"Briefe aus der Hölle" - Ramón Sampedro (1943 – 1998)

Ramón Sampedro - librerialuces.com
Ramón Sampedro - librerialuces.com
Ramón Sampedro entschloss sich 1993 vor Gericht die Euthanasie als persönliches Recht einzufordern und verlor. 1998 nahm er sich das Leben.

„Am 23. August 1968 brach ich mir das Genick, bei einem Tauchsprung am Strand, indem ich mit dem Kopf auf den Sand am Grunde aufprallte. Seit diesem Tag bin ich ein lebender Kopf und ein toter Körper. Man könnte sagen, ich bin der sprechende Geist eines Toten.“ (Ramón Sampedro)

„Cartas desde el infierno“

„Briefe aus der Hölle“ ist der Titel des Gedichtbandes von Ramón Sampedro. Die Folgen des Sprunges ins seichte Wasser fesselten den spanischen Seefahrer aus Galizien ans Bett. Im April 1993 entschloss er sich die Euthanasie als persönliches Recht einzufordern, das in einer Niederlage endete. Für Ramón ist das Dasein als Tetraplektiker nichts mehr als ein chronisch Toter; wäre er ein Tier gewesen, hätte man ihn getötet, so seine Worte. Man hätte ihn so behandelt wie es den edelsten Motiven des Menschen entspräche.

1998 starb er 55-jährig, davon 29 Jahre ans Bett gefesselt, durch die Hilfe seiner Freundin Ramona Maneiro (44) und einem Glas Zyankali-Wasserlösung. Zum Zeitpunkt des Todes galt die Tat als Beihilfe zum Suizid und war strafbar. Erst nach Ende der Verjährungsfrist gestand Ramona im Januar 2005 ihre Tat. Der 20minütige Todeskampf wurde auf Video aufgezeichnet. Ramona tat nur wie ihr geheißen worden war und beschreibt sich als „helfende Hand“ die einem Freund zum Tode verhalf. Ramón hatte an alles gedacht, auch daran, dass seine Freundin ihn nach der Einnahme nicht mehr küssen durfte. In den letzten fünf Minuten ertrug sie seinen Todeskampf nicht mehr und flüchtete ins Bad. Tausende erklärten sich mit dem Freitod von Ramón solidarisch, das Verfahren gegen Ramona wurde fallen gelassen.

Sampedros Fall ist der meist diskutierte in Spanien was die Sterbehilfe betrifft.

„Mar adentro"

Verfilmt wurde seine Geschichte (Deutsch: Das Meer in mir) vom Ressigeur Alejandro Amenábar („The Others“, „Abre los ojos“) mit Javier Bardem („Eat Love Pray“, „Vicky Christina und Barcelona“) in der Hauptrolle. Der Film zog vier Millionen Zuschauer in die Kinos und erhält neben zahlreichen nationalen wie internationalen Auszeichnungen den Oscar 2005 für den besten ausländischen Film, ebenso den 62. Golden Globe.

„Das Meer in mir“ ist im Grunde genommen ein autobiographischer Film, dennoch beschränkte sich Amenábar nicht nur auf die Nacherzählung der Geschehnisse, da die juristischen Geschehnisse nur am Rande auftauchen. Die letzten Jahre werden behandelt und während Ramón lachend von der Sehnsucht zum Tod erzählt, keimt eine gewisse Ambivalenz. Doch genau die Ernsthaftigkeit gepaart mit menschlichen Szenen lassen den Film einfühlsam und nachdenklich stimmen. Unterbrochen wird die Darstellung manchmal durch Rückblenden.

Die Unterschiede zur Realität sind gering: Aus Romana wurde Rosa und die Gestalt der Rechtsanwältin Julia gab es in dieser Form nie und vereint mehrere Freunde von Ramón.

Briefe aus der Hölle

"Ins Meer hinein, ins Meer, in seine schwerelose Tiefe, wo die Träume sich erfüllen, und Zwei in einem Willen sich vereinen, um zu stillen eine große Sehnsucht.

Ein Kuss entflammt das Leben mit einem Blitz und einem Donner, und sich verwandelnd ist mein Körper nicht mehr Körper, als Dräng ich vor zum Mittelpunkt des Universums." (Ramón Sampedro)

Ramón Sampedro: Cartas desde el infierno, Planeta Verlag, Barcelona 2005, ISBN 8408056328,16 Euro

Quellen:

http://www.dieterwunderlich.de/Ramon_Sampedro.htm

http://www.filmstarts.de/kritiken/38281-Das-Meer-in-mir.html

http://horus.commas25.neusta.de/images/HORUS0/DLR2007/vorwort_briefe_hoelle.pdf (Zitate)

Bianca Romero, Bianca Romero

Bianca Romero - Als Reisekatze besuche ich gerne ferne Länder. Als Studentin der Geschichte und Philosophie, neigen sich meine Interessen besonders ...

rss