Brent Weeks – Fantasy-Roman "Am Rande der Schatten"

Brent Weeks: Am Rande der Schatten - Blanvalet
Brent Weeks: Am Rande der Schatten - Blanvalet
„Am Rande der Schatten" lautet der Titel des zweiten Fantasy-Romans der Schatten-Trilogie von Brent Weeks um den Assassinen Kylar in der Welt Midcyru.

Der Held ist müde und entscheidet sich gegen seine Berufung und für seine Familie. Mit diesem bekannten Motiv lässt Brent Weeks seinen Fantasy-Roman „Am Rande der Schatten“ beginnen. Allerdings spielt Weeks mit dem Motiv. Der Assassine Kylar – auch als Nachtengel bekannt – darf den einen letzten Auftrag zunächst ablehnen, da Kylar weiß, dass immer noch ein Auftrag kommt. Damit kann der Blutjunge mit den gewaltigen magischen Fähigkeiten das Unausweichliche jedoch nur hinauszögern, denn schon bald werden die Einsätze höher.

Brent Weeks setzt mit „Am Rande der Schatten“ seine Schatten-Trilogie fort

„Am Rande der Schatten“ beginnt mit einem ruhigen Erzähltempo. Weeks widmet Kylar, seiner geliebten Elene und der elfjährigen Adoptivtochter Uly viel Zeit, bevor er seinen Protagonisten wieder in den Kampf schickt. Weeks nutzt die Spanne zugleich dazu, stärker auf die Intrigen in den Reihen der Khalidori einzugehen, deren Gottkönig Kylars Heimat Cenaria besetzt hat. Auch von der Zeit Logans, dem rechtmäßigen König Cenarias, im finsteren Kerker, berichtet Weeks ausführlich. Diese Passagen über die Bewahrung des Menschlichen unter unmenschlichen Bedingungen gehören zu den am meisten beeindruckenden im Buch.

Zu den Stärken des Fantasy-Romans insgesamt zählen die gut beschriebenen Charaktere. Weeks gibt einfühlsame Einblicke in ihre Gedanken und lässt die Leser mit ihren Favoriten mitleiden. Standen im ersten Band „Der Weg in die Schatten“ neben Kylar noch Momma K. und Durzo Blint im Mittelpunkt, rückt nun Vi in diese Lücke, eine Meuchelmörderin, der es einmal fast gelungen wäre, Kylar zu töten. Doch auch aus anderen Völkern, mehr oder weniger fernab von Cenaria, führt Weeks Personen ein. So gewährt der Autor weitere Einblicke in die Welt Midcyru. Allerdings stellt sich die Frage, wie all die Handlungsfäden in nur noch einem ausstehenden Band zusammengeführt werden sollen. Eine Lösung könnte sein, dass Weeks weitere seiner Figuren sterben lässt. Da kennt er, genauso wie George R.R. Martin und Steven Erikson vor ihm, kein Pardon – zumindest fast keins.

Auf „Am Rande der Schatten“ folgt „Jenseits der Schatten“

Ein wenig überstrapaziert wird jedoch das „Star-Wars-Element“ mit der „Ich-bin-Dein-Vater-Überraschung“. Der Wendungen wird es dann irgendwann zu viel – ein wenig mehr Gradlinigkeit hätte der Handlung von „Am Rande der Schatten“ gerade am Ende gut getan. Weeks hätte besser noch an ein paar seltsamen Stellen feilen sollen, die wenig Sinn ergeben. Denn wieso ist etwa Vi von Kylars magischen Fähigkeiten noch überrascht, nachdem dieser von den Toten auferstanden ist?

Trotz dieser Schwächen ist „Am Rande der Schatten“ von Brent Weeks ein guter Fantasy-Roman, der wegen seiner vielen Gewaltszenen nichts für zart besaitete Gemüter sein dürfte. Wie die Schatten-Trilogie ausgeht, erfahren die deutschen Leser in „Jenseits der Schatten“.

Brent Weeks: Am Rande der Schatten. Blanvalet 2010. Broschiertes Taschenbuch, 704 Seiten. Euro 15 (Österreich 15,50).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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