
- Yoan Pablo Hernandez vor dem Boxkampf - BoxingPress
Boxen auf ARD Sport: Im Jahnsportforum Neubrandenburg schnüren am 1. Oktober 2011 die beiden Sauerland-Boxer Steve Cunningham (35) und Yoan Pablo Hernandez (26) in einem Stallduell um die IBF-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht ihre Boxhandschuhe. Der Weltmeisterschaftskampf wird im Rahmen der Boxgala „Nacht der Entscheidungen“, die von Sauerland Event Boxpromotion veranstaltet wird, ab 23.15 Uhr „live im Ersten“ übertragen.
Boxen um die Weltmeisterschaft im Cruisergewicht: Cunningham gegen Hernandez
Der Boxkampf zwischen IBF-Weltmeister Steve Cunningham (24-2, 12 K.o.) und dem Kubaner Yoan Pablo Hernandez (24-1, 13 K.o.) verspricht ein ausgeglichenes Gefecht auf hohem boxerischen Niveau. Steve „USS“ Cunningham kommt aus Philadelphia (USA) und gilt als gewiefter, technisch sehr versierter Boxer, der in Deutschland kein Unbekannter ist. Bereits 2007 besiegte er den Sauerland-Boxer und heutigen WBO-Champion Marco Huck. 2011 wies er Enad Licina, ebenfalls bei Sauerland unter Vertrag, in die Schranken.
Steve Cunningham gegen Yoan Pablo Hernandez
Kein Wunder, dass der US-Boxer in der Begegnung gegen Hernandez als leichter Favorit in den Ring klettert. Cunningham (1,91 cm) ist erfahrener und abgeklärter. Er hat bei den Profis die besseren Gegner geboxt und agiert taktisch klüger als der 1,93 Meter große Boxheißsporn aus Kuba. Mit einer Knockoutquote von 52 Prozent gegenüber 46,15 Prozent bei Hernandez verfügt der Amerikaner nicht nur statistisch gesehen über die bessere Schlagkraft. Denn trotz seiner ausgezeichneten kubanischen Amateurboxausbildung boxt Hernandez gelegentlich unsauber, überhastet und streut zu viele „Innenhände“ ein. Cunningham agiert meist ruhiger, gleichmäßiger und geschlossener, was ihn für den Herausforder äußerst gefährlich macht.
Hernandez, ein Boxer mit jeder Menge Können, aber schwachem Kinn?
Die mangelnde Cleverness, Härte und Mentalstärke war in der Vergangenheit die Achillesferse des Kubaners. Sowohl als Amateur wie auch als Berufsboxer scheiterte er in wichtigen Schlüsselkämpfen nicht unbedingt am Boxkönnen, sondern an seiner Psyche und dem unzureichenden Kämpferherz. Oft genug wurde er zu jung und unerfahren gegen gefährliche Boxchampions wie zum Beispiel als Amateur gegen Odlanier Solis in den Ring geschickt, was sich in Wirkungstreffern und vorzeitigen Niederlagen rächte. Nachdem er 2008 durch technischen Knockout gegen Exweltmeister Wayne Braithwaite verloren hatte, zeigte sich der Kubaner in den folgenden Kämpfen stetig verbessert. So gelang es ihm einen „Bodenbesuch“ zu verdauen, brenzlige Situationen zu meistern sowie siegreich zu bleiben. Nach dem eindrucksvollen Gewinn der WBA-Interimsweltmeisterschaft 2011 scheint Hernandez psychisch gereift und kapiert zu haben, dass Boxen auch „Kopfsache“ ist.
Weltmeister mit Alterserscheinungen: Steve „USS“ Cunningham
Wenn der Kubaner taktisch klug boxt und seine Nerven im Griff hat, besitzt er mehr als nur Außenseiterchancen. Denn: der Rechtsausleger ist jünger, schneller, boxerisch variabler und explosivstärker. Das sind gewichtige Faktoren, die auf einen Sieg von Hernandez schließen lassen. Überdies hat Cunningham in seinen beiden letzten Kämpfen trotz seiner Siege nicht überzeugt. Teilweise war er leicht zu treffen und ließ seine boxerische Souveränität vermissen. Vielleicht ein Indiz für Alters- und Verschleißerscheinungen und eine gewisse Boxmüdigkeit beim Amerikaner, selbst wenn er bei Boxexperten und in Insiderkreisen als fleißige und ehrgeizige "Gym-Ratte" bekannt ist.
Sauerland-Boxen in Neubrandenburg: Gala mit vielen Titelkämpfen
Nicht nur Cunningham und Hernandez schickt die Sauerland-Event-Boxpromotion in einen Meistertitelkampf, sondern auch den Deutschen Sebastian „Hurrikan“ Sylvester aus Greifswald. Sylvester (34-4-1, 16 K.o.) will gegen den polnischen Rechtsausleger Grzegorz Proksa (25-0, 18 K.o.) erneut Europameister im Mittelgewicht werden und anschließend gegen seinen Landsmann und Exweltmeister Sebastian Zbik kämpfen. Keine leichte Aufgabe gegen den auslandserfahrenen und unbequemen EU-Meister aus Polen, der jederzeit für einen überraschenden Wirkungstreffer gut ist.
Sebastian Sylvester will gegen Grzegorz Proska Europameister werden
Der Pole (26) ist ungeschlagen und ein sehr hart schlagender Mann. Dennoch gilt Sebastian Sylvester (31) als Favorit, weil er geradliniger boxt und Proska ihm vom Stil her liegen dürfte. Proska marschiert ständig nach vorne, schlägt viele Haken, vernachlässigt dabei jedoch seine Deckung. Wenn der Deutsche konzentriert bleibt, sollte er seinen Gegner mit der Führhand und langen Geraden auf Distanz halten und ihn mit der Rechten wirkungsvoll treffen können. Heimbonus und die größere Erfahrung über zwölf Runden spielen Sylvester ebenfalls Trümpfe in die Hände.
Boxen im Ersten mit vielen sportlich guten, ausgeglichenen Fights
Im dritten Titelkampf der Boxgala tritt IBF-Intercontinental-Meister Karo Murat vom „Sauerland-Boxstall“ zum Rematch gegen den Spanier Gabriel Campillo (21-3, 8 K.o.) an. Im ersten Kampf im September 2009 konnte sich Murat (24-1, 14 K.o.) mit einer Mehrheitsentscheidung durchsetzen, es war aber Campillo, der im Anschluss darauf einen WM-Titel holen konnte. In diesem Schlagabtausch geht es auch um das offizielle Recht, den IBF-Weltmeister Tavoris Cloud herausfordern zu dürfen. Die größten Chancen auf den Sieg hat in dieser Auseinandersetzung wohl der Mann aus Spanien.
Aktueller Hinweis: Am 4. Februar 2012 treffen Hernandez und Cunningham erneut aufeinander!
Quelle: Boxdatenbank „Boxrec“
