
- Brandon Sanderson: Der Weg der Könige - Heyne
Brandon Sanderson macht es den Lesern von „Der Weg der Könige“ zunächst nicht leicht. Gleich drei Einstiege wählt der amerikanische Fantasy-Autor für den Auftakt seiner Sturmlicht-Chroniken: Er beginnt mit einem Präludium zu den gesamten Chroniken, lässt dann einen Prolog zum Buch folgen, um dann die Handlung fünf Jahre nach den Ereignissen des Prologs beginnen zu lassen. Das macht es schwer, in die sturmumtoste Welt von Roschar hineinzufinden – zumal zwischen Kapitel 1 und 2 noch einmal ein Zeitsprung von acht Monaten mitzumachen ist, samt Perspektivwechsel. Denn plötzlich schildert Sanderson die Handlung aus Sicht von Kaladin, der im ersten Kapitel nach durch die Augen eines jungen Soldaten eingeführt worden war.
„Der Weg der Könige“ – der Krieger Dalinar will ihn gehen
Mit Kapitel 2 nimmt die Geschichte ab Seite 65 dann jedoch Fahrt auf. Wohltuend ist, dass die Personen im Mittelpunkt des Buchs – neben Kaladin ist es die junge Schallan – nicht zu den Mächtigen eines Reiches gehören, sondern selbst nur Räder im Getriebe sind. Sanderson nimmt sich ausführlich Zeit, die Charaktere und die Welt, in der sie leben, einzuführen, ehe er auf den großen Handlungsstrang zurückkehrt, in dem es um das Schicksal Roschars geht. Dafür führt Sanderson im zweiten Teil doch noch die Perspektive großer Krieger mit magischen Splitterklingen und mächtiger Politiker ein. Dalinar, Onkel des Königs von Alethkar, und sein Sohn Adolin bestimmen maßgeblich die Strategie des einflussreichen Königreichs in seinem Kampf gegen ein Barbarenvolk mit. Doch Dalinar hat Visionen, die auf eine große Bedrohung hinweisen, und aus dem einst mächtigen Krieger, wird ein nachdenklicher und vorsichtiger Mann, was seine Feinde am Hof zu nutzen wissen.
Brandon Sanderson legt den Grundstein für das Epos der Sturmlicht-Chroniken
Sanderson (geboren 1975) beweist in „Der Weg der Könige“ einmal mehr, dass er über ein gutes Sprachgefühl verfügt und durch anschauliche Beschreibungen und Bilder eine lebendige Welt erschaffen kann. Die Liebe für Details geht im Auftakt-Band der Sturmlicht-Chroniken sehr weit. Sie zeigt sich nicht nur im Text, sondern auch in den gut ein Dutzend Zeichnungen und Karten im Buch. Leider verliert sich Sanderson jedoch ein wenig in den Einzelheiten, erzählt lang und breit die Vergangenheit von Kaladin, deren Folgen und Wendungen sich aufmerksame Leser aber längst erschlossen haben. Was dem Charakter Tiefe geben soll, verlängert die Geschichte unnötig. Insgesamt beweist Sanderson mit „Der Weg der Könige“ jedoch zum wiederholten Male, dass auch Vielschreiber die Qualität ihrer Texte hochhalten können.
Die Fortsetzung der Sturmlicht-Chroniken folgt mit „Der Pfad der Winde“
Brandon Sanderson, der nach dem Tod von Robert Jordan „Das Rad der Zeit“ fortsetzen durfte, will sich mit den Sturmlicht-Chroniken seine eigene große Reihe schaffen. Nach eigenen Angaben hat er bereits seit mehr als zehn Jahren am Beginn der gearbeitet und 2003 den ersten Entwurf von „Der Weg der Könige“ fertiggestellt. Doch erst nach seinen Erfolgen mit den „Kindern des Nebels“ und „Sturmklänge“ trieb Sanderson eine Veröffentlichung voran. Die Sturmlicht-Chroniken ermöglichen es ihm, seinen Hang zum Epischen auszuleben. Die Chroniken werden jedoch nicht nur mehrere Bände umfassen, sondern jedes Buch wird in sich sehr umfangreich sein. Das hat dazu geführt, dass der Heyne-Verlag aus einem Originalband zwei deutsche machen wird – ähnlich wie die Hobbitpresse von Klett-Cotta bei der Königmörder-Chronik von Patrick Rothfuss. Wenigstens mussten die Fans beim „Weg der Könige“ nicht lange auf die Fortsetzung warten. Im August istbereits „Der Pfad der Winde“ erschienen. Das 784-Seiten-Werk wurde ebenfalls von Michael Siefener übersetzt.
Brandon Sanderson: Der Weg der Könige. Die Sturmlicht-Chroniken 1. Heyne 2011. Gebundene Ausgabe, 896 Seiten, Euro 21,99 (Österreich 22,70).
