
- Nicht alle Menschen haben ihr täglich Brot - dreamstíme.com
Getreide ist eine sehr alte Kulturpflanze. Mit ihr begann vor 30.000 Jahren das, was sich im Laufe dieser langen Zeit zu dem entwickelt hat, als das Brot heute gilt. Die ältesten bekannten Getreidearten (6.000 vor Christus) sind Emmer (eine alte Weizenart), Weizen, Gerste und Hirse. Etwa tausend Jahre später kam der Roggen hinzu. Ursprünglich wurde Getreide gemahlen, mit Wasser vermengt und so als Brei gegessen. Später wurde der Brei auf heißen Steinen oder in der Asche als kleine runde Fladen gebacken. Schließlich wurde der Getreidebrei mit Milch und Fett verfeinert. Ein Nahrungsmittel, das noch heute für 60 Prozent der Weltbevölkerung Grundbestandteil der täglichen Kost bedeutet. Zwei Erfindungen haben das Brotbacken entscheidend verändert: Backöfen und die Wirkung von Hefe.
Die Kultivierung des Brotes
Man hatte erkannt, dass sich auf Steinen und in der Asche nur flache dünne Brote backen ließen. Sollte der Fladen die Form eines Laibes (alte germanische Bezeichnung für ungesäuertes Brot) annehmen, muss er beim Backen von allen Seiten von Hitze umschlossen sein. Die ersten "Öfen“ bestanden lediglich aus einem umgestülpten Topf, der auf einem heißen Stein stand. Von den Ägyptern wurden diese ersten Backöfen weiterentwickelt. Die ersten waren aus Lehm, ähnelten Bienenkörben und erreichten eine sehr hohe Hitze. Dadurch wurde die im Teig vorhandene Feuchtigkeit in Dampf verwandelt, das Volumen der Brote vergrößert und die Krustenbildung verzögert.
Die zweite Errungenschaft, die das Brotbacken vorantrieb, war die Wirkung von Hefen. Wenn ungebackener Brotteig eine Weile steht, sorgen in der Luft vorhandene Hefen (einzellige Pilze) für eine Gärung. Die Menschen erkannten, dass sich aus dem gegärten Brotteig besseres Brot backen ließ. Besser im Geschmack und lockerer in der Substanz. Die Methode der Sauerteiggärung war damit geboren. Wieder waren es die Ägypter, die als Erste die Hefe kultivierten und damit die erste Bäckerhefe schufen. Hierzulande wurden Hefeteige zur Brotherstellung ab etwa 700 vor Christus nachgewiesen, während in Ägypten gesäuertes Brot schon vor über 5.000 Jahren bekannt war. Heute kennen wir an die 500 verschiedene Brotsorten. Der Weg vom ersten Getreidebrei und Fladen, gegart auf heißen Steinen, bis zum heutigen Brot war lang. Kein Wunder, dass das Nahrungsmittel Brot, dessen Herstellung mit viel Mühen verbunden war, heilig gehalten wurde und sich viele Sitten und Bräuche mit ihm verknüpfen.
"Unser täglich Brot gib uns heute“
Brot ist ein Grundnahrungsmittel, das in der hoch entwickelten Welt von heute für jedermann ausreichend da sein sollte. Die Ressourcen dafür sind vorhanden. Leider steht es eben nicht ausreichend zur Verfügung, wie sich dieser Tage am Hungerelend am Horn von Afrika zeigt. Die Bibel berichtet an verschiedenen Stellen über Getreide und Brot als Nahrung. Die Sorge der Menschen ums "tägliche Brot“ beherrscht ihr Denken seit ewigen Zeiten. Jede Missernte in früheren Jahrhunderten brachte Hunger und Elend mit sich. So nimmt es nicht Wunder, wenn im "Vater unser“ eine der wichtigsten Bitten diese ist: "Unser täglich Brot gib uns heute“. So hat auch das dreifache Bekreuzen der Brotunterseite vor dem Anschneiden seine Bedeutung: Zum einen wird damit Dank ausgedrückt an die Dreifaltigkeit Gottes, zum anderen wird ihre Segnung erbittet. Aus früheren Zeiten weiß man von Brotgaben und Brotopfern. Zu den bekanntesten Wohltätern zählen der heilige Antonius von Padua und Elisabeth von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 zogen sie durch die Lande und verteilten Brot und Wein an die Bedürftigen. Elisabeth von Thüringen gilt als Schutzheilige der Bäcker und Hungernden.
Bräuche und manches Abergläubische ums Brot
Rund um das Brot gibt es noch heute sehr viele Bräuche, die oft noch mit dem Glauben an übernatürliche Kräfte verbunden sind. So heißt es, Brot und Salz sollten im Haus nie ausgehen. Brot und Salz werden auch beim Bezug eines neuen Hauses geschenkt. Oder der Gast wird im fremden Land mit Brot und Salz willkommen geheißen. Brot galt einst regelrecht als Seele des Hauses. Besonders das Schwarzbrot. Schwarzbrot war das Brot für jedermann, während Weißbrot sich nur die Reichen leisten konnten. Bei bestimmten Feierlichkeiten, wie der Aussaat, der Ernte, an Weihnachten und anderen Festen, wurden Brotopfer dargebracht. Unter Einhaltung bestimmter Rituale wurde Brot gebacken, verzehrt oder verschenkt.
Brot wurden einstmals übernatürliche Kräfte zugeschrieben: etwa, dass es dämonische Mächte banne, Krankheiten abwehre und ganz allgemein Unheil abwende. Eine Unmenge an Vorschriften betreffen die Art und Weise, wie im Haus mit Brot umzugehen sei. Beispielsweise darf ein Brotlaib nie auf dem Rücken liegen, weil das angeblich Streit, Unglück oder Krankheit nach sich zieht. Er darf auch nicht mit dem angeschnittenen Teil zur Tür zeigen, weil sich sonst das Glück aus dem Haus entfernt. Auf keinen Fall soll man das Brot auf dem Tisch liegen lassen, weil sonst die armen Seelen weinen. Angebotenes Brot muss restlos aufgegessen werden, für geliehenes darf man sich nicht bedanken. Warmes Brot soll nicht verschenkt und gefundenes nicht aufgehoben werden. Und schließlich: dem Bettler soll man nicht das Endstück geben.
Mehr über die Geschichte des Brotes ist im Museum der Brotkultur in Ulm zu erfahren.
Quellennachweis: diebackstube.de
