
- The Fighter. Boxen ums Leben. Wahlberg und Bale - Senator Film
Wie jede große Geschichte basiert The Fighter (Deutschlandstart 7. April 2011) auf einem simplen Kern: Der Glaube an sich selbst, so lautet die Prämisse des Films, führt zum Erfolg. Vom Tellerwäscher zum Millionär, von der Arbeiterameise zum Freund der Königin (Ameise Flik in Pixars zweitem Computer-Animationsfilm Das große Krabbeln) – vom „Sprungbrett“ zum Weltmeistertitel. Sprungbrett nennt man im Boxgewerbe jene Boxer, die ohne Aussicht auf eine eigene Karriere anderen Boxern zu Ruhm verhelfen, indem sie sich für Kämpfe zur Verfügung stellen – und sie verlieren.
The Fighter – Der Boxring als Arena des Lebens
In The Fighter geht es ums Sich-Durchboxen, und folgerichtig dient der Boxsport als Kulisse für den Weg nach oben. Ähnlich wie in Million Dollar Baby von Clint Eastwood ist auch dieser Weg kein Boulevard: Er führt durchs Ghetto, die Straße stellt sich als einziger Hindernisparcour dar; und wenn man hofft, endlich einmal auf besserem Asphalt unterwegs zu sein, wartet hinter der nächsten Kurve bereits das nächste Schlagloch. Hier ist der Faden des Dramas in den Film eingewebt, doch das Schiffchen, das den Faden auf dem Webstuhl transportiert, heißt Action. The Fighter ist ein Action-Drama! Ein großartiges obendrein!
Synopsis des Films The Fighter mit Mark Wahlberg, Christian Bale, Amy Adams und Melissa Leo
Micky Ward (Mark Wahlberg), Anfang 30 und Sohn einer neunköpfigen Arbeiterfamilie, lebt Mitte der 80er Jahre in dem ein wenig schmuddelig wirkenden Städtchen Lowell unweit von Boston, Massachusetts. Seine Mutter und Managerin Alice (Melissa Leo) liebt jedes ihrer Kinder, doch an Mickys Halbbruder Dicky (Christian Bale) hat sie einen Narren gefressen: Zwar belastet sie seine notorische Unzuverlässigkeit, sie lässt sich aber immer wieder von Dickys Charme einwickeln. Seine Crack-Sucht ignoriert sie, seinen vor Jahren errungenen K.o.-Sieg über den weitaus besseren Boxer Sugar Ray Leonard (in einem Cameo-Auftritt) hegt und pflegt sie als Familienmythos, und ein Gutteil ihres Strebens gilt dem phantasierten Comeback Dickys.
Dass es für den gut vierzigjährigen Dicky noch einmal bergauf gehen kann, scheint durch die Anwesenheit eines Filmteams des Senders HBO belegt, das Dicky durch den Alltag begleitet. In Wahrheit aber arbeitet das Team an einer Dokumentation über Cracksüchtige. Als die Sendung ausgestrahlt wird, sitzt Dicky wegen Betrügerei im Gefängnis. Hat er sich unmittelbar vor Beginn der Sendung von den Mitinsassen noch als Fernsehstar feiern lassen, wird die nun folgende Ausstrahlung für ihn zum Damaskus-Erlebnis. Er, der sich bisher als Champ früherer und künftiger Tage gesehen hat, besiegt seine Sucht und will sich mit aller Kraft Mickys Karriere widmen.
Doch Micky hat inzwischen Charlene Fleming (Amy Adams) kennen gelernt. Die zugleich zugeknöpft, rüde und zerbrochen wirkende Charlene kann Micky überzeugen: Micky soll von vorne anfangen – ohne seine Mutter als Managerin und ohne seinen Halbbruder als Trainer. Und tatsächlich feiert Micky rasch erste Erfolge: Eine Ahnung erwacht, was er alles hätte erreichen können ohne den Clan. Mit neuem Manager und neuem Trainer bereitet er sich auf seine Karriere vor, die ihn bis nach London führen wird, wo er gegen einen übermächtig scheinenden Gegner den Weltmeistertitel erringen kann. Doch zuvor kommt der geläuterte Dicky aus dem Gefängnis und kämpft um ein Comeback anderer Art: Er will als Trainer Micky auf den Titelkampf vorbereiten. Micky gerät in eine Zwickmühle zwischen Versprechen und Familie.
The Fighter: Film voller Geschichten in der Story
Im Kern simpel – in der Ausarbeitung komplex. Die Geschichten innerhalb der Story The Fighter sind Kleinuniversen voller lebensechter Akteure, was, ohne die Leistung der Drehbuchautoren Scott Silver, Paul Tamasy und Eric Johnson schmälern zu wollen, auch daran liegen mag, dass The Fighter die Lebensgeschichte des irisch-amerikanischen Boxers nachzeichnet. Micky lebt zunächst zwischen sämtlichen Stühlen: ein von seiner Familie nur mäßig beachteter jüngerer Halbbruder eines ehemaligen Champions, Vater einer Tochter, zu der er kaum Kontakt erhält, Sprungbrett für andere Boxer – er gleicht der Birne aus dem Gym, auf die jeder drischt, die jeder nach Belieben in Bewegung setzen darf. Erst als er Charlene trifft und sich in sie verliebt, rebelliert er, dank ihrer Unterstützung, zum ersten Mal in seinem Leben.
Dicky, der unwiderstehliche Chameur, das Schlitzohr, enttäuscht jeden, bis er merkt, worauf es wirklich ankommt: nicht auf die Bewunderung anderer, sondern darauf, vor sich selbst bestehen zu können, ehrlich zu sein zu sich selbst. In diesem Moment kann er auch zugeben, dass sein angeblicher K.o.-Sieg eine Farce ist. Für seine Arbeit erhielt Christian Bale den Oscar 2011 als bester männlicher Nebendarsteller.
Ebenfalls den Oscar als beste Nebendarstellerin erhalten hat Melissa Leo hat für ihre Rolle der Mutter Alice. Wie die platinblonde, kettenrauchende Leo das „Muttertier“ gibt, das mit mal strenger, mal nachsichtiger, immer aber vermeintlich liebender Hand zu Hause das Regiment führt, ist in des Wortes doppelter Bedeutung aufregend: erregend zu sehen, doch zugleich regt sie den Zuschauer auf, diese Frau, die den Helden Micky aus dem Haus liebt.
Vater George Ward (Jack McGee spielt auch in Tron: Legacy mit) hat gegen die geballte Frauenpower Alices und seiner Töchter zunächst so wenig Chancen wie Micky. Man nimmt ihn nicht ernst oder wahr, ihm wird über den Mund gefahren, er ergreift die Flucht, als die Schwestern Charlene attackieren – doch als er erkennt, was seinem Sohn wichtig wird, die Liebe zu Charlene, die Abkehr vom Traum einer Profikarriere und schließlich der Wille zur Umkehr, bäumt er sich auf und stellt sich an die Seite seines Sohnes. Micky hat nicht nur sich selbst, sondern auch ihm eine Perspektive gezeigt.
Charlene steht zu ihren Problemen: Sie hat das College abgebrochen und ertränkt ihr Leben im Alkohol. Sie arbeitet in einer Bar, wo sie sich der Anmache der Männer erwehren muss, bis Micky sie anspricht. Das Leben Mickys wird zu ihrer persönlichen Katharsis: Die Energie, die ihr für sich selbst fehlt, schenkt sie Micky, und sie verzweifelt, als Micky sich zu einer unbedachten Aktion gegen die Polizei hinreißen lässt. Diese Art Probleme hat sie selbst zu Genüge in ihrem Leben. Aber auch Charlene ist ein Fighter: knallhart, hartnäckig, aggressiv. Sie kann austeilen und einstecken und stellt sich dem Kampf gegen den weiblichen Teil der Familie Ward. Wenn sie auch nicht die Sympathien von Mutter Alice oder der Schwestern erobert: Das Ende des Films The Fighter zeigt, dass Charlene allem Anschein nach das Herz von Mickys Tochter gewonnen hat.
Quellen und weiterführende Hinweise:
Presseheft der Filmgesellschaft
Ronald B. Tobias: »20 Masterplots. Woraus Geschichten gemacht sind«. Gebunden, Verlag 2001. ISBN: 3-86150-302-6
