Brasilien im Kurzportrait

Tukan des Pantanal - Lou Avers
Tukan des Pantanal - Lou Avers
Hintergründe und Infos zum Austragungsland der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016.

Brasilien wird in den kommenden fünf Jahren zwei der wichtigsten internationalen Sport-Events austragen. Das größte Land Südamerikas ist den meisten unter den üblichen Klischees bekannt: Fußball, schöne Frauen, Strand und Karneval. Daran ist die Werbestrategie des Landes nicht ganz unschuldig, strapaziert man doch dieses einseitige Image selbst bis zum Exzess. Es stimmt: Brasilianer sind fußballverrückt, es gibt sehr viele schöne Frauen (und auch Männer), der Karneval wird leidenschaftlich gefeiert und die brasilianische Küste birgt einige der schönsten Strände der Welt. Doch das ist nicht alles. Denn gerade Brasilien zeichnet sich durch Vielfalt und vor allem Gegensätze aus. Bei einer Landesfläche 24 mal größer als Deutschland und knapp 200 Millionen Einwohnern, kann man sich vorstellen, dass es viele Unterschiede gibt.

Brasilien im Überblick

Brasilien ist seit 1822 ein eigenständiges Land. Der portugiesische Königssohn Dom Pedro VI. löste sich in einer Unabhängigkeitserklärung ohne jegliches Blutvergießen vom portugiesischen Mutterland ab und erklärte sich zum Kaiser Dom Pedro I. Seither ist Brasilien das einzige Portugiesisch sprechende Land Lateinamerikas. Seit 1891 ist Brasilien eine Präsidiale Bundesrepublik. Heutige Staatspräsidentin ist die 2010 gewählte Dilma Rousseff, die den populären Arbeiterpräsidenten und Parteikollegen Luís Inácio Lula da Silva beerbte. Hauptstadt und Regierungssitz ist das von Oscar Niemayer designte futuristische Brasilia.

Brasilien hat heute circa 196 Millionen Einwohner (letzte Volkszählung 2010). Das heißt bei einer Fläche von 8.514.215 Quadratkilometern kommen nur 22 Einwohner auf einen Quadratkilometer Land. Das Land hat mehrere Klima- und drei Zeitzonen, vom tropischen Regenwald bis subtropischen Regionen und teilweise kontinentalem Klima ist alles zu finden. Während es im Norden und Nordosten ganzjährig warm und schwül ist, im Zentrum gleichzeitig Trockenperioden herrschen, kann es in den südlichen Bundesstaaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul empfindlich kalt werden und auch mal schneien.

Kulturenmix Brasilien

So unterschiedlich wie seine Landschaften sind die Menschen in Brasilien. Die Vermischung der diversen Ethnien im Laufe der 511jährigen Geschichte hat ein kulturelles und genetisches Allerlei hervorgebracht. Die Ausgangsgruppen waren portugiesische Kolonialeinwanderer, die von ihnen eingeschleppten und versklavten Afrikaner, Einwanderer aus Europa (Deutschland, Italien, Polen, Ukraine), Asien (Japan, Korea), dem Nahen Osten (Libanon, Syrien) und den indigenen Volksgruppen der Tupi- und Guarani-Indianer, innerhalb derer es mehr als 200 verschiedene ethnische Stämme gibt. Dementsprechend bunt ist auch das Aussehen der Brasilianer, es gibt alle möglichen Nuancen an Haut- und Haarfarben. So kann man ebenso auf einen dunkelhäutigen Brasilianer mit blauen Augen wie auf eine Weiße mit Afrolocken treffen. Alles ist möglich und das ist es, was die Faszination des Landes ausmacht. Die Vielfalt der Gene brachte viele schöne und kreative Menschen hervor.

Vielfalt und Gegensatz

In Brasilien findet man vom fern jeglicher Zivilisation lebenden Amazonas-Indio bis zum High-Tech-Manager in São Paulo alles. Unberührte Natur, einzigartige Artenvielfalt und gleichzeitig Mega-Citys mit über 20 Millionen Einwohnern. Superlativen wie den längsten Fluss der Erde (Amazonas), das größte Waldgebiet der Erde (ebenso Amazonas, trotz Umweltproblemen der Abholzung), das größte Wasserkraftwerk der Erde (Itaipu), die größten Wasserfälle (Iguaçu-Fälle), das größte Schwemmlandgebiet der Welt (Pantanal) et cetera finden sich im ganzen Land verteilt. Dazu gehören auch die mit am stärksten Gegensätze in der Welt. Bettelarm und superreich liegen sehr eng beieinander, auch wenn die Mittelschicht in den letzten Jahren unter der Amtszeit von Lula da Silva anstieg.

Brasilien als Wirtschaftsmacht

Brasilien ist heute die siebtgrößte Wirtschaftspotenz der Welt und Experten rechnen damit, dass es spätestens 2015 zu den fünftgrößten Volkswirtschaften gehören wird. Es ist flächenmässig und von der Einwohnerzahl her das fünftgrösßte Land der Erde. Ein enormer Konsumentenmarkt. Zudem ist die demographische Situation mit einer sehr jungen Bevölkerung im Vergleich zum alternden Europa zukunftsweisend. Das Land ist energiepolitisch und allein aufgrund seiner Bodenschätze, Öl- und Erdgasvorkommen weitgehend autonom. Als aufstrebende Industrie- und Technologiewirtschaft, hat es gute Chancen, endgültig aus der Reihe der Schwellenländer aufzusteigen.

Fußball-WM 2014 und Sommer-Olympiade 2016

Zum wirtschaftlichen Aufschwung beitragen sollen auch die beiden Sportgroßereignisse, die Brasilien organisieren wird. Für die FIFA Fußball-WM vom 13.Juni bis 13. Juli 2014 und die 31. Olympischen Sommerspiele vom 5. bis 21. August 2016 investiert das Land riesige Summen in Infrastrukturen rund um die Austragungsorte. Allein Rio de Janeiro soll weitgehend modernisiert und runderneuert werden. Die Tourismusbranche erhofft sich enorme Zuwächse durch diese beiden Events. Die Erwartungen und Zuversicht sind dementsprechend riesengroß.

Kriminalität – Brasiliens unschöner Wermutstropfen

Ein Punkt bereitet den Verantwortlichen dennoch Kopfzerbrechen. Die hohe Kriminalitätsrate ist stets die Achillesferse des Landes gewesen und auch im Jahr 2011 sieht es nicht gut aus in den Statistiken. Im Schnitt sterben in Brasilien jährlich mehr als 55.000 Menschen durch Mord oder Totschlag. Das sind laut einer Statistik aus dem Jahr 2005 mehr als 150 Tötungsdelikte am Tag, womit Brasilien über dem weltweiten Durchschnitt liegt. Ein wunder Punkt im Land, das tatsächlich ein wahres Paradies auf Erden sein könnte. Die Brasilianer scheinen sich an diesen Zustand gewöhnt zu haben, denn sie nehmen den Ernst der Lage kaum mehr wahr. Vielmehr akzeptiert man die Kriminalität als Normalzustand. Diese Passivität der Bevölkerung ist das eigentliche Problem. Die Regierung hat zumindest versprochen, der organisierten Kriminalität den Kampf anzusagen. Wenn Brasilien diesen Krieg gewinnt, dann hat es die besten Chancen, nicht nur zur WM und Olympiade ein zukunftsweisendes Land zu werden.

Quellen:

  • Kulturschock Brasilien, Carl D. Goerdeler, Reise-Know-How Verlag, ISBN 978-3-8317-1644-9
  • Brasilienportal
Silvia E. Baumann, Lou Avers

Silvia Baumann - Herzlich Willkommen auf meiner Profil-Seite! Seit 18 Jahren nimmt mich meine Leidenschaft - das Reisen - voll und ganz in Anspruch. Als ...

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