
- Muster für eine Profi-Lizenz - M.T., Mustervorlage
Wie wird man eigentlich Boxer, speziell Profiboxer? Immer wieder stellen Boxfans, Boxinteressierte oder Boxsportler diese Frage. Denn Boxen übt seit Jahren eine starke Faszination aus, wird regelmäßig von Fernsehanstalten wie ARD, RTL oder Sat1 inszeniert und übertragen. Nicht zuletzt gab und gibt es viele erfolgreiche, gut verdienende Profiboxer in Deutschland. Man denke nur an Henry Maske, Sven Ottke, Felix Sturm, Arthur Abraham oder die Gebrüder Klitschko. Kein Wunder, dass besonders junge Boxtalente von einer Karriere als Berufsboxer träumen.
Als Profiboxer Geld verdienen - der Traum vieler Boxer
Bevor der Gong zur ersten Runde schlägt, sollte man sich keinen falschen Hoffnungen hingeben: nur die wenigsten Profifaustkämpfer verdienen genug, um von ihrem Beruf leben zu können. Für die meisten Berufsboxer ohne große Namen und Lobby ist das Kämpfen lediglich Nebenerwerb. Ein einfacher Professional kann schon für 150 Euro pro Kampf plus Spesen engagiert werden. Natürlich bleibt die Höhe der Kampfgage stets individuelle Verhandlungssache. Kriterien können sein: der eigene Marktwert, das Kampfniveau des Gegners, der Kampftermin (zum Beispiel bei einem kurzfristigen Einsatz ist ein höheres Honorar möglich), die Art der Veranstaltung (Kleinringveranstaltung oder TV-Boxevent) sowie die konkrete Boxansetzung (Aufbau- oder Titelkampf). Genug Geld verdienen aber nur die populärsten Profiboxer, die Champions und Weltmeister, deren Kämpfe im Fernsehen übertragen werden. Oder die Amateurboxer, die es als Sportsoldat in die Sportförderungsgruppe geschafft haben. Gemein haben sie allerdings alle etwas: die tägliche Schinderei im Boxtraining.
Boxen als Beruf ist harte Arbeit
Ring frei: Bevor Rocky Balboa diese Worte hörte, raste der Boxheld zunächst in einer legendären Filmszene die Treppenstufen zum Museum der Kunst in Philadelphia hinauf - gekrönt von der gen Himmel gereckten Faust als Symbol des ewigen Traums vom Streben nach Reichtum. Die Szene hat Symbolcharakter: Boxen ist hartes Training - vor allem Konditionstraining. Denn unter ständiger Anspannung im Ring zu stehen, hin und her zu tänzeln, Schlägen auszuweichen, selber Gerade und Haken anzubringen und die Deckung hochzuhalten, zehrt an den Kräften. Neben einer gehörigen Portion Glück und Gesundheit ist jede Menge Ausdauer erforderlich, um als Boxer nach oben zu kommen. Denn Boxer wird man nicht mal eben so. Es dauert Jahre, um den Faustkampf mit all seinen Finessen zu beherrschen. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis.
Profiboxer werden: die Amateurboxschule ist die Grundlage für die Berufsboxkarriere
Alle Boxexperten raten Anfängern, sich zuerst einen Amateurboxverein zu suchen. Ansprechpartner und Infoadressen gibt es auf der Internetpräsenz des Deutschen Boxverbandes (DBV). Bücher, Lehrvideos und der Sandsack im Keller reichen nicht aus. Um die richtige Boxtechnik zu trainieren, braucht man gutausgebildete, erfahrene Trainer. Die Praxis ist das A und O. Und die beginnt beim Schattenboxen am Spiegel und an den Boxgeräten. Auch Partnerübungen und Sparring stehen an: blocken, ducken, parieren, kontern etc. Erst wer über entsprechende Boxtechnik und ausreichend Kondition verfügt, sollte sich an einen richtigen Boxkampf wagen.
Zwar ist eine Amateurboxausbildung für eine Profiboxkarriere nicht zwingend vorgeschrieben, aber sie stellt ein solides Fundament dar, kann als Sprungbrett dienen. Amateurboxer sammeln viele Erfahrungen, bestreiten Wettkämpfe, knüpfen Kontakte. Besonders Kämpfer, die es zu Meisterehren und Ligaeinsätzen schaffen, erhöhen ihre Chance für das Profiboxen entdeckt zu werden. Gute Amateurboxer können mit Profis sparren, Vorverträge abschließen und bessere Vertragsbedingungen erhalten. Allerdings: Nicht immer ist alles Gold, was glänzt. Vor allem am Anfang einer Berufsboxkarriere müssen selbst erfolgreiche Amateurboxer finanzielle Abstriche und Risiken in Kauf nehmen. Manch einer hat als Amateur mehr Geld verdient als bei den Profis (einige Ligaboxer schaffen es immerhin auf Gagen von 500 Euro bis 2500 Euro pro Kampf).
Wie wird man Profiboxer ohne erfolgreiche Amateurboxkarriere?
Ebenfalls möglich: Profiboxer werden durch Vorboxen in Profiboxställen. So kamen selbst Amateurboxer mit verhältnismäßig geringer Amateurboxerfahrung in den Genuss gut dotierter Profiboxverträge. Durch Sparring machen und Vorboxen erhielt zum Beispiel Arthur Abraham von der Sauerland Event Boxpromotion einen Profivertrag. Ähnlich lief es bei Alexander Petkovic (Universum Box Promotion) oder Robert Stieglitz (SES Sport Events Steinforth Boxen) ab. Tipp: In einschlägigen Sportforen oder im Internet informieren, welche Profiboxställe es aktuell in Deutschland gibt, sich vorstellen und einen Termin für ein Probetraining ausmachen.
Von Beruf Boxer: die Lizenz zum Profiboxen
Ob Erfahrung als Amateurboxer oder nicht: Als Berufsboxer braucht es neben dem Nachweis der gesundheitlichen Einigung eine Boxlizenz. Die bekommt man schon mit Eintritt der vollen Geschäftsfähigkeit (in Deutschland mit 18 Jahren) ab 50 Euro inklusive Aufnahme- und Jahresgebühr vom Bund Deutscher Berufsboxer oder von der German Box Association. Nähere Informationen können Interessierte auf den Webseiten der beiden Berufsboxverbände finden. Nennt man eine Profiboxlizenz sein eigen, darf man sich bereits Profiboxer nennen. Geld verdienen lässt sich allerdings nur durch Beziehungen, Boxkämpfe oder als Sparringspartner für Hauptkämpfer. Letzteres bietet zudem den Vorteil noch einen Rahmenkampf als weitere Verdienstchance erhalten zu können. Es gilt also, sich als Boxer bekannt zu machen und Klinken zu putzen. Ohne Grundwissen sowie Promotor, Berater, Manager oder Sponsoren steht man auf verlorenem Posten, was den Aufbau eines Boxrekords angeht, der den Zugang für lukrative Kämpfe darstellt.
Geld verdienen als Berufsboxer
Der Boxrekord als Profi ist so etwas wie der Lebenslauf in einer Bewerbung. Er gibt Aufschluss über den Werdegang, das Können, die Qualifikation und die Vermarktungsfähigkeit. Ein guter Boxrekord sollte darum viele Siege enthalten, am besten über namhafte Kontrahenten mit guter Ranglistenposition. Die Umsetzung gestaltet sich in der Praxis allerdings sehr schwierig. Um einen gleichwertigen, aber schlagbaren Kontrahenten zu finden, braucht es Know-how und Bares. Der Gegner darf nicht zu stark, aber auch nicht zu schwach sein, soll außerdem sportlich auf die stetig wachsenden Aufgaben vorbereiten. Überdies gilt es bei der Gegnerauswahl die Ranglistenposition im Auge zu behalten. Denn das langfristige Ziel jedes Boxers ist es, bei den Berufsboxverbänden der WBA, WBC, IBF oder der WBO hochgerankte Ranglistenplätze zu ergattern, die einen irgendwann für Meisterschaftskämpfe oder Ausscheidungen empfehlen. Ohne einflussreiche Sponsoren, erfahrene Matchmaker und sorgfältiges Studium der Datenbank „BoxRec“ ist das für Laien fast ein Ding der Unmöglichkeit. Sich allein durch boxerisches Können und Leistungen nach oben zu boxen, schaffen nur die wenigsten Boxer.
Quellen und weitere Suite101-Artikel zum Thema
- Über Boxer, die als Verlierer Geld verdienen
- Boxen von A bis Z, Herbert Velte
- Benjamin Simon: eine etwas andere Boxkarriere
