Natürlich interessieren die neuen Trends nicht nur Modejournalisten. Was im nächsten Sommer getragen wird, wollen vor allem auch die Händler wissen. Deshalb treffen sich beide internationalen Gruppen auf der Bread & Butter Berlin (BBB) im Flughafen Tempelhof. Einer von ihnen ist Stefan Petry, der in seiner Heimatstadt Koblenz und Umgebung mehrere Läden besitzt. In den einzelnen Filialen werden jeweils die Zielgruppen "Teenager & Jugendliche" (Freestyle), "12 bis 50jährige" (Perplex und Roots) sowie "Kunden für hochpreisige und edlere Produkte" (World) angesprochen.

Die Bread & Butter Berlin im Sommer 2012: 120 neue Marken, dafür fehlen einige Dinos

Für drei Tage fliegt Stefan alle sechs Monate nach Berlin, um sich an zwei Tagen auf der Modemesse und an einem weiteren in einzelnen Geschäften inspirieren zu lassen. Die Bread & Butter ist jetzt 11 Jahre alt, 27 Shows gab es bereits - phasenweise sogar in Barcelona. Inzwischen ist ihr Initiator und Veranstalter Karl-Heinz Müller jedoch sehr glücklich mit der Airport-Location. In sämtlichen Hangars gibt es zwölf Unterthemen wie Street Fashion, D.O.C.K., Urban Superior Men/Women oder L.O.C.K. beziehungsweise Sport & Street. Darüber hinaus im Außenbereich 2012 neben dem Luna Park erstmals auch den Tempel of Denim. Hier stellen 27 Brands aus, die besonders neue und frische Akzente setzen sollen. Insgesamt sind es diesmal sogar 120 neue Marken, die auf der BBB präsentieren. Was Karl-Heinz Müller mit den Worten "unsere Messe ist besser als mit den alten Dinosauriern" kommentiert, empfindet der Geschäftsmann aus Koblenz jedoch ein bisschen anders: "Schade fand ich auch, dass die großen Denim Labels außer G-star nicht da waren. Das macht die Budgetplanung schwer, denn Replay, Diesel und Levis spielen schon einige wichtige Rolle in unseren Läden und daher wäre es schon schön, deren Kollektion vor der Orderrunde zu sehen."

Der Markt ist hart: "Düsseldorf bleib zu Hause!" (Karl-Heinz Müller)

"The Rock", also der Felsen in der Brandung der Modemessen - so lautet diesmal das Motto. Scharf formuliert Müller die Entwicklung in Berlin: Er spricht von "Münchner Damen mit Schecks" und Düsseldorfern, die besser zu Hause blieben. Stefan Petry empfindet es aus Besuchersicht so: "Etwas kritisch sehe ich die Vielzahl der Messen heutzutage. Ich fände es einfacher, wenn wieder alles auf einer Messe gezeigt würde. Es ist schwierig, wenn sich einige Labels was eigenes am Rande der Messe mieten, weitere Messen weit entfernt existieren und man gar nicht mehr weiß, wer wo ausstellt." Zunächst schreitet der Koblenzer mit System die gesamte Ausstellung ab. Dabei schaut er sich möglichst viele der diesmal insgesamt 684 Marken an und versucht, einen Eindruck von den kommenden Trends zu bekommen. Danach besucht er gezielt die Aussteller auf seinem zuvor angefertigten Zettel oder diejenigen, die ihn beim Rundgang besonders beeindruckten. Einer davon, den auch seine eigenen Läden seit Jahren führen, ist beispielsweise das 1920 gegründete Label Palladium.

Die Bread & Butter Berlin soll vor allem Spaß machen

Petry und Müller kennen sich übrigens noch aus einer Zeit, als der heutige Macher der Bread & Butter noch als Handelsvertreter für das Produkt Le coq sportif zuständig war und der Koblenzer seine Vororder bei ihm schrieb. Und so entspannt sich der Rheinländer trotz des Messetrubels und sagt: "Das Publikum auf der Messe ist teilweise wirklich schön anzuschauen... Manche Menschen der Modebranche sind recht kreativ in ihrem Outfit. Das macht Spaß, einfach mal zuzuschauen." Stefan Petry relaxt noch einmal vor den großen Wasserfällen im Luna Park, bevor in zwei Stunden sein Flieger in Berlin-Tegel zurück ins heimische Rheinland abhebt.