
- Tropische Vielfalt im Botanischen Garten in Basel - Thomas Peter
Der Botanische Garten der Universität Basel wurde bereits im Jahre 1589 am Rheinufer gegründet und ist damit einer der ältesten der Welt. Im 17. Jahrhundert hat man ihn an den Petersgraben zur Predigerkirche hin verlegt und ab 1840 vor das Aeschentor. Seit 1898 domiziliert der Botanische Garten neben dem mächtigen Spalentor und hat sich - nach vielen Erneuerungsbauten ab den 1960er Jahren - mit Ausstellungen und Führungen zu einer modernen Institution entwickelt - gerade auch für die Öffentlichkeit.
Elfenblauvogel und Pfeifffrosch tummeln sich im Botanischen Garten zu Basel
»Schön warm und grün« sind die ersten Eindrücke, wenn man die erste Station, das Tropenhaus, betritt. Eine ganz andere Welt als die ergraute, erstarrte da draußen tut sich hier auf: Palmen und Bananenbäume, die bis zur Decke reichen, Philodendren und Monsterae mit enormen Blattspannweiten. Und auch in der Luft tut sich etwas: Mit Hochgeschwindigkeit zischt der Elfenblauvogel vorbei und veranstaltet zusammen mit dem Kikuyu-Brillenvogel ein Piep- und Zwitscherkonzert, in dem der gerade mal fingernagelgroße Pfeifffrosch als Solist mit ohrenbetäubendem Erfolg auftritt. Und weiter geht es durch den tropischen Regenwald, vorbei an Farnen, die aus Erdurzeiten zu stammen scheinen, Ananaspflanzen, Feigenbäumen und Orchideen. Interessiert verweilt man beim Zimt- und beim Vanillebaum, anhand derer man den Kindern zeigen kann, wo die Gewürze herkommen. Aber oh Schreck! Die Früchte riechen ja gar nicht! »Das ist ganz normal«, erfährt man später am Infostand, »damit sie ihr Aroma erhalten, müssen sie - ähnlich wie Tee - vorher fermentiert werden.«
Schlafmohn und Peyote sind beliebt im Botanischen Garten
Der kolumbianische Cocastrauch dagegen bietet Fertigprodukte und wird deshalb oft von den Besuchern abgeerntet, erfährt man. Überhaupt seien Gewächse wie Schlafmohn oder der Peyote-Kaktus sehr beliebt. Deswegen habe es auch schon einen Einbruch in die Gewächshäuser gegeben. Ganz legal zu haben sind dagegen bekanntlich die Früchte der Kaffeepflanze, die ebenfalls im Tropenhaus zu sehen sind. Und gleich nebenan auch diejenigen des Kakaobaums: dieser wächst in Brasilien am Amazonas und ist mit dutzenden faustgroßen Früchten in Orange- und Grüntönen behangen. »Theobroma cacao« heißt die Pflanze und der Wirkstoff darin Theobromin, das glücklich machen soll. Offenbar ist dieser Zustand hierzulande aber nicht erwünscht, denn diese Art Kakaobohnen werden von der Schweizer Schokoladenindustrie nicht verwendet.
Rasierpinselbäume und Schlangenkopffische im Botanischen Garten
Unterwegs trifft man auf jede Menge Exoten, etwa den Brasilianischen Rasierpinselbaum oder den stacheligen Rahmapfel, eine essbare, weiße tropische Frucht mit starkem Aroma, die jedoch noch nicht die Auslagen der hiesigen Supermärkte erreicht hat. Mitten im Dschungel stößt man plötzlich auf einen Teich, der von Schlangenkopffischen und Wasserschildkröten bevölkert wird. Auf einer Wendeltreppe schließlich kann man bis unters Dach hochsteigen und die die ganze grüne Pracht von oben beschauen.
Um in die nächste Abteilung zu kommen, muss man die schwüle Umgebung des Tropenhauses verlassen und einen kleinen Spaziergang durch den Garten machen: Das Sukkulentenhaus ist ganz den Kakteen und den anderen wasserspeichernden Pflanzen gewidmet. Gleich am Eingang thronen riesige Exemplare, die an den bekannten »Schwiegermutterkaktus« erinnern, hier aber »Echinocactus« genannt werden. Agaven gehören zu den Sukkulenten oder die bolivianische Begonia, die südafrikanische Aloe, die peruanische Peperomia oder die Dioscorea elephantipes, die eine Oberfläche wie eine Elefantenhaut hat.
Auch kulturelle Veranstaltungen werden im Botanischen Garten präsentiert
Der Kuppelbau nebenan ist das Viktoriahaus und wurde eigens zur Präsentation der riesigen Amazonas-Seerose gebaut, deren Rippen an der Blattunterseite die Metallkonstruktionen solcher Kuppelhäuser in ganz Europa inspiriert haben.
Der Rundgang schließt mit dem Besuch des Kalthauses, welches vor allem kälteempfindliche mediterrane Gewächse und solche aus Südafrika beherbergt. Überdimensionale Aronstabpflanzen findet man hier ebenso wie den Teestrauch, den Citrusbaum oder den Honigstrauch.
Der Botanische Garten wird von sechs Gärtnern betreut, die vor allem auch dafür sorgen, dass die Tropenbäume nicht in den Himmel wachsen. Diese müssen regelmäßig gestutzt werden, bevor sie an die Decke stoßen. Auch kulturelle Veranstaltungen werden im Botanischen Garten präsentiert. So finden etwa Konzerte der Musik Akademie im Foyer beim Tropenhaus mit anschließender Führung statt.
Öffnungszeiten
- Garten: April bis Oktober, 8 bis 18 Uhr - November bis März, 8 bis 17 Uhr
- Gewächshäuser: ganzjährig, 9 bis 17 Uhr
- Infostand: jeden Sonntag, 11 bis 17 Uhr
Anreise
Tram: Vom Bahnhof SBB in Basel mit der Tram Linie 8 oder 11 zur Haltestelle Barfüsserplatz - umsteigen auf die Tramlinie 3 Richtung Burgfelden bis zur Haltestelle Spalentor
Auto: Parkhaus »City« beim Kantonsspital (fünf Minuten vom Garten)
Weitere Infos auf der Website des Botanischen Gartens
Mehr Basel-Highlights:
