Editor's Choice

"Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht", Teil 1: Fast final

Filmplakat Breaking Dawn - Concorde Filmverleih
Filmplakat Breaking Dawn - Concorde Filmverleih
In Folge vier der „Twilight"-Saga läuten die Hochzeitsglocken. Von Risiken und Nebenwirkungen eines Vampir-Gatten erfährt Heldin Bella in den Flitterwochen.

„Sie dürfen die Braut jetzt beißen!“ Nein, das sagt der Pfarrer nicht, als er Bella mit ihrem Blutsauger vermählt. Aber nach all dem Schmachten und Sehnen über drei Episoden hinweg ist man schon dankbar, wenn im vierten Film einmal ordentlich geküsst wird. Die Hauptdarsteller Kristen Stewart und Robert Pattinson tun es mit Schmackes, und der Zuschauer schöpft Hoffnung: Ist die Enthaltsamkeit auf allen Ebenen, die dem „vegetarisch“ lebenden Vampir gemäß der Romanvorlage von Stephenie Meyer auferlegt wurde, vielleicht endlich einmal passé? Tausend Mal berührt, tausend Mal ist nix passiert. Kein Wunder, dass Edward ständig so säuerlich guckte. Beißhemmung plus Beischlafverzicht, das kann einem Blutsauger auf Dauer ganz schön zusetzen. Dem Publikum ebenfalls.

In der vorletzten Folge der „Twilight“-Serie bekommt Bella ihren Edward

Beim Anblick seiner jungen Frau nehmen Edwards bleiche Züge sogar etwas Farbe an, und siehe da – er lächelt. Bald geht’s zur Sache, Schätzchen! Bella hatte vor dem großen Tag zwar Albträume, aber noch ist Friede, Freude, Hochzeitskuchen. Auch die Gäste scheinen bester Stimmung, und sie haben dafür allen Grund: Gefeiert wird im Freien, und es hat tatsächlich einmal aufgehört zu regnen. Was an der Pazifikküste im Nordwesten der USA, wo das Ganze spielt, Seltenheitswert hat. Der Vampir-Clan Cullen, zu dem der frisch verehelichte Edward gehört, residiert aus gutem Grund in der niederschlagsreichsten Ecke des Landes. Die Sonne bekommt den Vampiren nicht. Und in den Wäldern der Gegend findet sich tierischer Ersatz für ihre Leibspeise.

Davon ahnt die menschliche Hälfte der Hochzeitsgesellschaft allerdings nichts, und auch der Kinogänger tut gut daran, wenn er den Anfang des Plots entweder gesehen oder wenigstens gelesen hat. Bill Condon („Dreamgirls“), der vierte Regisseur der „Twilight“-Reihe, macht sich nicht die Mühe, die Geschichte noch einmal zusammenzufassen. Warum auch – die Franchise richtet sich ohnehin an eine eingeschworene Fangemeinde. Immerhin ergibt sich aus einem Toast, den Bellas Schulfreundin Jessica (Anna Kendrick) ausgibt, dass die Beziehung als High-School-Romanze begann, wie in „Biss zum Morgengrauen“ geschildert. Dem seriellen Kinogänger entgeht aber auch nicht, dass der erste Teil des Finales bar jeder Selbstironie ist – im Gegensatz vor allem zu Folge drei, „Biss zum Abendrot“, hat der Zuschauer diesmal nicht viel zu lachen. Jetzt wird’s blutiger Ernst.

Das deutet sich schon an, als Bellas Jugendfreund Jacob mit seiner Meute auftaucht und beinahe zum Partycrasher wird. Jake, wie er genannt wird, gehört zum Indianerstamm der Quileute, die sich blitzschnell in Werwölfe verwandeln können, besonders wenn sie böse werden. Da Jacob sich ebenfalls Hoffnungen auf Bella gemacht hat, ist er sogar sehr böse und hat daher als Werwolf viel zu knurren und zu grummeln. Vor der Gestaltwandlung reißt er sich erst einmal das Hemd vom Leibe, damit die prächtigen Muskeln sichtbar werden, die Darsteller Taylor Lautner den Job als Jacob sicherten. Das kommt wie immer gut. Trotzdem möchte man ihm nach dieser Folge raten, außer in Fittnesstraining auch einmal in ein paar Schauspielstunden zu investieren.

Einen Vampir heiraten, aber Mensch bleiben? Freund Jacob ist sauer

Was Jacob so wütend macht, ist die Neuigkeit, dass Bella zwar in den Vampir-Clan einheiratet, aber weiterhin Mensch bleiben will. Dadurch gerät er in eine Zwickmühle, denn eigentlich müsste er sich darüber freuen: Der Nichtangriffspakt, den der Cullen-Clan mit den Quileute geschlossen hat, gilt nämlich nur so lange, wie die Vampire Menschen verschonen. Aber Jacob befürchtet, dass es Bella nicht überlebt, wenn der Vampir seine Hemmungen auch nur teilweise ablegt. Der totale Triebverzicht war ihre beste Lebensversicherung.

Was dann tatsächlich nicht überlebt, ist das Schlafzimmermobiliar in der Ferienwohnung auf einer brasilianischen Insel, wohin sich Bella und Edward in den Flitterwochen zurückgezogen haben. Ach du liebes Bisschen, und Bella hat auch noch überall blaue Flecken. Bei der Bestürzung darüber bleibt es nicht, denn – Überraschung! – Sex macht schwanger. Manchmal sogar beim ersten Mal. Wer hätte das gedacht, dass ein weit über 100 Jahre alter Vampir noch erstklassiges Sperma besitzt?

Was ist im weißen Styroporbecher, den Kristen Stewart in der Hand hält?

Dass eine werdende Mutter für Zwei essen muss, bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn sie einen kleinen Vampir unter dem Herzen trägt. Bellas Bauch wölbt sich in atemberaubendem Tempo, und sie ist bald nur noch ein Schatten ihrer selbst. Der Vampir-Schwiegervater, der Arzt ist, hat die rettende Idee – wozu gibt es das rote Zeug als Konserve. Blut ist schon ein ganz besonderer Saft, vor allem, wenn er im Styroporbecher mit Strohhalm gereicht wird.

Wer eigentlich kein Blut sehen kann, muss gegen Filmende ganz tapfer sein. Zum Glück weiß man, dass eine weitere Folge ansteht, und irgendwie werden Mutter und Kind das Gemetzel schon überstehen. Damit wenigstens ein bisschen Spannung bleibt, soll hier nicht alles verraten werden, nur noch das Eine zum Schluss: Die Liste unmöglicher amerikanischer Babynamen wird durch die Vampirsaga noch um ein Exempel reicher. Der Sprössling, halb Mensch, halb Vampir, soll Renesmee heißen.

"Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht" Teil 1 (USA 2011)

Kinostart in Deutschland: 24. November 2011

Originaltitel: "The Twilight Saga: Breaking Dawn - Part 1"

Regie: Bill Condon

Verleih: Concorde

Laufzeit: 117 Minuten

Quellen

"Breaking Dawn Part 1" in der Internet Movie Database

"Breaking Dawn Part 1" auf Rotten Tomatoes

Cornelia Schaible, Cornelia Schaible

Cornelia Schaible - Geboren 1963, verbrachte nach dem Abitur ein Jahr in Marseille, studierte anschließend Germanistik sowie Allgemeine ...

rss