
- Führhand als steife Gerade - BoxingPress
Die Führhand ist im Boxsport eine ansatzlos geschlagene Gerade. Sie wird direkt, ohne Umweg und ohne Ausholbewegung vom Kinn (aus der Grundstellung) geschlagen. Jede Führhand muss blitzartig ausgeführt werden. Das bedeutet eine sehr schnelle Ausführung mit dem sofortigen Zurückschnappen der Faust in die Grundstellung (Grundstellung: Schlaghand liegt in der Nähe des Kinns und die Führhand etwas seitlich versetzt davor, Beine stehen in Schrittstellung schulterbreit auseinander und das Gewicht ruht auf dem vorderen Bein).
Mit welcher Hand wird die Führhand geschlagen?
Als Führhand bezeichnet man die vordere Hand, für die beim Boxen die schwächere Hand gewählt wird (bei Rechtshändern ist das in der Regel die Linke und bei Linkshändern die Rechte). Die Führhand ist kein Knockoutschlag, sondern sie dient normalerweise dazu, den Gegner auf Distanz zu halten, Punkte bei den Punktrichtern zu sammeln, harte Wirkungstreffer und Kombinationen vorzubereiten oder den Gegner mit zunehmender Kampfdauer psychisch zu zermürben.
Wie wird eine Führhand richtig ausgeführt?
Bei der Grundausführung der Führhand werden Hüfte und Schultern in die Schlaghandrichtung eingedreht, während die Faust auf gerader Linie und direktem Weg nach vorne schnellt, besser noch: nach vorne peitscht. Beim Schlagen wird die Faust gekippt und am Ziel in die waagrechte Haltung gebracht. Die Schulter der Führhand wird hochgezogen und berührt während der Ausführung das Kinn, um ausreichend Schutz vor gegnerischen Attacken zu bieten. Gleichzeitig deckt die Schlaghand das Kinn auf der anderen Seite ab. Der Kopf und das Kinn zeigen beim Schlagen der Führhand nach unten in Richtung Brust. Der Arm der Führhand muss am Ende ausgestreckt sein. Sobald der Arm gestreckt ist, erfolgt dann das blitzschnelle Zurückziehen auf gleichem geraden direkten Weg.
Führhand als steife Gerade
Das Schlagen der Führhand als steife Gerade läuft größtenteils wie in der Grundausführung ab. Allerdings wird der Körper nicht eingedreht, um Schwung zu holen. Die Führhand wird einfach gerade herausgestoßen. Kurz vor Ende des Schlags wird die Faust eingedreht. Dadurch wird der peitschenartige Effekt erzielt, der einer Führhand mehr Wirkung verleiht. Die Beine bewegen sich meist in seitlicher Richtung nach rechts oder links. Es erfolgt kein Schritt nach vorne. Diese Variante wird dazu eingesetzt, den Gegner auf Distanz zu halten und Punkte zu sammeln. Boxer mit einer guten steifen Geraden sind oder waren Felix Sturm, Henry Maske sowie Sven Ottke.
Führhand als harter Stoß
Auch der harte Stoß erfolgt grundsätzlich so, wie in der Grundausführung beschrieben. Mit der Besonderheit, dass die Führhand über den Ellbogen kraftvoll nach vorn geschoben wird und der Schlag aus der reinen Streckbewegung des Armes herausgestoßen wird. Dabei verlagert man beim Angriff das Gewicht auf das „Bein der Führhand“, macht beim Schlagen mit dem vorderen Fuß gleichzeitig einen Schritt nach vorne und zieht das hintere Bein nach. In der Abwehr beziehungsweise beim Konter bewegt man beim Schlagen der Führhand dagegen das „Bein der Schlaghand“ zurück, verlagert das Gewicht auf den hinteren Fuß und schiebt das vordere Bein nach hinten nach. Die harte Führhand war unter anderem eine Spezialität von Dariusz Michalczewski.
Führhand als Jab von unten nach oben
Das Schlagen der Führhand als sogenannter Jab zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass man hier mit einer „hängenden Führhand“ agiert. Die Faust der Führhand hängt dabei in Höhe der Gürtellinie und der Schlag wird von unten nach oben ausgeführt. Trotzdem muss der Schlag schnell und direkt erfolgen. Diese Variante wird hauptsächlich von Konterboxern benutzt, die vor dem angreifenden Boxer tänzelnd zurückweichen. Allerdings ist der Jab auch flach auf dem Boden stehend möglich. In Amerika wird keine Unterscheidung getroffen und oft jede Führhand als Jab bezeichnet. In europäischen Boxschulen beschreibt man allerdings mit dem Ausdruck „Jab“ eher die typisch amerikanische Weise, wie eine Führhand von unten nach oben im Halbkreis geschlagen wird. Denn im Boxring machen vor allem die Amerikaner von dieser Art der Führhand Gebrauch. Boxer aus den USA mit einem ausgezeichneten Jab waren Roy Jones Junior, Sugar Ray Leonard, Muhammad Ali und Larry Holmes.
Führhand als gekippter Schlag von der Seite
Boxer der russischen, ukrainischen oder kasachischen Boxschule bringen die Führhand oft äußerst stark und mit sehr viel Kraft. Sie führen sie dabei nicht als direkte Gerade, sondern leicht eingedreht beziehungsweise gekippt aus dem festen Stand aus. Mit dieser Technik wird die Schlagkraft gesteigert, weil man mehr Gewicht hinter die Schläge legen kann. Bestes Beispiel: Wladimir und Vitali Klitschko.
Boxtaktik mit der Führhand – Insidertipp für Boxer
Der schnellste Schlag im Boxen ist übrigens die Führhand zum Körper. Daher ist es ratsam, diesen Schlag als Vorbereitung für einen harten Wirkungstreffer durch einen Haken oder als Einleitung für Serien und Kombinationen zu benutzen. Einfach und regelmäßig im Boxtraining für Zuhause üben oder beim Sparring im Verein ausprobieren.
