI

Rodrigo Borgia wurde gegen den erbitterten Widerstand einflussreicher italienischer Familien, aus deren Reihe fast alle Päpste stammten, simonistisch, d. h. durch Stimmenkauf, 1492 zum Papst gewählt. Den Papstnamen Alexander wählte er nach Alexander dem Großen, um auf diese Art seinen Machtanspruch zu dokumentieren. Der Papst war oberster Hirte der Kirche und Herrscher über den Kirchenstaat, welcher sich von Bologna über Imola und Forli bis nach Urbino erstreckte, dann weiter durch die Mark Ancona bis Terracina. Dieses Gebiet mussten die Päpste immer wieder durch Intrigen oder Waffengewalt gegen innere und äußere Feinde, z. B. vor einer französischen Invasion, verteidigen.

Nepotismus

Während Alexander VI mit allen Mitteln versuchte, sich der Fremdherrschaft zu erwehren, war indes sein höchstes Bestreben, der Familie Borgia dauerhaft Macht zu verleihen. Durch Schenkungen, Belehnung ganzer Herzogtümer oder Geldmittel aus kirchlichem Vermögen zu Gunsten seiner Kinder suchte er deren Einfluss über seinen Tod hinaus zu sichern.

Der Vertrag von Tordesillas

Im Spanisch-portugiesischen Kolonialstreit, bei dem es um den Besitz der von Kolumbus entdeckten Gebiete ging, wurde Alexander VI als Schiedsmann berufen. Als gebürtiger Spanier erfüllte er die Wünsche der spanischen Könige zu Ungunsten der Portugiesen. Er teilte den Atlantik durch eine gedachte Demarkationslinie vom Nord- bis zum Südpol. Alle Länder westlich davon sollten zu Spanien gehören. Im Vertrag von Tordesillas wurde diese Linie zu Gunsten der Portugiesen am 07. Juni 1494 auf 370 Meilen westlich der Kap Verde Inseln hinausgeschoben. Dies war eine der wenigen staatsmännisch klugen Entscheidungen des Papstes.

Cesare Borgia

Der schlechte Ruf, der mit dem Namen Borgia verbunden ist, geht zum größten Teil auf das Konto von Cesare Borgia. Dieser war einer der übelsten Gewaltmenschen seiner Zeit. Um seine Ziele zu erreichen, schreckte er auch vor Morden innerhalb seiner eigenen Familie nicht zurück. Seinen Bruder Giovanni, welcher 1495 von seinem Vater große Teile des Kirchenstaates als erbliches Lehen erhalten hatte, ließ er vergiften; ebenso den zweiten Ehemann seiner Schwester Lucrezia, Alfonso von Bisceglia. Nachdem Cesare, seit 1491 Kardinal, seinen Bruder beerbt hatte, legte er die Kardinalswürde nieder und heiratete Charlotte d‘ Albret, eine französische Prinzessin. Gestärkt durch den Bund mit Frankreich, begann er Norditalien zu erobern. Zur Durchsetzung seiner militärischen Pläne schreckte er vor keinem Verbrechen zurück, wobei ihn sein Vater unterstützte oder zumindest Stillschweigen bewahrte. Ziel beider Männer war die Schaffung eines großen mittelitalienischen Königreichs. Seine Pläne wurden jedoch durch den plötzlichen Tod seines Vaters 1503 gestoppt. Unter dem Papstnachfolger Julius II musste er Italien verlassen und ging nach Spanien, wo er im Dienst des Königs von Navarra 1507 fiel.

Lucrezia Borgia

Alexanders VI einzige Tochter Lucrezia wurde 1493 mit dem Grafen Francesco von Pesaro vermählt, 1497 geschieden, als er der Familie Borgia nicht mehr von Nutzen war, 1498 erneut vermählt, 1500 verwitwet (angeblich wurde der Ehemann auf Grund eines Befehls von Cesare Borgia ermordet) und 1501 mit Alfonso von Este erneut verheiratet. Drei Ehen in solch kurzer Zeit haben ihr wohl den Ruf eines lasterhaften Lebenswandels eingebracht. Tatsächlich war ihr schlechter Leumund unbegründet. Zeitgenossen beschrieben die Herzogin von Ferrara als freundlich zu jedermann. Dichter und Gelehrte fanden an ihrem Hof gastliche Aufnahme.

Alexander VI und Savonarola

Der Nepotismus (Vetternwirtschaft) und sein unsittliches Treiben führten zu beißendem Spott und scharfen Angriffen gegen die Person des Papstes. Schärfster Gegner war der Dominikanermönch Savonarola aus Florenz, der sich anfangs um ein gutes Verhältnis zu Alexander VI bemüht, gleichzeitig sich aber auch die Erneuerung der Kirche zum Ziel gesetzt hatte. Jegliche Prunk und politische Parteinahme der Kurie verdammte er in seinen schonungslosen Predigten. Rasch wuchs in Florenz seine Anhängerschaft, so dass 1494 die Herrscherfamilie der Medici vertrieben wurde und die „Republica Florenz“ theokratisch geführt wurde. Lange Zeit übte sich Alexander VI in Stillschweigen. Als jedoch Savonarolas Ehrgeiz in politisches Machtstreben umschlug, exkommunizierte er ihn am 13. Mai 1497. Savonarola wurde 1498 vom aufgebrachten florentinischen Pöbel auf den Scheiterhaufen gebracht.

Das Ende von Alexander VI

Savonarolas Gegenspieler starb unerwartet am 18. August 1503 an einem vertauschten Giftbecher, so die Mär. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass die Malaria für den Tod des 72-jährigen verantwortlich war. Das Gerücht, Gift habe sein Ableben verursacht, dürfte wie viele Übertreibungen hinsichtlich seiner Verbrechen auf Nachreden seiner Feinde beruhen. Generationen von Historiographen haben unkritisch Propaganda übernommen und weitergereicht, welche in der Storia d‘ Italia in den Jahren 1536 bis 1540 niedergeschrieben wurde.

Bildnachweis: Dieter Schütz/www.pixelio.de

Quellen:

  • Seppel und Schwaiger, Geschichte der Päpste, München 1964
  • John Bowle, Geschichte Europas, München 1979
Christian Goldmann, Christian Goldmann

Christian Goldmann - Mein Name ist Christian Goldmann. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit einigen Jahren als Journalist in Bremen und Umgebung. Zuvor habe ...

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