"Frühenglisch an der Primarschule überfordert Kinder." Kann man eine solche Aussage machen, ohne dass man auf sie eingehen muss? Haben Politiker, Laien oder überforderte Lehrpersonen das Recht, sich eine eigene Meinung zu bilden oder sollen wir mehr auf die Erfahrungen der Kinder aus ihrem Schulalltag hören?
Frühenglisch wird immer kontrovers diskutiert. Wie bei vielen öffentlichen Debatten gibt es zwei Lager: inkompetente Fachleute und halbschlaue Besserwisser. So sieht es meistens das kluge Volk, welches doch meistens in der goldenen Mitte die Oberhand behält. Es lohnt sich auf jeden Fall, Argumente von beiden Seiten anzuhören.
Vieles Spricht dafür – vieles dagegen
Einschlägige Argumente gegen das Frühenglisch kann man ohne Studien oder Erfahrungswerte nachvollziehen: Es fällt im teilweise ohnehin schon überfüllten Stundenplan der Kinder eine zusätzliche zeitliche Belastung an. Nebst der zeitlichen Mehrbelastung soll auch eine kognitive, also mentale, Überforderung stattfinden. Im Englischunterricht auf der Primarstufe wird mehrheitlich gespielt, so könne nicht richtig und effizient gelernt werden.
Diesen kritischen Stimmen begegnen im Folgenden Meinungen, welche dem Frühenglischunterricht positiver gesinnt sind. So hat es durchaus Sinn, eine Sprache spielerisch kennenzulernen, da auf diese Weise viele angenehme Emotionen mit eben der zu erlernenden Sprache assoziiert werden. Das kindliche Gehirn ist, das konnten Studien belegen, äußerst lernfähig, auch was das Erlernen einer Sprache angeht. Schließlich ist ein weiteres, im Grunde genommen gut nachvollziehbares Argument, die Freude, welche Kinder am Erforschen und Entdecken mitbringen.
Wer darf sich dazu eine Meinung bilden?
Stellen wir diese Argumente nun einander gegenüber, wird sicher klar, dass Kinder auf keinen Fall überfordert werden dürfen, weder kognitiv, noch zeitlich. Man kann auch von einer dosierten Überforderung sprechen, will man kindsgerechten Englischunterricht betreiben, also herausfordernd, aber nicht überfordernd. Hierbei müssen schulpolitische Voraussetzungen geschaffen werden, ebenso wie ein nichtverkrampfter Umgang mit der Sprache im Klassenzimmer. Ein großer Vorteil für Lehrpersonen besteht sicher darin, dass Kinder Motivation und Freude am Erlernen einer Sprache mitbringen. Entscheidend ist grundsätzlich, diese optimalen Voraussetzungen durch Überforderung und nicht adäquatem Unterricht zu zerstören.
Viel zu häufig nehmen wir Erwachsene uns das Recht, für Kinder zu entscheiden, in der Annahme zu wissen, was gut für sie sei. Wir dürfen durchaus unserer Zukunft von morgen etwas mehr Entscheidungsfreiraum schenken, indem wir auch ihre Meinung miteinfließen lassen. Denn letztendlich die Schulbank drücken, dürfen oder müssen – je nach Perspektive – weder Fachleute noch Laien, sondern die Kinder selbst. Denn Kinder sind viel zu ehrlich, um Argumente vordergründig auf wirtschaftlicher oder bildungspolitischer Basis zu begründen.
Quellen: eigene Recherche
