
- Der Bäckermeister, eine aussterbende Spezies? - stratkon / pixelio.de
Die Preise für die Waren des täglichen Bedarfs steigen stetig. Doch mit der Anschaffung eines Brotbackautomaten hat man nicht nur die Kosten für das feste Grundnahrungsmittel der Deutschen im Griff. Auch hinsichtlich der Frische und Gesundheit kann die Umstellung aufs Backen des eigenen Brotes cereale Vorteile bringen. Selten ist es so einfach, die Zubereitung grundlegender und frischer Lebensmittel in die eigene Hand zu nehmen. Doch einige Dinge sind dabei zu beachten.
Das Prinzip der Brotbackautomaten: Kompakte Technik, leicht zu bedienen
Was in den Regalen der Bäcker liegt, hat grundsätzlich dasselbe über sich ergehen lassen wie die Laibe, die zu Hause in einem der heißen Kästchen entstehen: Zubereitung des Teiges, Aufgehen desselben unter Hefeeinfluss, Zugabe würzender Zutaten und schließlich der Back- und Auskühl-Vorgang folgen dem gleichen Prinzip. Brotbackautomaten greifen dabei auf kompaktere Technik zurück als die traditionellen Handwerkzeuge der Bäcker, sind dabei aber auch leichter zu bedienen. Die Zutaten werden direkt in der beschichteten Backform automatisch verrührt und geknetet, der Teig und seine Hefe gehen gelassen (für Bäcker-Neulinge: der Deckel verhindert unter Umständen einen zu stark ausgeprägten Fluchtreflex), bis die unten liegende Heizspirale ihren Dienst am Brot aufnimmt. Das Ganze dauert – je nach Modell und frei wählbarem Programm – 1 bis 3 Stunden.
Geldwert: Anschaffung und Betriebskosten von Brotbackautomaten
Die Anschaffung eines modern ausgestatteten Brotbackautomaten ist durchaus erschwinglich mit Preisen von 30 Euro für einfache, kompakte Geräte bis zu 100 Euro für Produkte mit hochwertigerer Ausstattung und größeren Kapazitäten, wobei das Grundprinzip der Funktion gleich ist. Fertige Brotbackmischungen für 750 Gramm Brot werden in jedem Supermarkt zu Packungspreisen von 0,35 Euro bis 0,99 Euro angeboten und enthalten oft schon die benötigte Hefe. Die Preise für weitere Zutaten wie Körner, Kräuter und Artverwandte sind dem tagesaktuellen Angebot ihres Lebensmittelhandels zu entnehmen, wobei auch hier keine rahmensprengenden Betriebskosten auf die Haushaltskasse zukommen dürften. Zuletzt kann angemerkt werden, dass moderne Brotbackautomaten auch wegen ihrer Effizienz durchaus geldwert sind, denn sie verbrauchen weniger Strom als der Backvorgang in einem regulären Backofen, da die Hitze ohne große Umwege und Energieverlust das Brot in der Isolationshaft erreicht. Und wer abends während des Zähneputzens den Wasserhahn abdreht, hat sich bereits die benötigte Menge an zuzugebendem Wasser (je nach Brot und Programm zwischen 250 und 500ml) mehr als erwirtschaftet.
Engagement des Küchenchefs: Überwachung und Verfeinerung des Backvorganges
Obwohl die heutige Technik ohne viel Handwerk und das schweißtreibende Anfeuern eines Holzofens auskommt, kann man nur ein gegebenes Maß an Selbständigkeit von einem Brotbackautomaten erwarten. Besonders die Zugabe der Würzmittel zwischen Aufgeh- und Knetvorgang erfordert die kurze Anwesenheit des Küchenchefs, doch auch am Ende der Back- und Warmhaltezeit ist menschliches Engagement gefordert, denn dann will das Brot raus aus der Box. Wer die akustischen Signale missachtet, wird mit einem verschwitzten bis matschigen Brotlaib gestraft. Das Abkühlen und Ausdampfen von Brot und Maschine kann wiederum unbeobachtet vonstatten gehen. Darüber hinaus verfügen moderne Automaten über Startfunktionen per Zeitschaltuhr, um flexibler backen zu können. Übrigens erfreuen sich erstmalig in Betrieb genommene Brotbackautomaten eines höheren Maßes Aufmerksamkeit einer sich am Sichtfenster versammelnden Fankurve, die aber mit eingekehrter Routine wieder abnimmt.
Vor- und Nachteile vom Automatenbrot und des Einsatzes von Backautomaten
Ein grundsätzliches Problem der Automatenbrote vorweg genommen: Die Höhlenbildung der Rührwerkzeuge. Da der Backvorgang in der Regel ohne Umzug direkt in der Rührvorrichtung geschieht, werden die beschichteten Knetruder in den Unterboden des Brotlaibes eingebacken. Eine zwischenzeitliche Entfernung ist zwar laut Anleitung der meisten Geräte möglich, doch häufig eine recht klebrige Sauerei. Dem ist die filigrane Technik der operativen Entfernung des Knethakens aus dem fertig gebackenen Laib vorzuziehen, die nebenbei Geschicklichkeit und Sportsgeist fördert.
Weiterhin sind die Backform sowie die Rührwerkzeuge (bei kompakteren Backautomaten nur ein einzelnes Ruder) nach jedem Gebrauch zu reinigen, was bei der standardmäßigen Ausrüstung mit Antihaft-Beschichtungen kein großes Problem darstellt. Je nach Gelingen kommen Teile wie der Deckel und der Schacht samt Heizspirale dazu, denn abhängig von Temperament und Zielgenauigkeit kann schon mal ein wenig Mehl daneben gehen oder aber das Brot bei zu überquellender Hefe-Tätigkeit den Deckel küssen (weniger bzw. kälteres Wasser hinzugeben). Sicher ist der Einsatz von Backautomaten ein wenig mehr Aufwand als der Stopp beim nächsten Backwaren-Fachhändler, doch eben auch eine Überlegung wert und dann bald unkomplizierte Routine.
Vielfalt des Backwerks und der Einsatzmöglichkeiten eines Brotbackautomaten
Auch wenn der Begriff der Kreativität inflationär an Bedeutung verloren hat, so trifft er auf die Einsatzmöglichkeiten eines Brotbackautomaten voll und ganz zu. Egal ob süß oder salzig, dunkel oder hell, würzig oder fruchtig, herzhaft oder leicht: Brot ist extrem vielseitig. Neben immer neuen Brotvarianten eignet sich ein solches Gerät auch oft zum Kochen von Konfitüre, zum Kuchenbacken oder Mischen von homogenen Gemengen. Mittlerweile sind auch mehrere Buchtitel mit Ideen und Rezepten zum Backwerk im Automaten verfügbar.
Das teiggewordene Angebot der Bäcker ist heutzutage unüberschaubar, doch eine Garantie auf die persönliche Lieblingssorte Brot kann auch beim Profi nicht gegeben werden. Deshalb kann auch für Allergiker ein Brotbackautomat eine nützliche Hilfe sein, denn in der Bäckerei kann durchaus schon mal das eine oder andere unverträgliche Korn in den Teig geraten. Insgesamt gilt wohl auch hier, dass es am Benutzer des Brotbackautomaten liegt, ob das tägliche Brot langweilig wird oder nicht. Diese Informationen sind allerdings noch keine Garantie für cereales Entertainment.
Knusprige Konkurrenz: Bäckerei, Backshops, SB-Brötchen-Schalter
Heutzutage ist allzu oft der Preis das ausschlaggebende Argument, zumal mit den Rohstoffpreisen auch die Lebensmittelpreise weiter steigen. Doch wenn es um so regelmäßig genossene Lebensmittel wie Brot geht, sollten noch andere Faktoren in die Kalkulation einfließen. Um ein weiteres, zeitgemäßes zu nennen: Die Qualität, heute gleichbedeutend mit der Auswirkung des Produktes auf die Gesundheit. Um es kurz zu machen ist ein durchschnittlicher Brotbackautomat nur so gut wie seine Handhabung und die Zutaten, mit denen er gefüttert wird. Beides liegt allein in der Hand des Betreibers, was angesichts immer neuer Lebensmittelskandale ja keine ganz schlechte Tatsache ist. Von der Rekrutierung des heimischen Küchenkräutergartens bis zum eigenen Kornfeld unterm Bett ist alles erlaubt, was beliebt – vieles davon vermutlich besser und gesünder als die Backwerke der weit verbreiteten industriellen Ketten von Backshops und SB-Brötchen-Schaltern. Wer das erste eigene, duftende Krusten-Werk aus der Form klopft, der weiß, was gemeint ist.
