
- Hachez - Braune Blätter - Hachez
Die Oma schenkt sie ihrem Enkel, die Enkelin der Oma, der Kollege der Kollegin oder einem Geschäftspartner; sie sind beliebtes Mitbringsel und Urlaubsandenken, repräsentatives Geschenk an Gäste der Stadt Bremen: die Braunen Blätter und natürlich auch andere Produkte von Hachez, alteingesessener Schokoladenfabrik in der Hansestadt.
88. Geburtstag der Braunen Blätter
Schimon Perez tut es, ebenso der Kinderbuchautor Otfried Preußler – beide feiern im Jahr 2011 ihren 88. Geburtstag. Und es gibt in diesem Jahr ein weiteres zartschmelzendes Jubiläum: auch die Braunen Blätter von Hachez sind seit 88 Jahren auf der Welt. Und gewiss werden sie noch weiter verweilen – im Gegensatz zu beispielsweise Lucian Freud, Enkel von Sigmund Freud, der nur 88 Jahre alt wurde, ebenso wie Charlie Chaplin.
Ja, Zahlen sprechen, und die 88 ist solch eine sprechende Zahl – und fordert dazu auf, sich einmal mit der Geschichte des beliebten Blättergeschenkes zu befassen. Und die geht so: Anno 1923 spazierte der damalige Firmeninhaber Otto Hasse an einem sonnigen Herbsttag durch die Natur und ward vom fallenden bunten Herbstlaub inspiriert, das tänzelnd und filigran von den Bäumen fiel. Dies war die Geburtsstunde der Braunen Blätter, zumindest die ihrer Idee.
Filigranes fallendes Herbstlaub in "Chocolade"
Das Auge isst mit – das nahm man sich bei Hachez zu Herzen. Natürlich ließe sich Schokolade auch zu "ordinären" rechteckigen dünnen Plättchen pressen, doch bei den Braunen Blättern wird Wert aufs Detail und auf die Optik gelegt: Die Blätter sind recht naturgetreu und detailverliebt nachgebildet, auch wird Wert darauf gelegt, dass beim Öffnen der Schachtel alle Blattoberseiten dem Betrachter zugewandt sind. Das kakaohaltige Herbstlaub ist das älteste und bekannteste Produkt aus dem Hause Hachez. "Tradition und Moderne" vereinen sich im Blätterwald, so der heutige Inhaber der Firma, Hasso G. Nauck.
Im Laufe der Jahre haben sich die Verpackungen der Braunen Blätter gewandelt, doch nicht so sehr, dass die Zeitläufte daran zweifelsfrei zu erkennen wären. 1954 prangte der Bremer Schlüssel noch prominent auf dem Blätterkarton, später wurde er kleiner und dezenter – das Produkt selbst trat mehr in den Vordergrund. Heute gibt es sie in Pappschachteln wie in Metalldosen, in sechs Sorten: Edel-Vollmilch, Edel-Bitter, Edel-Vollmilch mit Orange-Krokant, Cocoa d'Arriba Classic, Cocoa d'Arriba Orange und Cocoa de Maracaibo.
Herstellung der Braunen Blätter von Hachez
Alle Arbeitsschritte finden nach wie vor unter einem Dach, im Hause der Chocolade-Manufaktur statt. 100 Stunden dauert es nach Angaben des Herstellers von der Kakaobohne zum Braunen Blatt. Zunächst werden die Kakaobohnen geröstet, unter der fachkundigen Aufsicht der Röstmeister, dann geht es ab in den Granit-Melangeur. Hier wird der Kakao kräftig gewalzt und mit anderen Zutaten vermengt. Anschließend wird gerührt, "conchiert", ganze 72 Stunden lang, damit sich der Geschmack voll entfalten kann. Erfunden wurde das Conchieren allerdings nicht bei Hachez, sondern vom Schweizer Schokoladenfabrikanten Rodolphe Lindt.
Hachez – die Schokoladenseite Bremens
Über 120 Jahre ist die Chocolade-Manufaktur in Bremen schon alt – sie wurde 1890 von dem belgischen Chocolatier Joseph Emile Hachez gegründet. Am 3. Dezember 2011 geht eine Art Außenstelle in Hamburg an den Start: das Chocoversum. Die Schreibweise "Chocolade" wurde von ihm geprägt – eine Mischung aus deutscher "Schokolade" und französischer "Chocolat". Tradition wird bis heute hochgehalten im Hause Hachez, moderne Technik soll allenfalls eine Ergänzung sein zu handwerklicher Arbeit. "Die Verarbeitung und Veredelung erlesener Kakaosorten zu Luxus-Chocoladen und -Pralinés" sieht Hachez als seine Verpflichtung an.
Hachez – das sind eher hochpreisige Schokoladen, die unter anderem auch genau deshalb so beliebt als Geschenk sind. Aber auch wegen der Verpackungen: Metalldosen, in denen später ganz andere Dinge aufbewahrt werden können, und Motive, die sich für viele Gelegenheiten und als Andenken an Bremen eignen: Rote Rosen, die Bremer Stadtmusikanten und andere Märchenmotive. Und den Anschluss an die Moderne hat Hachez nicht verpasst – natürlich gibt es auch hier die heute so beliebten sehr dunklen Schokoladen, kleine Täfelchen, die sich für den Adventskalender eignen, so genannte Longs als edle Beigabe zu einer Kaffeespezialität wie Kopi Luwak oder Caffè latte. Selbstverständlich geht auch Kakao oder Tee.
Cupcakes mit Hachez-Talern oder: Vom Image einer Chocoladen-Manufaktur
Ebenfalls schwer beliebt sind heute die Cupcakes – bunte Törtchen, und auf ihrer Internetseite veröffentlicht die Chocolade-Manufaktur Cupcake-Rezepte mit Hachez-Talern. Tradition und Moderne. Wie nun das edle Image der Bremer Firma zu den Schilderungen einer ehemaligen Aushilfe passt, die berichtet, die Arbeit sei so langweilig gewesen, dass sie und ihre Kollegen Fingerlinge (Hygieneschutz für die Finger) in Pralinen versenkt hätten, sei einmal dahingestellt. Fakt ist: In die filigranen Blätter passt kein solcher Fremdkörper hinein – und würde gewiss nicht die Qualitätskontrolle überdauern.
Quellen und weiterführende Informationen:
Hachez Bremer Chocolade Manufaktur
Pressemitteilungen Hachez
Welt Online: "Bitte, was ist eigentlich Conchieren?"
