
- Brent Weeks: Der Weg in die Schatten - Blanvalet
Der Weg in die Schatten führt für den jungen Azoth über Durzo Blint. Blint ist der legendäre Blutjunge, ein magisch begabter Meuchelmörder, dessen Dienste sich nur die Reichen leisten können. Doch für Azoth bietet er die einzige Chance, lebend dem Armenviertel von Cenaria zu entkommen. Daher schreckt der Junge vor nichts zurück, um den Assassinen zu überzeugen, ausnahmsweise doch einen Lehrling anzunehmen. An die Konsequenzen und den Preis, den er für den Weg in die Schatten zahlen muss, denkt Azoth dabei nicht.
Brent Weeks und Joe Abercrombie
Mit den Büchern Joe Abercrombies wird „Der Weg in die Schatten“ gern verglichen. Brent Weeks erzählt jedoch längst nicht so zynisch und abgeklärt wie sein britischer Schriftstellerkollege. Während Abercrombies Figuren eher Anti-Helden sind, sind es bei Weeks doch Helden, wenn auch keine strahlenden. Doch allein weil es um Assassinen und Schatten, die sich die Dunkelheit zu Nutze machen, geht, ist ein Roman noch nicht düster. Durzo Blint mag zwar ein Meuchelmörder sein, doch hält er sich an Regeln und moralische Grundsätze. Insofern handelt es sich beim Roman einfach um ein modernes Fantasy-Werk, bei dem Gut und Böse nicht so klar voneinander trennbar sind.
Bei Blint und Momma K, der Hure mit Herz, handelt es sich um die am besten gezeichneten Charaktere des Buches. Momma K steht für die Seele der Stadt Cenaria, während Durzo Blint der Nachtengel ist, der sie und das gleichnamige Reich vor dem Untergang bewahrt. Beide Personen sind längst nicht so unnahbar wie der Leser zunächst vermutet, sondern zeigen auch menschliche Schwächen.
Fantasy-Roman mit dichter Atmosphäre
Insgesamt überzeugt „Der Weg in die Schatten“ besonders im ersten Drittel. Brennt Weeks gelingt es sehr gut, die Atmosphäre des Labyrinths, dem Armenviertel von Cosiera, zu schildern. Das Leid von Azoth und den anderen Waisenkindern wird deutlich, die Schrecken im Leben der Kinder beschreibt Weeks ungeschönt.
Leider verliert die Handlung im Mitteldrittel an Schwung und Spannung, da die Dichtheit durch die Zeitsprünge verloren geht. Im letzten Drittel des Buches überschlagen sich dann die Ereignisse – Konflikte zwischen den Personen und Kämpfe lösen sich in dichter Folge ab. Das ist zwar sehr spannend geschrieben, allerdings überzeugt der inhaltliche Überbau, der die Rahmenhandlung für die gesamte Trilogie bildet, nur selten. Zu wenig lernt der Leser über die Ursachen, zu wenig wird die Rolle des Propheten klar und zu gewollt wirkt hier manche Wendung der Handlung. Dafür bringt Weeks hier seine wichtigsten Charaktere so glaubhaft in Gefahr, dass der Leser um sie fürchtet – spätestens dann, wenn der erste nicht überlebt.
„Der Weg in die Schatten“ ist das erste Buch einer Trilogie
„Der Weg in die Schatten“ ist der erste veröffentlichte Roman von Brent Weeks. In den USA ist die Night-Angel-Trilogie bereits vollständig erschienen und war erfolgreich genug, dass sich der im US-Bundesstaat Oregon lebende Autor den Traum von einem Leben als Schriftsteller verwirklichen konnte. Brent Weeks schreibt bereits an einer weiteren Reihe, die in Midcyru, derselben Fantasy-Welt wie die der Schatten-Trilogie, spielt. Die deutschen Leser dürfen sich aber zunächst auf die Fortsetzung von „Der Weg in die Schatten“ freuen. Sie trägt den Titel „Am Rande der Schatten“.
Brent Weeks: Der Weg in die Schatten. Schatten-Trilogie 1. Blanvalet 2010. Broschiertes Taschenbuch, 704 Seiten. Euro 15,00.
