Brent Weeks im Interview

Der Fantasy-Autor der Schatten-Trilogie über neue Bücher und Filme

Der amerikanische Fantasy-Autor Brent Weeks - Travis Johnson Photography
Der amerikanische Fantasy-Autor Brent Weeks - Travis Johnson Photography
Der amerikanische Fantasy-Autor Brent Weeks, Autor der Schatten-Trilogie, spricht im Interview über die Entstehung seiner Bücher und die geplante Verfilmung der Romane.

Der amerikanische Fantasy-Autor Brent Weeks schaffte bereits mit seinem ersten veröffentlichten Roman „Der Weg in die Schatten“ (The Way of Shadows) den Durchbruch. 2010 werden auch die deutschen Ausgaben der beiden weiteren Bände seiner Schatten-Trilogie erscheinen.

Suite101.de: Mr. Weeks, woher stammt die Idee für das Setting der Schatten-Trilogie?

Brent Weeks: Mit der Entwicklung der Welt Midcyru habe ich bereits auf dem College begonnen. Beim ersten Versuch, einen ganzen Roman zu schreiben, habe ich gelernt, auf welche Komponenten es in einem langen Roman ankommt. Bei diesem Buch habe ich den Dreh noch nicht herausgehabt, daher habe ich es nach fünf Jahren abgebrochen. Der Entwurf von Midcyru war aber so gut, dass ich meine neue Geschichte wieder dort begonnen habe – in einem Teil der Welt, den ich selbst noch nicht erkundet hatte.

Suite101.de: Womit haben Sie angefangen, der Erkundung der Welt, den Figuren, der Handlung?

Weeks: Das weiß ich selbst nicht so genau, wohl ein wenig mit allem. Zunächst musste ich die ganzen Ideen in meinem Kopf ordnen: Die Entwicklung der Figuren beeinflusst die Welt, die Handlung bestimmt die Ausformung der Charaktere, die Welt setzt der Handlung Grenzen und umgekehrt. Ich habe mit allen Varianten herumgespielt, bis ich von einzelnen Möglichkeiten überzeugt war. Diese habe ich dann weiterentwickelt.

Suite101.de: Warum fühlen sich so viele Fantasy-Autoren von Grautönen angezogen? Gibt es das klassische Schwarz-Weiß-Schema nicht mehr?

Weeks: Gute Künstler arbeiten mit der gesamten Farbpalette. Schaut man sich zum Beispiel Tolkiens Frodo an. Der ist doch ein Held, oder nicht? Ein Vertreter einer guten Rasse, den Hobbits. Aber am Ende des „Herrn der Ringe“ will er den Ring behalten. Gandalf kann den Ring nicht einmal berühren, da er nicht von seiner Macht korrumpiert werden möchte. Ich denke, dass Fantasy im Schwarz-Weiß-Schema nicht gut sein kann. Vielleicht kindgerecht, aber sicher nicht überzeugend und fesselnd. Meine Figuren sehe ich aber nicht als graugefärbt, sondern als schwarz und weiß – allerdings klug vermischt.

Suite101.de: Falls „Der Weg in die Schatten“ verfilmt wird, wer wäre Ihr Wunsch-Kylar?

Weeks: Ich habe kürzlich die Filmrechte für „Der Weg in die Schatten" an Cam Gigandet verkauft, das heißt, es besteht eine zweiprozentige Chance, dass es auch einen Film geben wird. Cam will den Film auch produzieren und Kylar spielen. Er wäre eine gute Wahl, denn er ist jung, sieht gut aus und ist gefährlich, weil er einen schwarzen Gürtel in Krav Maga hat. Außerdem hat er zwar bereits ein paar Filme gemacht, ist aber noch unbekannt genug, dass er wirklich als Kylar wahrgenommen werden könnte. Mit einem weniger bekannten Schauspieler steht mehr die Geschichte im Vordergrund als die Rolle. So wie bei Viggo Mortensen, den vor dem „Herrn der Ringe“ noch nicht so viele Menschen kannten.

Suite101.de: Was muss passieren, damit aus den zwei Prozent Wahrscheinlichkeit einer Verfilmung 100 Prozent werden?

Weeks: Nun ja, wir reden hier über Hollywood, da ist so etwas schwer zu sagen. Aber wichtig ist, dass Cam voll hinter dem Projekt steht und weiß, was er will. Als nächstes braucht er einen guten Drehbuchautor. Danach wird man sehen. Ich selbst werde so viel helfen wie ich kann, zumal Cam mich gern einbinden möchte. Aber mein Beruf ist Buchautor, darauf werde ich mich konzentrieren.

Suite101.de: Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag im Leben von Brent Weeks aus?

Weeks: Zunächst stehe ich früh auf und setz mich an den Schreibtisch. Meist schreibe ich dann so bis 14 Uhr. Schließlich kümmere ich mich um geschäftliche Dinge, rede mit meinem Agenten und Lektor, schaue mir Übersetzungen an, checke meine Internetseiten und beantworte Fanmails. Ich höre meist früh auf, setze mich aber oft nachts noch einmal hin und habe außerdem eine Sechstageswoche.

Suite101.de: Bleibt da noch Zeit, um die Fantasy-Bücher anderer Autoren zu lesen?

Weeks: In den beiden vergangenen Jahren habe ich nicht viel gelesen. Ich bekomme einige Bücher geschickt, für die ich ein kurzes Lob für den Klappentext schreiben soll. Die muss ich lesen. Ich bemühe mich aber auch, die Bücher junger Autoren zu lesen, denn die Unterstützung eines etablierten Schriftstellers kann ihnen den Weg ebnen. Terry Brooks hat das für mich getan. Ich versuche das weiterzugeben, indem ich neue Autoren bei Amazon empfehle. Zuletzt habe ich NK Jeminsin („Die Erbin der Welt“), Robert Jackson Bennett und Blake Charlton gelesen.

Suite101.de: An welchem Buch schreiben Sie derzeit?

Weeks: Ich bin gerade dabei, „The Black Prism“ abschließend zu überarbeiten. Der Roman soll Ende August in den USA, Großbritannien und Australien auf den Markt kommen. Die Handlung spielt in einer neuen Welt und nicht in Midcyru.

Suite101.de: Planen Sie denn eine Rückkehr nach Midcyru?

Weeks: Nach Abschluss der Schatten-Trilogie – die ein wirkliches Ende hat – habe ich gemerkt, dass meine Fähigkeiten als Schriftsteller noch nicht ausreichen, um das zu erzählen, was ich noch über Midcyru erzählen möchte. Daher habe ich zunächst mit „The Black Prism“ begonnen. Doch noch habe ich nicht alles über die Charaktere gesagt, die die Schatten-Trilogie überlebt haben. Ich werde daher in jedem Fall nach Midcyru zurückkehren.

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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