Brauchen E-Books eine eigene ISBN?

Wer schreibt, will gelesen werden - Wilhelm Ruprecht Frieling
Wer schreibt, will gelesen werden - Wilhelm Ruprecht Frieling
Die ISBN ist das zentrale Organisationsmittel im Handel mit gedruckten Büchern. Doch wie steht es mit dem Buch der Zukunft, dem E-Book?

Die Internationale Standard-Buch-Nummer (ISBN) wird als kurze und einfache Kennung in mehr als 160 Ländern verwendet. Ohne ISBN läuft im Buchhandel weltweit überhaupt nichts. Die ISBN dient dazu, ein Buch von jedem Interessenten rund um den Globus bestellbar zu machen. Das Nummernsystem hat sich weltweit als Standard etabliert. Mittels einer ISBN kann der Titel zusätzlich über das Verzeichnis Lieferbarer Bücher angezeigt, direkt gedruckt sowie Ausgaben eines Titels in den verschiedenen Katalogen zusammengeführt werden.

Die Struktur der ISBN

Eine ISBN besteht seit dem 1. Januar 2007 aus 13 Ziffern in fünf Gruppen („ISBN-13“ genannt). Davor waren es zehn Ziffern („ISBN-10“). So verbirgt sich etwa unter ISBN 978-3-941286-68-9 das Buch „Der Bücherprinz“. Die ersten drei Ziffern stehen für die Warengruppe „Buch“. Die „3“ wird für Werke im deutschsprachigen Raum vergeben. Der dritte Ziffernblock steht für den jeweiligen Verlag. Die vierte Gruppe beziffert die Titelnummer der Verlagsproduktion. Die letzte Ziffer ist eine Prüfziffer, die mit einem mathematischen Algorithmus errechnet wird.

E-Books benötigen eigentlich keine zusätzliche ISBN. Es existiert auch keine Rechtsvorschrift, die eine ISBN für E-Books vorschreibt. Über das Internet lassen sich Bücher anhand des Titels relativ leicht finden, und im Falle von Amazon ist jedes Buch, dessen Titel oder Autor bekannt ist, bestellbar. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Denn auch die meisten E-Book-Stores, etwa Apples iBook-Store, verlangen eine ISBN für die Bereitstellung des jeweiligen Titels.

Voraussetzungen für eine E-Book-ISBN

Folgende Voraussetzungen für die Vergabe einer ISBN für ein E-Book bestehen seitens der ISBN-Agentur:

  • Das E-Book enthält Text.
  • Das E-Book ist der Öffentlichkeit zugänglich.
  • Das E-Book ist keine periodische Publikation.

E-Books mit ISBN dürfen auch Bilder und Ton enthalten; verlinktes Material (etwa Hypertext) kann dann unter derselben Buchnummer laufen, wenn das Material Bestandteil der Publikation ist. Keinesfalls darf die ISBN des E-Books identisch mit jener der Printausgabe sein. Das gilt auch bei identischer Titelei und Inhalt. Verschiedene Formate von elektronischen Publikationen werden als eigene Produktformen angesehen und benötigen daher eigene ISBN, wenn jedes Format separat erhältlich ist.

Die Kosten der ISBN

ISBN-Nummernkreise werden gegen Gebühr von der zuständigen ISBN-Agentur vergeben. Der Verleger erklärt gegenüber der Agentur seine Teilnahme und beantragt dort die gewünschte Menge an ISBN, die er anschließend selbst für die von ihm verlegten Titel nutzt. Der Dienst ist kostenpflichtig. Über die ISBN ist dann auch die Aufnahme in verschiedene Kataloge wie das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) möglich. Dadurch entstehen weitere Kosten.

ISBN können von Verlagen aber auch von Einzelpersonen beantragt werden. Eine Firmengründung ist dazu nicht notwendig. Antragsberechtigt ist stets derjenige, der für die Entstehung beziehungsweise Produktion der Publikation verantwortlich ist.

Bei der Erteilung einer Verlagsnummer hat der Verlag eine Grundgebühr für die ISBN-Vergabe von 153,51 Euro plus Versandkosten zu zahlen und eine Liste aller von ihm gewünschten ISBN zu beziehen. Der Preis dafür liegt zwischen 22,61 Euro (für minimal zehn Nummern) und 3.568,81 Euro (für 100.000 Nummern). Für jedes Buch, das per elektronischer Titelmeldung in das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) aufgenommen wird, sind 4,05 Euro pro Jahr, mindestens jedoch gesamt 94,01 Euro pro Jahr zu zahlen. Die Zuteilung einer einzelnen ISBN für (Selbst-)Verleger mit absehbar einmaliger Verlagsproduktion kostet 79,08 Euro.

Sonderfall Amazon: Das ASIN-System

Amazon, der weltgrößte Händler von gedruckten und elektronischen Büchern, nutzt zur Verwaltung von E-Books und anderen Produkten ein eigenes Nummernsystem, Amazon Standard Identification Number (ASIN) genannt. Allerdings stellt die ASIN im Gegensatz zur ISBN keinen internationalen Standard dar, die Ziffer funktioniert bislang bei Büchern nur im Rahmen des Kindle-Shops und kann darüber hinaus bislang nicht verwendet werden.

Jedes E-Book, das auf einer Amazon-Website angeboten wird, erhält eine eigene, unverwechselbare ASIN. Die ASIN kann auf der jeweiligen Produktseite des Artikels eingesehen werden. Auch die Web-Adresse jedes Produkts im Katalog von Amazon enthält die ASIN. Mittels der ASIN lässt sich deshalb eine URL ohne großen Aufwand bilden und das jeweilige E-Book direkt aufrufen. Das oben erwähnte Beispiel-E-Book „Der Bücherprinz“ hat von Amazon die ASIN B00513U4A2 erhalten. Um die URL zu bilden, wird der Basis-Link „http://amazon.de/dp/…“ um diese ASIN ergänzt. Das ergibt im Beispielsfall die URL http://www.amazon.de/dp/B00513U4A2. Damit gelangt man direkt zur Buchseite.

Die ASIN kann übrigens ebenso wie die ISBN direkt in das Suchfeld von Google eingegeben werden und führt zum Buch. Unabhängig von der automatisch vergebenen Amazon-ASIN ist es aus verlegerischer Sicht sinnvoll, jedem E-Book eine eigene ISBN zu verleihen, um damit eine noch weitere Verbreitung zu ermöglichen.

Dieser Beitrag ist ein Vorabdruck aus der erweiterten und vollständig überarbeiteten 3. Auflage des E-Books "Wie veröffentliche ich ein Buch auf amazon.de? Oder: Kindle für Autoren" des Verfassers.

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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