Boxen: Huck gegen Povetkin, die Boxer im Vergleich

WBA-Weltmeister im Schwergewicht: Povetkin - BoxingPress
WBA-Weltmeister im Schwergewicht: Povetkin - BoxingPress
Marco Huck und Alexander Povetkin boxen um die WBA-Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Der Boxkampf ist live bei der ARD zu sehen.

Boxen: Am 25. Februar 2012 fordert Marco Huck, WBO-Weltmeister im Cruisergewicht, in der Stuttgarter Porsche-Arena seinen Boxstallkollegen und Schwergewichtsweltmeister Alexander Povetkin heraus. Welcher Boxer gewinnt den Boxkampf um die WBA-Weltmeisterschaft im Schwergewicht? Suite101 gibt eine Boxprognose zu Huck vs Povetkin ab.

Marco Huck gegen Alexander Povetkin - die Boxer im Vergleich

1. Physis

„Käpt´n“ Huck (27) ist 1,87 m groß und als Cruisergewicht vermutlich einige Kilos leichter als Povetkin (32), der mit einer Größe von 1,88 m und einer Reichweite von 1,91 m ausgestattet ist. Povetkin wird mit einem Kampfgewicht von ungefähr 105 Kilogramm in den Ring steigen, er ist im Gegensatz zu Huck ein „ausgewachsenes Schwergewicht“. 9:10

2. Amateurboxausbildung

Povetkin genoss eine ausgezeichnete Amateurboxausbildung. Er war Europameister, Weltmeister und Olympiasieger im Superschwergewicht, gewann 125 Amateurboxkämpfe bei 7 Niederlagen. Mit seinen 15 Kämpfen als Amateur kann der deutsche Herausforderer hier nicht mithalten. 9:10

3. Vorbereitung

Beide Boxer verfügen über ausreichend Kondition und gute Bedingungen im Boxtraining sowie Sparring. Sowohl Huck als auch Povetkin gelten als trainingsfleißig und sind mehrfach über die volle Rundendistanz gegangen. Dem WBA-Weltmeister ist es jedoch nicht gelungen seine Dominanz als Amateurboxer in den Profibereich zu übertragen. Seit seinem Wechsel zu US-Trainer Teddy Atlas arbeitet der Russe an einer Stiländerung. Seine einstigen Stärken, die hohe Workrate und der permanente Angriffsdruck, weichem allmählich einem ökonomisch konzentrierten Boxen. Gerade gegen einen wilden, verbissenen „Haudrauf“ wie Marco Huck können die Suche nach dem richtigen Stil und die immer noch vorhandenen Sprachbarrieren zwischen Trainer und Boxer schnell zu einer Gefahr für Povetkin werden. 10:9

4. Psyche

Überhaupt wirkt der WBA-Weltmeister als Profiboxer im Schwergewicht psychisch ein wenig labil. Selbst Trainer Teddy Atlas meinte öffentlich, das zum Beispiel ein Kampf gegen Klitschko für seinen Schützling zu früh käme. Und gegen den vermeintlichen Außenseiter Huck kann Povetkin nur verlieren. Aufgrund seiner Erfolge als Amateurboxer und seiner körperlichen Vorteile ist der mentale Druck für den Weltmeister enorm. Viele erwarten von ihm einen schnellen, überzeugenden Sieg über „Großmaul“ und „Möchtegern-Boxer“ Huck, der mit seiner unbedarften, proletenhaften Art polarisiert. Der Deutsche kennt Povetkin aus dem Sparring und weiß, auf was er sich einlässt. Überdies strotzt Huck vor Selbstbewusstsein, läuft vor Saft und Kraft förmlich über. 10:9

5. Schlagkraft

Beide Boxer verfügen über eine solide Schlagkraft. Hucks Knockoutquote liegt bei 71,43 Prozent. Povetkin kommt auf 69,57 Prozent. Da Huck noch nie im Schwergewicht gekämpft hat, geht die Runde aufgrund der geboxten Gegner, der Erfahrung und der Physis an den Russen. 9:10

6. Schnelligkeit

Huck kommt aus dem Cruisergewicht und sollte leichte Vorteile haben, was die Geschwindigkeit angeht. Der WBA-Weltmeister ist zwar nicht als langsamer Kämpfer bekannt, lässt aber Fragen offen, wohin ihn das Boxen unter Teddy Atlas genau führt. Das Zurückfahren der Schlagaktivität, das us-typische Pendeln, die Konzentration auf harte, explosive „Powerpunches“ sind gegen einen Boxer wie Huck vielleicht das falsche Mittel. 10:9

7. Technik

Beide sind Normalausleger und nicht unbedingt als konsequent, abwartende Führhand-Boxer bekannt. Der Deutsche kämpft sehr unorthodox, neigt zu wilden, unbedachten Schlagaktionen, ist bei weitem technisch nicht so ausgreift und geschult wie Povetkin. 9:10

8. Kämpferherz

Huck wirkte schon in manchen Kampfsituationen angeschlagen, doch seit seiner einzigen vorzeitigen Niederlage hat er bewiesen, dass er „Kämpferherz“ hat, sich durchbeißen und Schwächephasen überstehen kann. Povetkin wurde ebenfalls schon einige Male durchgerüttelt, nimmt die meisten Schläge jedoch ohne mit der Wimper zu zucken. Bislang konnte noch kein Boxer den Russen vorzeitig stoppen. Gegen Huck spricht der Umstand, dass er die Schlaghärte im Schwergewicht in „richtigen“ Boxkämpfen noch nicht „gewöhnt“ ist oder „erlebt“ hat. 9:10

9. Defensive

Trotz umfassender Amateurboxausbildung zeigt Povetkin in der Defensive Blößen, kassiert unnötige Treffer. Hucks Abwehr hat sich verbessert, er nimmt durch langes Boxen auf der Innenbahn und unorthodoxe Meidbewegungen weniger „Wirkungsschläge“ als der Schwergewichtsweltmeister, der gelegentlich förmlich in gegnerische Punches rennt. Knappe Runde an den Deutschen, der mehr zum „Schläge vermeiden“ neigt als Povetkin. 10:9

10. Offensive

Marco Huck versucht meist mit langen Händen und explosiven Momenten Druck aufzubauen. Povetkin setzt auf den dauernden Vorwärtsdrang, kämpft kontrollierter, schlägt genauer und streut gefährliche Hände ein. Da Huck im Angriff oder im Schlagabtausch gelegentlich seine boxerische Linie verliert: 9:10

11. Ringintelligenz / Taktik

Der Herausforderer hat in seinen Begegnungen gegen schlagstarke Boxer bewiesen, dass er taktisch diszipliniert boxen und sowohl mit der Linken als auch schnellen Schlagserien die Runden für sich verbuchen kann. Gerade gegen gefährliche Gegner hält sich Huck meist an die taktische Marschroute seines Trainers Ulli Wegner. Povetkin agiert manchmal zu leichtsinnig, schenkt Runden her. 10:9

12. Unberechenbarkeit

Huck ist im Schwergewicht ein unbeschriebenes Blatt. Das macht ihn unberechenbar, zumal der WBA-Weltmeister in diesem Boxkampf mehr Prestige riskiert. Denn: falls Povetkin verliert ist sein WM-Gürtel weg. Dann wird er wahrscheinlich seine Karriere beenden sowie Hohn und Spott ernten. Eine Huck Niederlage allerdings wäre kein Beinbruch. Der Deutsche ist jung, hat Zeit ins Schwergewicht hineinzuwachsen oder wieder ins Cruisergewicht zurückzukehren. Der große Gewinner heißt Promoter Sauerland, weil „Huck gegen Povetkin“ eine ausverkaufte Porsche-Arena sowie hohe Einschaltquoten garantiert und der Weltmeisterschaftstitel im Sauerland-Boxstall bleibt. Schwer zu sagen, welcher Boxer bei Sauerland höher in der Gunst steht. Nüchtern betrachtet solte es Huck sein, der mehr Medienaufmerksamkeit bekommt als der Russe. Überdies macht es den Anschein, dass man bei Sauerland Box-Promotion nicht unbedingt zufrieden mit Povetkins Werdegang, Greifbarkeit und dem Einfluss von Teddy Atlas ist. 10:9

Marco Huck gegen Alexander Povetkin – Prognose zum WM-Boxkampf

Der Vergleich (114:114) lässt auf einen engen, ausgeglichenen und spannenden WM-Boxkampf schließen. Suite101 geht trotzdem von einem Sieg des Russen aus. In seinem Rekord stehen Siege über unbequeme Gegner, die zur erweiterten Weltspitze zählten. Darunter neben „Boxstinkern“ wie Larry Donald oder Eddie Chambers auch Champions wie Chris Byrd und Ruslan Chagaev. Nicht unwahrscheinlich, dass Povetkin aufgrund seiner Erfolge, seines Boxkönnens und seiner Boxvergangenheit zumindest einen glanzlosen „Arbeitssieg“ über Huck erzielen wird. Schließlich hat der WBA-Weltmeister jahrelang das Superschwergewicht bei den Amateuren dominiert und ist trotz einiger berechtigter Expertenkritik bei den Profis ungeschlagen. Schwer zu glauben, dass ausgerechnet ein „Haudrauf“ wie Huck Povetkin ins Wanken bringen kann.

Nachlese zur Box-WM zwischen Huck und Povetkin

Povetkin hatte viel Mühe mit Marco Huck und gewann am Ende nur und recht schmeichelhaft nach Punkten.

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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