Breaking Bad: Verzweiflungstaten in Zeiten der Armut

Breaking Bad (Promo 4. Staffel) - AMC (Wallpaper)
Breaking Bad (Promo 4. Staffel) - AMC (Wallpaper)
Mitte Juli 2011 startet im US-Fernsehen die 4. Staffel von "Breaking Bad". Warum ist die US-Serie mittlerweile Kult?

Breaking Bad ist Südstaaten-Slang und bezeichnet die Übertretung von Gesetzen. Als ordentlicher US-Amerikaner lehnt man die Übertretung von Gesetzen natürlich ab. Aber die Verzweiflung kann zu einem Gesinnungswandel führen - Walter White (kurz: Walt), der Protagonist von "Breaking Bad", macht es vor. Dabei ist die Serie ein Stück zeitgenössischer Gesellschaftskritik.

Walter White: Personifizierung der verarmten US-Mittelschicht

Walter White ist ein durchschnittlicher US-Amerikaner, Angehöriger der Mittelschicht. Er hat einen Erstjob als Chemielehrer an einer Highschool, und weil das Geld nie reicht, noch einen Zweitjob als Autowäscher. Trotzdem fehlt es an Geld - es fehlt immer an Geld. Die Reparatur des Boilers ist unerschwinglich, und vieles andere auch. Walter White ist die Personifizierung einer verarmten US-Mittelschicht, Ergebnis einer Politik, die seit Reagan Vermögende begünstigt und Bezieher von mittleren und niedrigen Einkommen im Stich lässt. Walter White ist die Personifizierung der Schuldenkrise: Die Familie hat Schulden, sie ist abhängig von Konsumentenkrediten, weil das Einkommen nicht reicht. Die Schulden türmen sich. Kein Wunder: Die Einkommen aus unselbständiger Arbeit in den USA stagnieren seit Jahren, wenn sie nicht sogar sinken. Die Vermögenden bauen nicht ohne Grund Sicherheitszäune um ihre luxuriösen Anwesen. Denn sie wissen: die Verzweiflung, die mit der sich immer weiter ausbreitenden Armut einhergeht, verleitet zum Breaking Bad, zur Gesetzesübertretung.

Walter White: Personifizierung der Opfer des profitorientierten US-Gesundheitssystems

Walter White ist als durchschnittlicher US-Amerikaner auch Personifizierung der Opfer des quasi nicht existenten öffentlichen US-Gesundheitswesens. Zwar hat Walt eine private Versicherung - aber die ist seinem geringen Einkommen entsprechend nicht recht umfassend. Und als Walt an Lungenkrebs erkrankt, ist schnell klar: die Versicherung wird nicht für die Kosten der Behandlung aufkommen. Kostspielige Behandlungen passen nicht zu den Gewinnkalkulationen der privaten Versicherungen. Walt ist daher, wie viele andere US-Amerikaner auch, als Krebskranker dazu verdammt, ohne Behandlung zu sterben - damit die Versicherung weiter Gewinn machen kann.

Doch Walt kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, seine Familie mit all den Schulden zurückzulassen. Er möchte, dass sein Sohn ein College besuchen kann - was mehrere zehntausend Dollar kostet -, auch erwartet seine Frau ein weiteres Kind, dessen Zukunft gesichert werden will. Für den Todkranken, der bis jetzt ein durch und durch rechtschaffenes Leben führte, Grund genug, sich auf den Pfad des Breaking Bad zu begeben. Denn mit ehrlicher Arbeit ist die Absicherung der Familie nicht zu schaffen. Walt, der Chemielehrer, wird aus Verzweiflung zum Drogenkoch.

"Breaking Bad" und die bröckelnden Fassaden der Gesellschaft

"Außen hui, innen pfui" - dieser Spruch zielt seit jeher ab auf die Kritik schön angepinselter Fassaden, hinter denen sich wenig Schönes verbringt. Auch in "Breaking Bad" gibt es viele solcher Fassaden. Und sie alle zerbröckeln im Laufe der Zeit. So entpuppen sich zum Beispiel sich als erfolgreich gebende Menschen, die mit großzügigen Geschenken um sich werfen, als egozentrische Kleptomanen.

Die wenigen Personen, bei denen Schein und Sein nicht auseinanderklaffen, finden sich in der Drogenszene, denn da wird dazu gestanden, "pfui" zu sein. Wobei: auf Walts Partner, den jüngeren Jesse, ist immer Verlass.

Mit Jesse gemeinsam schlittert Walt in so manches Abenteuer, das Walt auch zum Mörder macht. Was Walt zu Beginn noch Gewissensbisse einbringt, wird aber bald zum Alltag seines Kampfes um die finanzielle Absicherung der Familie. Walt verliert seine Hemmungen, scheut nicht mehr vor Gewaltanwendung zurück, mordet - und besiegt dabei auch den Krebs. Denn als erfolgreicher Drogenkoch kann er sich auch die Krebsbehandlung leisten. Als rechtschaffener Bürger wäre er hingegen längst tot. Doch Walt hat den Überlebenskampf aufgenommen, wurde im Haifischbecken der US-Gesellschaft zum Hai, und lebt daher noch.

"Breaking Bad" als Kultserie

Die Serie "Breaking Bad" ist Kult, weil sich in ihr unter anderem Drama, Action und Gesellschaftskritik vereinen. Die Handlung ist spannend und beherbergt so manche actiongeladene Szene, die Schilderung der US-Gesellschaft erfolgt nebenbei und mithilfe von viel schwarzem Humor, stellt aber die Basis, auf der alles weitere aufbaut. Auch filmisch bewegt sich die Serie auf dem hohem Niveau, durch das sich immer mehr US-Serien der letzten Jahre auszeichnen. Kein Wunder also, dass der Kultursender ARTE die Serie 2010 in ihr Programm aufgenommen hat - allerdings in der wenig erquicklichen deutschen Synchronfassung.

Jenen, die die Staffeln 1-3 der Serie sehen möchten, sei die englische Originalfassung empfohlen (zum Beispiel auf DVD). Die eingeschworenen Fans, die gespannt auf die 4. Staffel warten, die am 17. Juli 2011 startet, werden sich so oder so über den einen oder anderen Weg das Original zu Gemüte führen.

Fakten zur Serie

Titel: Breaking Bad

Produktionsland: USA

Hauptdarsteller: Bryon Cranston

Autor und Produzent: Vince Gilligan (u.a. Akte X)

Sender: AMC

Produktionsstart: 2007

On air seit: 2008

Staffeln: 1-3, 4. Staffel startet am 17. Juli 2011 im US-Fernsehen

Links

"Breaking Bad" bei AMC

"Breaking Bad" bei IMDb

Laura Gruber - Laura Gruber beschäftigt sich mit Geschichte, Politik, Ökonomie und ökonomischen Alternativen, sozialen Bewegungen, Bildung ...

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