Bronislaw Malinowski nimmt in der Ethnologie eine besondere Rolle ein. Mit seinen zahlreichen Forschungen in Australien und auf den pazifischen Inseln prägt er die Forschungsmethode der teilnehmenden Beobachtung und legt wichtige Grundlagen für die ethnologische Feldforschung.Malinowski wird 1884 in Krakau geboren. Krakau gehört zu dieser Zeit noch zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Nach einem Studium der Mathematik, Philosophie und Physik arbeitet er zunächst in der physikalischen Forschung.Gesundheitliche Gründe zwingen Malinowski dazu, diese Tätigkeit aufzugeben.Er erklärt später, dass die Lektüre des Werkes „The Golden Bough“ („Der goldene Zweig“) von James Frazer sein Interesse an der Ethnologie geweckt hat. Malinowski studiert anschließend an der London School of Economics Anthropologie.
Begründung des britischen Funktionalismus
Malinowskis erstes großes Werk „The Family among the Australian Aboriginis“ legt schon einen der Grundsteine des britischen Funktionalismus, zu deren Gründern Malinowski gezählt wird. Malinowski beschreibt hier die Funktion von Religion als verbindendes Element für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gesellschaftliche Identität. Nach der Veröffentlichung 1913 befindet sich Malinowski 1914 immer noch in Australien. Als Staatsangehöriger Österreichs-Ungarns befindet er sich bei Ausbruch des ersten Weltkrieges somit auf feindlichem Gebiet. Er kann einer Internierung jedoch entgehen, da er auch im britischen Königreich zahlreiche Fürsprecher hat. Stattdessen erhält er die offizielle Erlaubnis zu ethnologischen Untersuchungen auf den Trobriand Inseln, die vor der Ostküste Papua-Neuguineas gelegen sind. Seine Forschungen kommen also unter einem gewissen Zwang zustande, denn eine Rückkehr nach Europa war nicht gestattet.
Argonauten des westlichen Pazifik
Seine Feldforschungen auf den Trobriand Inseln dauern bis zum Ende des ersten Weltkrieges 1918. Vier Jahre später veröffentlicht Malinowski die Ergebnisse seiner Forschung unter dem Titel „Argonauts of the western Pazifik“. Argonauten des westlichen Pazifik ist eines der meistgelesenen Bücher der Ethnologie.
Magie, Religion und der Kula Handel
Auf den Trobriand Inseln beobachtet Malinowski unter anderem den rituellen Handel mit Kula, aus Muscheln gefertigte Schmuckstücke. Außerdem versucht Malinowski einen alten Ansatz seines ehemaligen Vorbildes Frazer zu widerlegen. Jener erstellte den Grundsatz einer Abfolge von Magie, Religion und Wissenschaft, die auseinander entstehen, jedoch nicht gleichzeitig existent sind. Die Unvereinbarkeit von Magie und Religion widerlegt Malinowski jedoch mit seinen Beobachtungen auf den Trobriand Inseln. Malinowski versucht eine neue Abgrenzung von Magie, Religion und Wissenschaft zu schaffen und ihre jeweilige Funktion für die Gesellschaft zu erklären.
Die teilnehmende Beobachtung
Seine Arbeit auf den Trobriand Inseln und die Veröffentlichung seines Werkes „Argonauts of the Western Pazifik“ machen Malinowski zum Vater der Feldforschung und seinen Ansatz der teilnehmenden Beobachtung zu einem neuen Weg ethnologischer Forschung. Malinowski führt als Leitlinien für eine teilnehmende Beobachtung an, dass der Forscher möglichst die Sprache erlernen und über eine ganzen Jahreszyklus lang forschen sollte.Die Grundsätze bilden heute noch wichtige Punkte für eine ethnologische Forschung. Bronislaw Malinowski stirbt 1942 in den Vereinigten Staaten.
