
- Dracula mit Bela Lugosi - Universal Studios (über Amazon.de)
Der folgende Artikel wird eine der bekanntesten offiziellen Verfilmungen dahingehend unter die Lupe nehmen, ob sie eine eher freie oder werkgetreue Interpretation ist und welche Unterschiede es zur Romanvorlage gibt. Dabei soll verständlich gemacht werden, wie der Film Grusel erzeugen will. Dabei handelt es sich um den Horrorfilmklassiker aus dem Jahr 1931 mit Bela Lugosi.
"Dracula" (USA 1931): Der Klassiker mit Bela Lugosi
Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch die Karpaten erreicht Renfield (Dwight Frye) Schloss Dracula, um den Verkauf der englischen Carfax Abbey an Graf Dracula (Bela Lugosi) zu finalisieren. Kaum ist Renfield angekommen, beginnt der Graf damit, ihn immer mehr in seinen Bann zu ziehen. Der hypnotische Einfluss Draculas sorgt schließlich dafür, dass Renfield zu seinem treuesten Gefolgsmann wird. Gemeinsam reisen Renfield und Dracula mit einer Fregatte nach England. Während der Fahrt verschwindet ein Crewmitglied nach dem anderen auf mysteriöse Art und Weise. Als das Schiff schließlich im Hafen einläuft, findet man von der Mannschaft nur noch den tot ans Steuerrad gebundenen Kapitän und den völlig wahnsinnig gewordenen Renfield. Dieser wird in das Sanatorium von Dr. Seward eingeliefert, wo er vor allem durch seine ständigen Ausbruchsversuche und seine Fixierung auf Blut ausfällt. Außerdem redet er ständig von seinem "Meister". Dracula wendet sich, nachdem er sie kennengelernt hat, Sewards Tochter Mina und deren Freundin Lucy Weston zu. Der mit Dr. Seward befreundete Spezialist Abraham van Helsing findet heraus, dass es sich bei Dracula um einen Vampir handeln muss. Gemeinsam mit Seward und John Harker, dem Verlobten von Mina, dringt er in die Carfax Abbey ein, um Graf Dracula zu töten und Mina von seinem Bann zu befreien.
Änderungen an der Buchvorlage von Bram Stoker
Hier muss zunächst einmal angemerkt werden, dass es sich bei diesem Klassiker um keine Buchverfilmung im eigentlichen Sinn handelt, sondern um eine des Theaterstückes von Hamilton Deane und John L. Balderston. Es war zwar eine größere Verfilmung des Buches geplant, allerdings musste man aufgrund der großen Depression budgetär etwas kürzer treten und so entschied man sich dafür, das Theaterstück gleich mit dem Hauptdarsteller Bela Lugosi zu verfilmen, der mit dem Film seinen großen Durchbruch schaffte.
Die größten Unterschiede zum Buch ergeben sich aus den Figurenkonstellationen. So ist es hier Renfield und nicht Harker, der zu Graf Dracula reist. Er nimmt außerdem, als am Ende von Gewissensbissen geplagter Handlanger Draculas, der sich gegen seinen Gebieter wendet und dabei ums Leben kommt, auch am Ende eine weitaus wichtigere Rolle ein als im Buch ein.
Außerdem ergeben sich aus den veränderten Verhältnissen der Figuren zueinander auch andere Motive für ihre Handlungen. So ist Dr. Seward hier nicht – wie in Stokers Vorlage – einer der Verehrer von Lucy, der ihre Tod rächen will. Als Minas Vater hat er natürlich einen gänzlich anderen Grund für sein Handeln (und ist außerdem auch wesentlich älter als im Buch).
Der sexuelle Aspekt, welcher sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, fehlt hier ebenfalls völlig. Das ging sogar so weit, dass Universal Studios damals eine Nachricht an Regisseur Tod Browning schickte, mit dem Inhalt, dass die Szene, in welcher Dracula Renfield zum Vampir macht, nicht gezeigt werden darf, da diese einen homosexuellen Subtext hat. Auch Draculas Dienerinnen werden, was das betrifft, völlig anders gezeigt.
Das größte Problem bei den Änderungen ergibt sich daraus, dass Harkers Rolle auf ein absolutes Minimum reduziert wurde. So wird im Film zu keiner Sekunde klar, wieso der Vampirfürst eigentlich hinter Mina her ist. So wird der Eindruck erweckt, dass Mina einfach nur das Pech hatte, ihm (Dracula) zur falschen Zeit über den Weg gelaufen zu sein.
Bela Lugosi als Dracula
Unter den Schauspielern ist es natürlich Bela Lugosi, der dem Zuschauer am meisten in Erinnerung bleibt. Sein Gesicht wird bis zum heutigen Tag immer noch mit Graf Dracula assoziiert. Lugosi bietet mit seinen theatralische Gesten und und dem gezielt übertriebenem Schauspiel eine sehr exaltierte Version des Vampirgrafen. Seine exzentrische Darstellungsweise würde in einem modernen Film zwar nicht mehr funktionieren, aber in einem Horrorfilm aus den 30er Jahren wie diesem, entwickelt sie eine ganz eigene Wirkungsweise. Es gelingt Lugosi sehr gut, dem Vampir durch sein Charisma ein faszinierendes Profil zu verleihen. Dies hat dazu geführt, dass Lugosis Interpretation auch heute noch der Maßstab ist, an dem sich alle späteren Darsteller des Grafen Dracula messen lassen müssen.
Der heimliche Hauptdarsteller des Filmes: Dwight Frye als Renfield
Renfield wird in dieser Verfilmung von Dwight Frye gespielt. Dieser nutzt den zusätzlich Raum, den er durch die Erweiterung der Rolle des Renfield für sein schauspielerisches Talent zur Verfügung hat, voll und ganz aus. Hier ist Renfield ein Zerrissener, der ein loyaler Diener seines Herrn sein möchte, dem aber schlussendlich sein Gewissen in die Quere kommt. Als er sich auf die Seite der Helden schlägt, bezahlt er diesen Verrat an seinen Gebieter mit dem Leben. Dwight Frye spielt diesen Charakter mit einer großen Überzeugungskraft. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Szene, in welcher im englischen Hafen die Luke zu der Fregatte geöffnet wird, die Renfield und Dracula nach England gebracht hat. Man sieht hier einfach nur ein völlig wahnsinnig grinsenden Renfield, dessen Lachen dafür sorgt, dass einem dabei kalte Schauer den Rücken hinunterjagen.
Der Gegenentwurf zu Bela Lugosi: Edward van Sloan als Abraham van Helsing
Edward van Sloans Darstellung des Abraham van Helsing ist wohl mit Absicht der absolute Gegenentwurf zu Lugosis Dracula. Van Sloan spielt den Wissenschaftler, der die Existenz von Vampiren nicht von vornherein ausschließen möchte, äußerst nüchtern, ohne dabei emotionslos zu wirken. Van Sloan lässt jeden überflüssige Geste weg und verstärkt dadurch den Eindruck des sich stets an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierenden Mannes.
Die Darsteller von Mina, John Harker und Lucy Weston (Helen Chandler, David Manners und Frances Dade) kann man bestenfalls als nicht relevant bezeichnen. Helen Chandler muss eine sehr klischeehafte "Jungfrau in Nöten"-Rolle spielen (dabei zieht sie sich aber halbwegs passabel aus der Affäre), Frances Dade hat als Lucy aufgrund ihrer eher kleinen Rolle nicht sehr viel zu tun und David Manners wirkt in seiner Darstellung des John Harker dermaßen unnatürlich steif, dass man glauben könnte, er wäre nicht einmal in der Lage, einen Stapel Bretter spielen, weil er dafür zu hölzern ist.
Hier finden sie Francis Ford Coppolas Dracula
