Bossi und die Lega Nord gegen Mario Monti

Diebisches Rom - Schwehn
Diebisches Rom - Schwehn
Italiens Separatisten berufen ihr "padanisches Parlament" nach Mantua ein. Kampf gegen das "korrupte Rom" verschärft.

Das Verdikt kam knapp, rüde und kaum überraschend: Die Lega Nord des Umberto Bossi – bislang in Rom Koalitionspartner von Silvio Berlusconi - wird dem neuen italienischen Regierungschef Mario Monti keine Unterstützung zuteil werden lassen. Bossi, Chef jener separatistischen Partei, die in Norditalien – nördlich des Po - ein weithin unabhängiges Padanien schaffen will, sagte am 15. November 2011: „Wir gehen nicht nach Rom“. Und im gleichen Atemzug rief er für den 4. Dezember das von ihm initiierte „padanische Parlament“ nach Mantua ein. Es habe ein Telefonat mit Monti gegeben, das reiche. Der designierte Ministerpräsident stehe den „alten starken Kräften des Großkapitals“ zu nahe, er sei gegen die Regionalisierung des Landes. Künftige Entscheidungen der neuen Regierung werde die Lega Nord von Fall zu Fall prüfen – und dann entscheiden.

„An die Gewehre, befreit Padanien“

Die Gruppierung war zu Beginn der 1980er Jahre als „autonomistische Lega Lombarda“ von Bossi gegründet worden. 1989 vereinigte er sie mit anderen regionalen Autonomiebewegungen zur Lega Nord. Anfangs war sie in Italien und darüber hinaus als eigenbrötlerische Separatistenbewegung belächelt worden, doch sie entwickelte sich zu einer ernst zu nehmenden politischen Kraft. Mit 60 Parlamentsabgeordneten und 25 Senatoren bildet sie in der laufenden Legislaturperiode die drittgrößte Fraktion – in beiden Häusern. Bossi, Jahrgang 1941, gehört zu den rüden Politikern im Lande. Bei seinen öffentlichen Auftritten wird er nicht müde, das „korrupte Rom“ zu beschimpfen, das „von Afrikanern verseuchte Neapel“ nicht minder. Zu den Schlachtrufen seiner Anhänger gehörte in den ersten Novembertagen 2011 wieder jenes „An die Gewehre, befreit Padanien“ (Fucilli alla mano, Padania libera) , oder „Wir nehmen uns die Lombardei und gründen Padanien“ (Prendiamo la Lombardia e facciamo la secessione). Mit Monti blieben die Menschen nur „Sklaven der Banken“ (schiavi delle banche).

Hinter dem scheinbaren Wahnsinn steckt Methode

Schon vor anderthalb Jahrzehnten warnten viele, hinter Bossis scheinbarem Wahnsinn stecke Methode. Das Protestpotential um ihn dürfe nicht unterschätzt werden. Denn mit seiner demagogischen Rhetorik treffe er den Nerv vieler Italiener, die sich zunehmend über den staatlichen Zentralismus, die Verschwendung öffentlicher Gelder und die ungeheuer aufgeblähte Bürokratie erregen. Was vor 15 Jahren analysiert wurde, ist auch heute noch Tatbestand. Also plädiert er weiter dafür, den reichen und „fleißigen Norden“ vom „faulen“ Rest des Landes los zu lösen.

Bossi braucht instabile Verhältnisse im Lande

Bossi hatte darauf spekuliert, dass es nach dem tiefen Fall von Regierungschef Silvio Berlusconi zu baldigen Neuwahlen kommen würde. Dies hätte ihm – so war die Kalkulation - weitere Wählerschichten für seinen Feldzug gegen das „diebische Rom“ (Roma ladrona) gebracht. Nun besteht die „Gefahr“, dass Mario Monti das Land, und zwar das einige Italien, sanieren könnte. Stabile Verhältnisse aber sind nicht der Boden, auf dem Bossis Früchte reifen könnten.

Weiterreichende Informationen: La Repubblica (in italienischer Sprache)

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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