Gleich neben dem Schloss Cecilienhof im Neuen Garten von Potsdam wächst seit August 2010 ein Bau in Holzständerbauweise heran. Hier wird die ehemalige „Borkenküche“ wieder entstehen. Am 11. Februar 2011 wurde der Grundstein gelegt und gleichzeitig Richtfest gefeiert.

Die Muschelgrotte im Neuen Garten

Im Neuen Garten entstand bis 1792 das Marmorpalais als Sommerresidenz für König Friedrich Wilhelm II. und die Gräfin Lichtenau. Der ließ danach am Ufer des Jungfernsees eine künstliche Grotte anlegen. Der preußische Herrscher erstellte höchst persönlich einen Entwurf. Den setzte der Oberhofbaurat Krüger bis 1794 um. Dabei sollte die Grotte einen absolut natürlichen Eindruck vermitteln und in die Umgebung mit Ausblick auf die weiten Wasserflächen einbezogen sein. So wurde sie von außen mit einer Hülle aus Raseneisenerz auf natürlich getrimmt. Drinnen ging es deutlich aufwändiger zu. Aus Kalktuff, Gipsstein und Schlacke entstand die farbige Innendekoration der drei Kabinette. Spiegel, Nischen und Fenstertüren gliederten den Raum. Farbig unterlegtes Marienglas, grüner Serpentinit oder Glasfluss und Muscheln verwandelten die Räume zur Grotte.

Gern verbrachten die Herrschaften warme Sommertage in der Grotte und genossen die schöne Aussicht auf die Havellandschaft in diesem stillen und versteckten Ort. Doch die Versorgung mit Speis und Trank war etwas schwierig. So musste eine kleine Küche in der Nähe der Muschelgrotte her.

Die Borkenküche im Neuen Garten

König Friedrich-Wilhelm II. ließ die Borkenküche 1796 errichten. In dem runden Pavillon mit angefügtem Seitenflügel war eine Küche zur Versorgung der Muschelgrotte eingerichtet. Von hier wurden die Speisen und Getränke für die geheimnisvollen Feste in der Muschelgrotte am Ufer des Jungfernsees gebracht.

Die Borkenküche entstand südwestlich der Muschelgrotte. Der Holzständerbau war mit Schilfrohr gedeckt und mit Eichenrinde verkleidetet. Auf dem Dach ragte ein aus Eisenblech getriebener Baumstamm mit einer Eule. Das war die Esse der Küche. Aber nur kurz wurde diese Küche genutzt. Denn der ab 1797 regierende Friedrich Wilhelm III. und seine Gattin Luise bevorzugten andere Orte. Der Küchenbau verfiel ebenso wie die Muschelgrotte.

Das Schicksal der Muschelgrotte und der Borkenküche

Nur wenige Jahre konnte Friedrich Wilhelm II. die Muschelgrotte genießen. Die Borkenküche wurde erst im Jahr vor seinem Tod fertig. Seit Antritt der Regierung von Friedrich Wilhelm III. 1797 wurde die Muschelgrotte vernachlässigt und nur noch selten genutzt.

Dann lag die Muschelgrotte nach der deutschen Teilung im Grenzstreifen und wurde dem Verfall preisgegeben. Nach der Wiedervereinigung von 1989 wurde durch die Erneuerung des Daches und einer Sicherung der einstigen Grottierung die Zerstörung des Bauwerks gestoppt werden. Doch noch ist viel zu tun, damit die Grotte wieder in alter Schönheit strahlt. Dabei wird die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg vom „Förderkreis Muschelgrotte im Neuen Garten Potsdam e.V." tatkräftig unterstützt. Derzeit kann die Muschelgrotte nur bei Sonderführungen besichtigt werden.

So erging es auch der Borkenküche nicht besser. 1958 wurden die Reste abgetragen. Nur ein Mauerring blieb sichtbar und erinnerte an den alten Grundriss.

Der Neuaufbau der Borkenküche im neuen Garten

Margit Bröhan und die Rotarier „Alter Markt Potsdam“ lassen die Borkenküche nun neu entstehen. Sie finanzieren das Projekt. Seit August 2010 wird an dem Neubau nach altem Vorbild gebaut. Gedeckt wird der Pavillon mit damals mit Reet. Dass soll 250 Jahre halten. Die Wände werden wieder mit wetterfester Eichenborke verkleidet. Dazu müssen im Frühjahr 2011 etliche Eichen, die an ihrem Standort wegen Wassermangel nicht mehr gut gedeihen, im Forst bei Eberswalde gefällt werden. Die Rinde der gefällten Bäume wird geschält und an der Borkenküche frisch angebracht. Daneben werden in diesem Zusammenhang auch der Beelitzer Jagdschirm auf der Pfaueninsel und die Eremitage im Neuen Garten ebenfalls neu mit Eichenborke verkleidet.