
- Manfred Bettinger und Horst Arenthold - Maike Kollenrott
In Lünkenhagen brennen während eines nächtlichen Gewitters gleich zwei Häuser ab: das der Witwe Facklamm und das Haus des Herrn Pastor Brand. Der Pastor kann sich vor Hilfsangeboten kaum retten. Schließlich ist er der "Freund vom lieben Gott". An die Witwe Facklam oder das schwere Los polnischer Hilfsarbeiter denkt kaum jemand. Doch schon nach nur wenigen Tagen schafft es Pastor Brand, nicht nur seinen Schaden, sondern auch den der Witwe Facklamm, dank der Lünkenhagener vollzu ersetzen. Und nicht nur das: Auch die polnischen Hilfsarbeiter bekommen einen Großteil vom Kuchen ab.
Stimmige Inszenierung in gelungenem Bühnenbild
Regisseur Michael Koch ist eine rundum stimmige Inszenierung gelungen, für die Katrin Reimers wieder einmal ein entzückendes Bühnenbild geschaffen hat. Einen alten heruntergekommenen Dachboden mit Möbeln, die schon bessere Zeiten gesehen haben und zunächst unordentlich übereinander gestapelt sind. Lediglich ein paar Spinnenweben hätten noch gefehlt. Manfred Bettinger spielt den Pastor Brand humovoll, spitzbübisch und mit viel viel Herz. Hinreißend komisch gibt Heidi Mahler die Witwe Facklamm. Polterig ist sie, ehrlich, direkt und fordernd. Es ist eine Freude, Mahlers Spiel zuzusehen.
Runde Ensemble-Leistung
Wolfgang Sommer als Bürgermeister von Lünkenhagen schleicht sich hinreißend jovial und selbstgefällig an den Bürgermeister Brand heran. Man möchte sich schließlich nur von seiner besten Seite zeigen. Lediglich, die Polaken als polnische Hilfsarbeiter bezeichnen zu müssen, das fällt ihm schon schwer. Zu schön ist es, wenn er sich mit Horst Arenthold alias Bürgermeister Tiedke darum streitet, wessen Ortschaft dem Pastor Brand den nun mehr hilft. Eileen Weidel spielt das Lieschen naiv, nett, mit vielen Tränen und gezuckert wie diese Rollen der jungen Mädchen nuneinmal so oft sind. Lediglich Christian Richard Bauer als Witwen-Sohn Jan fällt gegen seine Kollegen etwas ab, wirkt unnatürlich und aufgesetzt.
Abschied und Neuanfang für das Ohnsorg-Theater
Brandstiftung ist das letzte Stück, das das Ohnsorg Theater in seinem alten Haus in den Großen Bleichen spielt. Viele Zuschauer können sich noch nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn es das "gute alte Ohnsorg Theater" nicht mehr gibt. Aber der Abschied aus den alten Räumen heißt auch Neubeginn. Am 28. August hebt sich der Vorhang im Bieberhaus für "En Sommernachtsdrom". Und darauf freuen sich die Ohnsorgler schon sehr. "Neue Räume bedeuten ja auch neue Möglichkeiten", meint Schauspielerin Beate Kiupel (seit immerhin 20 Jahren Ensemble-Mitglied), "insofern kann ich die kleine Träne, die da mitschwingt ganz gut und schnell wieder wegdrücken. Ich freue mich schon auf die neuen Räume und bis sehr gespannt, wie alles wird".
