Bozhou ist eine – für chinesische Verhältnisse – kleine Stadt im zentralen Osten Chinas. Weitgehend unbekannt, vereint sie dennoch wesentliche Eckpunkte der chinesischer Kultur- und Gesellschaftsentwicklung.
Die kreisfreie Stadt Bozhou liegt im Nordwesten der Provinz Anhui und zählt ca. 450.000 Einwohner. Als Verwaltungszentrum verfügt es jedoch insgesamt über 5,9 Millionen Menschen aus dem Stadtbezirk Qiaocheng sowie den Kreisen Woyang, Mengcheng und Lixin.
Bedeutung in der Geschichte
Auf über 7.000 Jahre bewegte Geschichte kann diese Stadt zurückblicken. Als Hauptstadt von drei Dynastien konzentrierte sie die machtpolitische, philosophische und religiöse Elite in ihrer Mitte. Bereits 1600 v. Chr. wurde sie als Hauptstadt der ersten chinesischen Dynastie gebaut – der Shang-Dynastie. Um 550 v. Chr, also zur Zeit der Frühlings- und Herbstperiode, lebte Lao-tzu in der Stadt Bozhou. Er begründete den Taoismus mit seinem Werk „Tao Te Ching“, in dem er die Harmonie zwischen Natur und Menschen preist. In der Region um Bozhou siedelten zudem die Han-Chinesen. Zu Beginn des dritten Jahrhunderts errichteten sie von dort aus die Han-Dynastie, die auch als Blütezeit der chinesischen Kultur gilt. In dieser Zeit entwickelte in Bozhou Doktor Huatuo die Chinesische Medizin als ein Zusammenspiel aus Pflanzenheilkunde, Vorsorgebehandlungen und Akkupunktur und errichtete erste Behandlungsräume. Nach etwa zwanzig Jahren wurde die Han-Dynastie gewaltsam aufgelöst und das Land teilte sich in drei Reiche. Cao Cao, ein begabter General, Politiker und Dichter, einte den nördlichen Teil des untergegangenen Han-Reiches und begründete die Herrschaft der Familie Cao in seiner Heimatstadt Bozhou. Später änderte sein Sohn den Herrschaftsnamen in Wei, die als letzte Dynastie von Bozhou aus regieren sollte.
Ihre herausragende Bedeutung konnte Bozhou nicht bis in die Moderne bewahren. Dennoch zeugen allein 22 Sehenswürdigkeiten des Status staatliches und regionales Kulturerbe vom einstigen Glanz, darunter die Gräber der Familie Cao Cao.
Entwicklung in der Moderne
Heute ist Bozhou noch ein wichtiges Zentrum im Bereich der Medizin. Ein Zehntel der medizinischen Kräuter wird auf den Feldern um Bozhou angebaut und von 50 der führenden Pharmafirmen verarbeitet. Im größten Handelszentrum für Chinesische Medizin findet jährlich ein landesweiter Kongress statt. Außerdem ist die Stadt bekannt für die Produktion von chinesischem Weißwein. Um dem Wandel der Zeit zu folgen, konzentrieren sich lokale Politiker aber eher auf ökonomische Erfolge und investieren vermehrt in den Energiesektor und die Automobilindustrie.
Im Strudel der Zeit hat sich auch Bozhou verfangen. Konnte es einst die Entwicklung einer Gesellschaft mitgestalten, nimmt sie heute lediglich daran teil. Ein Schicksal, das sie mit vielen Städten Chinas verbindet.
