
- Exchampion Chagaev im Boxring - BoxingPress
Profiboxen live ab 22.30 Uhr auf ARD Sport: Am 27. August 2011 boxen der Russe Alexander Povetkin (31 Jahre) und der Usbeke Ruslan Chagaev (32 Jahre) um die vakante Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach WBA Version. Die Boxweltmeisterschaft findet in der Erfurter Messehalle statt und stellt eine Art Standortbestimmung für die beiden Boxer dar. Sowohl Povetkin als auch Chagaev standen 2011 noch nicht im Boxring und hatten in den letzten Jahren häufig mit Rückschlägen zu kämpfen.
Alexander Povetkin gegen Ruslan Chagaev boxen um die WM
Sicher, Povetkin und Chagaev haben ihre boxerischen Qualitäten bereits nachgewiesen. Chagaev war schon WBA-Weltmeister und ist die Nummer eins der Weltrangliste, Povetkin wurde 2004 Olympiasieger und bekleidet Position zwei. Doch warum genau boxen Alexander Povetkin und Ruslan Chagaev um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht? Wie ist das möglich, fragen sich viele Boxfreunde, Boxgegner und Boxskeptiker, denn bekanntlich halten ja Wladimir und Vitali Klitschko alle WM-Gürtel in der Königsklasse. Die Antwort ist ganz einfach: Weil den Medien die Auszeichnung „Weltmeister“ eine Menge wert ist und die Boxverbände bei Weltmeisterschaftskämpfen mehr Gebühren kassieren können.
Warum gibt es Weltmeister und Superweltmeister im Schwergewicht?
Kein Wunder, dass die World Boxing Association (WBA) dem Fernsehen gleich zwei Weltmeister verkauft: Einen Super-Champion - „unified champion“ genannt - und einen „Champion“, der in Wirklichkeit keiner sein kann. So thront nach seinem Punktsieg im Vereinigungsboxkampf gegen David Haye in der aktuellen WBA-Weltrangliste Wladimir Klitschko als „unified champion“ über allen anderen Schwergewichtsboxern. Klitschko, der Weltmeister der IBF und WBO hatte sich bekanntlich mit seinem Sieg über David Haye am 2. Juli 2011 auch den WBA-Gürtel geholt. Jetzt steht in der Boxrangliste unter Klitschko, dem Superweltmeister“, die Zeile: „World Champion: vacant“. Und um genau diese vakante WBA-Weltmeisterschaft im Schwergewicht boxen jetzt Alexander Povetkin und Ruslan Chagaev, der seine einzige Niederlage als Berufsboxer gegen Wladmir Klitschko kassiert hat.
Schwergewichtsboxweltmeisterschaft zwischen Alexander Povetkin und Ruslan Chagaev
Alexander Povetkin (21-0, 15 Knockouts) gilt in der Begegnung gegen Chagaev (27-1-1, 17 Knockouts) als Favorit. Der usbekische Rechtsausleger ist zwar ein zäher und gefährlicher Boxer, doch es ist anzunehmen, dass er seine besten Zeiten hinter sich hat. In der Vergangenheit hatte Chagaev immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Wegen einer früheren Hepatitis-B-Erkrankung ist er Träger des Hepatitis-B-Antigens, was bei einigen seiner Kämpfen immer wieder zu Kontroversen und Absagen führte. In Boxerkreisen wird außerdem gemunkelt, dass Chagaevs Sehkraft auf dem linken Auge sehr schlecht ist. Keine guten Voraussetzungen um die schnellen, rechten Kopfhaken von Povetkin kommen zu sehen, der immerhin mit einer Knockoutquote von 71,43 Prozent in den Ring klettert.
Povetkin oder Chagaev? Welcher Boxer wird Weltmeister im Schwergewicht?
Auch wenn der hochdekorierte Amateurchampion Povektin bei den Profiboxern noch nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen und die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen konnte, sollte es zu seinem Sieg über den vielleicht ausgebrannten Chagaev reichen. Chagaev ist nicht mehr so explosivstark wie zu seinen besten Zeiten. Dennoch muss der mehrfache Amateurboxweltmeister und Olympiasieger Povektin aufpassen: Er neigt immer wieder zu Unachtsamkeiten, marschiert nach vorne und kassiert unnötige Treffer. Da der Usbeke, selbst einstiger Schwergewichtsweltmeister bei den Amateuren und Bezwinger des legendären Felix Savon, ein guter Konterboxer ist, besteht zumindest ein gewisses Restrisiko, dass sich der Russe einen harten Treffer einfängt. Chagaevs Knockoutquote von 58,62 Prozent kommt nicht von ungefähr.
Povetkin gegen Chagaev - Prognose für die Schwergewichtsweltmeisterschaft
Körperlich und vom Gewicht her nehmen sich beide Boxer nicht viel. Mit 188 Zetimetern ist der Russe etwas größer als Chagaev (185 cm). Sowohl Povetkin als auch Chagaev haben eine ausgezeichnete Boxausbildung genossen und entsprechend viel Erfahrung im Boxring. Die bessere Kondition, die Workrate, die variablere Boxtechnik und der „Heimbonus“ sollten aber den Ausschlag zugunsten von Povetkin geben, der für den Boxstall des Veranstalters, die Sauerland Event Box Promotion, kämpft.
Schwergewichtsboxen in der ARD
Neben der WM zwischen Povetkin und Chagaev gibt es noch einen interessanten Boxkracher zu sehen: In einem Schwergewichtsboxkampf um den WBA & WBO Intercontinental-Champion Titel trifft der talentierte und schlagstarke Robert Helenius (15-0, 10 Knockouts) auf Ex-Champion Sergei Liakhovich (25-3, 16 Knockouts). Die Zuschauer dürfen gespannt sein, welcher Schwergewichtsboxer in Zukunft den Klitschko Brüdern gefährlich werden kann. Die besten Voraussetzungen haben Alexander Povetkin und Robert Helenius, die nach den Kämpfen weiterhin ungeschlagen sein sollten. Die Frage ist nur, wie sie sich zwischen den Seilen verkaufen. Zumindest rein sportlich gesehen haben sie einiges auf den Kasten. Um so kritikwürdiger ist der Etikettenschwindel, den die Boxorganisationen und Boxpromoter für die Medien betreiben und der zu einer wahren Titelinflation im Profiboxen geführt hat. Doch die Einschaltquoten geben ihnen recht. Und an der massenhaften Verbreitung von Pseudoweltmeistern und der Verballhornung des Wertbegriffs Champion sowie dem WM-Gürtel-Ausverkauf stören sich leider nur noch echte Boxnostalgiker und Boxenthusiasten.
Nachlese zur WM Povetkin gegen Chagaev
Wie erwartet gewann Povektin nach Punkten über Chagaev. Dieser zeigte sich aber keinesfalls "ausgebrannt", sondern lieferte einen starken Fight ab. Zeitweise wirkte der Russe angeschlagen, doch am Ende setzte er sich dank der besseren Treffer und Aktivität durch. Ebenfalls siegreich: Robert Helenius durch technischen Knockout in Runde Neun.
Quelle:
Boxdatenbank "BoxRec"
