Boxen: Vitali Klitschko gegen Tomasz Adamek, der WM-Vorbericht

Klitschko gegen Adamek - Vorbericht zur WM - BoxingPress
Klitschko gegen Adamek - Vorbericht zur WM - BoxingPress
Klitschko gegen Adamek - Boxkampf im Profiboxen um die WBC-Weltmeisterschaft im Schwergewicht, live auf RTL Sport am 10.09.2011.

Boxen: Am 10. September 2011 verteidigt Weltmeister Vitali Klitschko (42-2 39 K.o.) in Breslau freiwillig seinen WM Gürtel im Schwergewicht gegen Lokalmatador Tomasz Adamek (44-1 28 K.o.) aus Polen. RTL überträgt die WBC-Weltmeisterschaft zwischen den beiden erfahrenen und guten Boxern live ab 22.00 Uhr in die deutschen Haushalte.

Vitali Klitschko gegen Tomasz Adamek - Boxen um die WM im Schwergewicht

Die erste Runde im bevorstehenden Boxduell scheint Tomasz Adamek (34 Jahre) schon gewonnen zu haben, denn der WBC-Weltmeister aus der Ukraine war während seiner WM-Vorbereitung sehr verwundert, dass es vom Herausforderer nur wenig Äußerungen zur Schwergewichtsboxweltmeisterschaft gab. Gegenüber Pressevertretern ließ Vitali Klitschko (40 Jahre) verlauten: „Adamek ist verschollen, man hört nichts von ihm.“ Er könne es nicht verstehen, dass sich der Pole für eine Weltmeisterschaft im eigenen Land in den USA vorbereite. „Aber das ist seine Entscheidung“, sagte Klitschko vor einigen Wochen. Da große Sprüche und Verbalattacken wie von Odlanier Solis, David Haye oder Shannon Briggs fehlen, wirkte Vitali Klitschko aus der Reserve gelockt und leicht angesäuert, dass er die Werbetrommel bislang alleine rühren musste.

Boxen mit Klitschko: „Boxkampf gegen Adamek ist von besonderer Bedeutung“

Damit er im boxüblichen Trash Talk nicht die Rolle des Bösewichts spielen muss, schlägt Klitschko jetzt in eine pathetische Kerbe, um die WM-Begegnung zu vermarkten: „Der Kampf gegen Adamek soll Symbolkraft haben. Er bedeutet viel für die Ukraine. Sport ist viel mehr als nur Sport. Ich will auch für meine Landsleute gewinnen.“ Klitschko spielt damit auf die politische Situation in seinem Heimatland an. Vor mehr als einem Jahr hatte Klitschko die Ukrainische Demokratische Allianz (UDAR) gegründet, demnächst will er mit seiner Partei an den Parlamentswahlen teilnehmen. Zuletzt setzte er sich für die inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko ein.

Boxweltmeister im Schwergewicht, Politiker und Doktor: Vitali Klitschko

Keine Frage, Vitali Klitschko gefällt sich in der Rolle des Helden und ist sich seiner Sache sicher: „Ich werde Adamek k.o. schlagen.“ Doch der „Tanz auf mehreren Hochzeiten“ ist in der Boxhistorie schon vielen Champions zum Verhängnis geworden. Genau daraus bezieht der Schwergewichtsboxkampf zwischen Klitschko und Adamek um den WBC-Gürtel seinen Reiz. Bei den meisten Boxexperten gilt Dr. „Eisenfaust“ Klitschko als klarer Favorit. Er ist fast einen Kopf größer, zwölf Kilogramm schwerer, hat mehr Trümpfe in der Hand, was Schlagkraft, Technik, Defensiv- und Offensivarbeit angeht. Allerdings kann der ehemalige Halbschwer - und Cruisergewichtsweltmeister Adamek aufgrund seiner vermeintlichen Schnelligkeit und seines Boxerherzens auf einige unbekannte Variablen hoffen.

Tomasz Adamek ist ein unbequemer Herausforderer für Vitali Klitschko

Adamek hat auch boxerisch eine Menge auf den Kasten: die Analyse und Gegenübstellung der Stärken und Schwächen in einem Vergleich zwischen Vitali Klitschko und Tomasz Adamek führt jedenfalls zum Ergebnis, dass ein enger, ausgeglichener Boxkampf zu erwarten ist. Sollte Klitschko nicht hundertprozentig auf Adamek fokussiert sein, kann sich das für den Weltmeister schnell rächen. Denn: der Herausforderer hat das Publikum hinter sich. Er ist zäh, konditionsstark, kann marschieren. Für Adamek spricht außerdem die abgeschottete und dreimonatige Trainingsvorbereitung mit starken, bisher unbesiegten Sparringspartnern wie Malik Scott und Deontay Wilder. Klitschko hingegen setzte größtenteils auf das gewohnte Team bestehend aus wm-erfahrenen Kämpfern wie Oba Afolabi und Fres Oquendo.

Klitschko gegen Adamek: beim WM-Boxen im Schwergewicht ist eine Überraschung möglich

Politdruck, Auswärtsstart, das Alter, das leichteste Kampfgewicht seit 1998 sowie ein unbequemer, unberechenbarer Herausforderer: gut möglich, dass sich der Weltmeister für eine freiwillige Titelverteidigung ein Stück zu viel zumutet und sich zumindest unbewusst etwas überschätzt. „Das ist schon ein riesiger Stress, den ich in der Ukraine habe", gab der ältere Klitschko-Bruder bei einer Pressekonferenz zu und weiter: „Das Leben ist ein Kampf. Man muss seine Ideen und Visionen verteidigen, und ich bin bereit dafür.“ Bleibt für die Fans des Ukrainers zu hoffen, dass der WBC-Weltmeister mental stark und altersbedingt noch fit genug ist, um seine Kämpfe sowohl im Boxring als auch auf der politischen Bühne zeitgleich zu bestreiten. Bekanntlich sind der Beruf Boxer und der Beruf Politiker „Full-Time-Jobs“. Diverse Beschäftigungen am Rande haben schon so manchen das Genick gebrochen und Karrieren „zerstört“. Man darf also gespannt sein, wie Vitali Klitschko die angespannte Situation meistert und ob Tomasz Adamek aus der Rolle des „Underdog“ dank Heimvorteil über sich hinauswachsen kann. Einschalten lohnt sich.

Nachlese zu Klitschko gegen Adamek

Von Alterserscheinungen und Stress keine Spur: Klitschko beherrschte einen tapferen, aber boxerisch unbedarften Adamek nach Belieben, der schwächer als erwartet auftrat. Am Ende siegte der Weltmeister vorzeitig durch technischen Knockout in Runde 10.

Quellen: Boxdatenbank "BoxRec" und Boxnachrichtenmagazin "BoxRec-News"

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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