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Bouldern, Lead, Speed - Worum geht es bei einer Kletter-WM ?

Kletter-EM Innsbruck - Adele Sansone
Kletter-EM Innsbruck - Adele Sansone
Das ist Sportklettern vom Feinsten, eine Kletter-WM. Ein Einblick für alle in die Feinheiten des Klettersports, seine Ausdrücke und die Wettkampfregeln.

2011 fand die Kletter-Weltmeisterschaft in Arco, Italien statt. Ein Grund, sich mit den Feinheiten der dort stattfindenden Wettkämpfe zu befassen. Für alle Neueinsteiger, die selbst nicht klettern, denen aber das Klettern zum Zusehen gefällt; für Menschen, die mit dem Kletterjargon wenig vertraut sind: ein kurzer Wegweiser durch den Kletterdschungel. Was bedeuten die einzelnen Wettkämpfe Bouldern, Vorstieg / Lead und Speedklettern?

Sportklettern - Was ist Bouldern?

Bouldern (boulder, englisch= Felsblock) ist Klettern ohne Seil oder Gurt in einer definierten Absprunghöhe. Es ist der am meisten mit Akrobatik behaftete Kletterstil. Zum Zusehen ein spannungsgeladener Genuss. Zum verletzungsfreien Absprung dient die Bouldermatte, auch Crashpad genannt. Die Boulderprobleme, die einzeln gesetzten Griffe einer Route, gehen bis zur Höhe von drei oder vier Metern. Ein Boulder, der oberhalb dieser Absprunghöhe liegt, wird als Highball bezeichnet. Chalk oder Magnesium erhöht die Griffigkeit der Hände. Lead und Speedklettern werden in einem eigenen Artikel ausführlich behandelt.

Wie wird ein Boulder-Wettkampf ausgetragen?

Kletterwettkämpfe finden fast immer an künstlich errichteten Kletterwänden statt. Internationale Ausrichter für Weltmeisterschaften, Weltcups und Kontinentalmeisterschaften sind die IFSC (International Federation of Climbing). Daneben gibt es aber noch zahlreiche Wettkämpfe, die hohe Tradition besitzen, wie etwa das Rockmaster in Arco. Da speziell das Bouldern so attraktiv für die Zuseher ist, werden gern eigens für Wettkämpfe mobile Kletterwände mitten in der Stadt aufgebaut, so etwa in Innsbruck, das Blocmaster, das mitten in der Stadt am Marktplatz vom 8. bis 9. Juli 2011 stattfindet. Das Klettern wandert also aus den Hallen zu den Zusehern direkt hin. Auf diese Art gewinnt man sowohl Publikum, als auch Kletter-Nachwuchs.

Am Beginn der Wettkämpfe steht die Qualifikation. Hier sind vier bis sechs Boulderprobleme für jeden Kletterer zu lösen. Die Anzahl der Versuche bestimmt die Wertung: je weniger Versuche, desto besser die Wertung. In der Qualifikation dürfen sich die Kletterer gegenseitig beobachten, was die Lösung der Boulderprobleme definitiv erleichtert. Anders im Halbfinale und Finale. Hier muss jeder Kletterer für sich den optimalen Weg „auschecken“. Im Halbfinale und Finale gilt es vier Boulderprobleme zu lösen.

Die Kletterer oder Boulderer können in einem bestimmten Zeitrahmen beliebig viele Versuche starten. Ein Boulder ist dann gelöst, wenn er vom Startgriff bis zum Ausstieg (on top) durchstiegen und zwei Sekunden lang gehalten wird. In der Mitte des Boulders gibt es einen Bonusgriff oder Zonengriff, wird dieser erreicht, ist das Problem „halb gelöst“ und bringt Punkte. Auch hier entscheidet die Anzahl der Versuche. Zwischen den einzelnen Bouldern gibt es sechs und mehr Minuten Pause.

Bouldern – Wer hat es erfunden?

In den Jahren 1920 bis 1930 bestiegen junge Kletterer die Sandsteinfelsen (Felsblöcke in moderater Höhe) von Fontainebleau um sich auf das Klettern in den Alpen vorzubereiten. Sie, die "Bleausards", gelten bereits als Vorgänger des Boulderns.

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte abseits vom klassischen Klettern, John Gill aus den USA, neue Techniken. Sein dynamischer, vom Geräteturnen (den Ringen) beeinflusster Stil, bei dem er den Schwung der letzten Bewegung für den nächsten Zug nutzte, ergab einen schwungvollen, flüssigen Bewegungsablauf (flow). Sporthistorisch bedeutsam ist sein Artikel "The art of bouldering", der 1969 im American Alpine Journal erschien. Der Film "The silent climber" aus dem Jahr 1976 illustriert seine Art des Boulderns.

Der Deutsche Wolfgang "Flipper" Fietz war es, der in den 1970ern zusammen mit Norbert Bätz das Bouldern in das Frankenjura brachte. Ursprünglich nur als Training für Alpinisten gedacht, hat sich das seillose Klettern an niedrigen Blöcken (Boulder) dann zu einem eigenen Trendsport entwickelt.

Kletterjargon- ein kleines Glossar:

  • Checken, auschecken oder ausbouldern: in einer schwierigen Passage die Griffe ausprobieren.
  • Dynamo: ein Hinschnellen durch starkes Abstoßen zu einem weit entfernten Griff, werden beide Hände gleichzeitig losgelassen, heißt es Doubledyno.
  • Flashen: bedeutet, dass man eine Route klettert, ohne sie vorher probiert zu haben.
  • Foothook: den Fuß als Hangelhilfe einsetzen.
  • Spotten: ein Kletterpartner steht bereit um den Boulderer bei einem Sturz abzufangen.
  • Toehook: die Zehen als Hangelhilfe einsetzen.
  • Top klettern: den Ausstiegsgriff einer Route erreichen und einige Sekunden halten.
  • Zonengrif: ein Boulder, für den man, auch ohne das Top zu erreichen, Punkte bekommt.
  • Zwergentod: nennt man salopp eine Kletterstelle, die kleingewachsene Kletterer eindeutig benachteiligt, weil die Reichweite nicht langt.

Wer sind die derzeit besten Boulderer? Wann und wo findet die Kletter-WM statt?

Die Ergebnisse vom Bouldern in Arco.

Quellen: kletterwiki.de;Kletterbegriffe von A - Z, Kletterlexikon, IFSC

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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