Keine Pause beim Spitzensport: Sieben Tage nach dem Finale der Euro 2012 stand am 07. Juli 2012 mit dem Boxkampf Wladimir Klitschko gegen Tony Thomson das nächste Event im Spitzensport an, das der ukrainische Boxweltmeister nach sechs Runden für sich entschied. Der Veranstalter infront/Rignier freute sich mit rund 22.156 Zuschauern über ein ausverkauftes Stade de Suisse; in rund 150 Länder der Erde, so KMG-Manager Bernd Bönte, sei der Kampf von Hostbroadcaster RTL live übertragen worden. Bei besserem Wetter übrigens als das Qualifying zum Grand Prix von Großbritannien, das am Nachmittag vor dem Boxkampf wegen Dauerregens für eine Stunde unterbrochen werden musste. Kai Ebel, nachmittags noch in Silverstone unterwegs, führte am Abend die Interviews am Boxring in Bern. Thompson gegenüber RTL: "Ich bin nicht als ein weiteres Opfer von Wladimir hiergekommen. Ich werde mir die WM-Gürtel holen, und das meine ich ernst. Man kann sich die WM-Titel nur nehmen, wenn man den Champion ausknockt. Das werde ich tun in Runde 9." Seine fünf letzten Kämpfe hat er gewonnen; dieses Mal täuschte er sich. Nach sechs Runden endete der Fight mit K.o. durch Wladimir Klitschko, dem alten und damit neuen Weltmeister. Das Motto "Can't Stop" also wörtlich zu nehmen für den Ukrainer; würde jedes Formel 1-Rennen vom gleichen Fahrer gewonnen werden, würde man die Langeweile beheulen. Nur im Boxsport, da gilt das nicht: Klitschkos 51. K.o.

Hier: Vorbericht Wladimir Klitschko vs. Mariusz Wach / 10. November 2012

Klitschko vs. Thompson - die Gegner im Kurzüberblick

Gibt es Fakten, die zu Wladimir Klitschko nicht bekannt wären? Wohl kaum, daher hier in Kürze nur die wichtigsten Zahlen zu den beiden Kontrahenten: Der 1,98 Meter große Wladimir Klitschko wurde am 25. März 1976 geboren, hört auf den Kampfnamen Dr. Steelhammer, lebt in Hamburg und kann auf 57 Siege und drei Niederlagen - 50 durch K.o. - zurückblicken. Der um zwei Zentimeter kleinere Tony Thompson, 2008 schon einmal Wladimir Klitschko unterlegen, führt den Kampfnamen Tiger und zählt in seiner Vita 36 Siege - 22 durch K.o. - sowie vier Niederlagen. Er wurde am 18. Oktober 1971 in Maryland/USA geboren, wohnt in Washington und bringt 111 Kilogramm Kampfgewicht auf die Waage; Klitschko deren 113. Drei von sieben Kindern und die Gattin brachte er mit nach Bern.

Klitschko vs. Thompson: "Can't Stop" Zusammenfassung

Zur Single "Can't Stop" von den Red Hot Chili Peppers aus 2003 marschierte Klitschko zu seiner Begegnung mit dem Amerikaner. Zuvor spielte Triggerfinger "I follow Rivers“. Thompson wählte für seinen Einlauf "We made it“ von Busta Rhymes feat. Linkin Park aus. Die 1. Runde war ein reines Austarieren der Möglichkeiten, mehr nicht. In der 2. Runde gab Klitschko indes richtig Gas. Gedrückt von Klitschko und weggerutscht, Thompson erstmalig am Boden, aber nicht angezählt. Dann setzte der Rechtsausleger zum Gegenangriff an. Ein erneuter Treffer Klitschkos schickte den Ami erneut zu Boden; diesmal mit Anzählen und Rettung in die Pause. Thompson griff in der 3. Runde an und zeigte sich selbstbewusst, konnte aber nicht verhindern, dass Klitschko mehr Schläge austeilte.

Immer wieder schaffte es Klitschko in der 4. Runde, seine Fäuste auf dem Körper Thompsons zu platzieren; er hielt den Ami mit Links auf Distanz, damit er mit Rechts zuschlagen konnte. 5. Runde: Klitschko trieb Thompson immer wieder in die Seile und schaffte einen Volltreffer, mit dem er den Ami gewaltig in der Ecke auf den Boden schickte. Thompson hatte den Dauerattacken Klitschkos nichts entgegenzusetzen; der Ukrainer wirkte deutlich überlegener. Ein Bild, das sich auch in der 6. Runde nicht änderte: Klitschko ans Kinn, Klitschko an den Körper; Klitschko sei der Chef im Ring, so auch RTL. Immer wieder: Thompson in der Ringecke, am Boden, nicht mehr aufrecht stehen könnend, Haken links, rechts und der K.o.-Sieg für Wladimir Klitschko.

Stimmen zu Klitschko vs. Thompson

Sehr beeindruckt sei er, so Kai Ebel zu Wladimir Klitschko zu dem Sieger. Der zeigte sich zufrieden mit Bern und bedankte sich beim Schweizer Publikum dafür, dass es ins Stadion gekommen sei. Ein ganz besonderer Tag sei heute, so Wladimir, weil viele Freunde nach Bern gereist seien; auch, weil Trainer Emanuel Stewart seinen 68. Geburtstag feiert. Ein "Happy Birthday" folgte; der Trainer war gerührt: "Wladimir hat gezeigt, was er zeigen musste; das hat er mit schönen Schlägen hingekriegt." Unterschätzt habe er Klitschko nicht, so Thompson, aber der sei ja auch nicht umsonst Weltmeister. Respekt gegenüber Wladimir äußerte Luan Krasniqi, weil Klitschko von Anfang an die Entscheidung gesucht habe.

Rückblick: Öffentliches Training am 04. Juli

Mit den Muskelspielchen starteten die Kontrahenten bereits am Mittwoch vor dem Kampf vor einer historischen Kulisse: Auf dem Bundesplatz im Herzen Berns fand vor rund 2.500 Zuschauern das öffentliche Training statt. Im Schatten des Bundeshauses war eigens dazu ein Ring mit gewaltiger Überdachung aufgebaut worden, die sich jedoch bei strahlendem Wetter als überflüssig erwies. Als erster betrat der amerikanische Herausforderer den Ring und reckte dabei immer wieder mit Jubelpose die Arme in die Höhe. Als der Applaus verebbt war, entpuppte sich der Auftritt jedoch als gut inszenierter Fake. Anstelle des Herausforderers war, mit Kopfschutz bedeckt und deshalb nicht richtig erkennbar, sein Bruder Keith ins Seilgeviert gestiegen.

Hier: Formel 1 in Silverstone 2012 / Qualifying und Startaufstellung

Da sich die beiden von der Statur und vom Aussehen her sehr ähneln, blieb der Spaß bis zur Auflösung unbemerkt. „Keith wollte immer ein Filmstar werden, jetzt habe ich ihm mal eine Chance gegeben“, erklärte Tony Thompson den spontanen Gag. Doch hatte er damit die Lacher zunächst auf seine Seite gebracht, erwies sich sein Auftritt im Ring danach jedoch als äußerst dröge. Ein bisschen verhaltene Pratzenarbeit und ein wenig Schattenboxen – das Workout war ebenso sparsam wie schon das wortkarge Auftreten Thompsons am Dienstag bei der Pressekonferenz. "Wir wollen doch so kurz vor dem Kampf nicht viel über uns verraten.“ begründete der 40-Jährige seinen nur achtminütigen Auftritt später gegenüber RTL. Dass der Kampf auch nicht viel länger werden würde, wusste er da noch nicht. Dafür gab es 350.000 Euro. Notiz am Rande: Zu Gast in Bern war Musiklegende Quincy Jones, was den Klitschkos Vitali gemäß sehr viel bedeute. Regelmäßig SMS schreibe er sich mit ihnen, so Jones.

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Rückblick: Hier der Artikel zu Wladimir Klitschko am 03. März 2012 in Düsseldorf