
- Hauptbahnhof in Berlin - Roman Lashkin
Die Bahn in Berlin ist ins Visier von Linksextremisten geraten. Immer neue Brandsätze werden an den Strecken der Deutschen Bahn gefunden und drohen den gesamten Bahnverkehr ins Chaos zu stürzen. Zehntausende Passagiere sind von Ausfällen und Verzögerungen betroffen, was die Bahn nun dazu veranlasst hat, eine Belohnung von 100.000 Euro zur Ergreifung der Täter auszusetzen.
Neue Brandsätze und Nachahmungstaten
Die Anschläge führen zudem nach einer Pressemeldung der Berliner Polizei vom 12. Oktober 2011 inzwischen nun auch noch zu Nachahmungstaten. Demnach wurden in der Straße "An der Ostbahn" drei Kanister mit einer brennbaren Flüssigkeit gefunden, "die dort auf dem Gehweg in Flüssigkeitslachen standen. Alle drei Kanister wurden dem Anschein nach zuvor in Brand gesetzt, erloschen jedoch von selbst... In diesem Fall wird momentan eher eine Nachahmungstat vermutet, da die Kanister in einer solch großen Entfernung zum Bahngelände abgestellt worden waren und daher eine Beeinflussung des Bahnverkehrs nicht möglich gewesen wäre."
Unterstützt werden die Ermittlungen der Berliner und Brandenburger Polizei inzwischen auch von der Bundespolizei, wie der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bestätigte. Als Hauptverdächtige gilt dabei eine Gruppe Linksradikaler, die nach den ersten Anschlägen zu Beginn der Woche in einem Bekennerschreiben die Verantwortung für die Taten übernahmen. Seitdem wurden an den Bahnstrecken in und um Berlin insgesamt 16 Brandsätze entdeckt, die mit den gleichen Tätern in Verbindung gebracht werden. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, wie ein Sprecher am 11. Oktober 2011 in Karlsruhe mitteilte.
Polizeigewerkschaft spricht von Linksterrorismus
Nun ist in ganz Deutschland eine Diskussion über die Täter entbrannt. Denn während der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, von einem beginnenden Linksterrorismus spricht, zieht der Präsident des niedersächsischen Verfassungsschutzes Hans-Werner Wargel gar "Parallelen zu den bis in die 1990er-Jahre aktiven Revolutionären Zellen". „Wir beobachten seit einiger Zeit, dass die Gewaltbereitschaft in der linksextremen Szene deutlich wächst“, äußerte er sich laut welt-online gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Kein Vergleich mit RAF
Eine Einschätzung, die SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz deutlich ablehnt. Es gehe zwar nicht darum, die gefährlichen Brandsätze zu verharmlosen. Ein Vergleich etwa mit der RAF verbiete sich aber. Bei aller berechtigten Empörung dürfe man den Verstand nicht ausschalten, äußerte sich dieser gegenüber der Süddeutschen Zeitung.
Auch Berlins Innensenator Erhart Körting warnte davor, die Brandanschläge auf die Bahn mit früherem Terrorismus zu vergleichen. Die aktuellen Aktionen seien zwar gefährlich, aber historisch mit früheren Terroraktionen nicht vergleichbar, erklärte er gegenüber dem rbb. Der Angriff auf die Bahn sei offensichtlich nicht von vielen Leuten organisiert worden, sondern von einer Kleingruppe, die keine Resonanz im linken Spektrum habe.
Ähnlich sieht das auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit: Es sei zwar ein "furchtbarer Zustand", wenn Menschen durch solche Anschläge gefährdet würden und die Verantwortlichen würden alles unternehmen, "um die Täter zu fassen". Von einem neuen Linksterrorismus geht er allerdings nicht aus.
Quellen: rbb-online, berlin.de/polizei/presse-fahndung, sueddeutsche.de, welt.de
